Policoro steht nicht zufällig im Mittelpunkt, wenn es um die Zukunft der Provinz Matera geht. Die Wahl von Francesco Mancini, Bürgermeister von Pomarico und Kandidat des Mitte-links-Lagers, zum neuen Präsidenten der Provinz Matera im September 2024 markiert mehr als nur einen personellen Wechsel in der Verwaltung. Sie ist ein Signal für die Richtung, in die sich eine der wirtschaftlich dynamischsten, aber auch verwundbarsten Regionen der Basilikata entwickeln soll – mit Policoro als Schlüsselakteur.
Warum diese Wahl zählt
Die Provinz Matera ist kein gewöhnliches Verwaltungsterritorium. Sie umfasst historische Städte wie Matera selbst, UNESCO-Welterbe seit 1993, aber auch Küstengemeinden wie Policoro, die das wirtschaftliche Rückgrat der Region bilden. Policoro, mit rund 16.000 Einwohnern der drittgrößte Ort der Basilikata, ist ein zentraler Knotenpunkt für Tourismus, Landwirtschaft und Kleingewerbe im Metapontino.
Die Wahl eines neuen Provinzpräsidenten betrifft also nicht nur bürokratische Fragen. Sie beeinflusst, wie schnell und effektiv die Region auf Krisen reagieren kann – sei es bei Naturkatastrophen, wie der schweren Tromba d’aria, die Policoro Anfang September 2026 traf, oder bei langfristigen Herausforderungen wie der Klimaanpassung oder der touristischen Positionierung.
Francesco Mancini, bisher Bürgermeister des kleinen Ortes Pomarico, bringt eine andere Perspektive mit als sein Vorgänger Piero Marrese. Seine Wahl durch das Mitte-links-Lager, unterstützt von Partito Democratico und weiteren Parteien, zeigt den Willen, die Provinz stärker als „Presidio” für Entwicklung und Problemlösung zu verstehen – so die Formulierung der Parteisekretäre Giovanni Lettieri und Claudio Scarnato.
Policoro: Wirtschaftsmotor mit Verwundbarkeiten
Policoro ist weit mehr als ein Badeort. Die Stadt vereint Landwirtschaft (insbesondere Obst- und Gemüseanbau), Tourismus (Strände, Hotels, gastronomische Angebote) und ein wachsendes Dienstleistungssegment. Diese Diversifizierung macht Policoro resilienter als viele andere Gemeinden der Provinz, birgt aber auch spezifische Risiken.
Die Tromba d’aria vom September 2026 hat das deutlich gemacht: Beschädigte Lidos, zerstörte landwirtschaftliche Flächen und unterbrochene Lieferketten zeigten, wie schnell ein einzelnes Extremwetterereignis die lokale Wirtschaft lahmlegen kann. Die Gewerkschaft Ugl Matera sprach sogar von der Gefahr einer „wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Notlage”, sollte nicht rasch geholfen werden.
Hier kommt die Provinzverwaltung ins Spiel. Der Provinzpräsident koordiniert unter anderem Infrastrukturprojekte, unterstützt Gemeinden bei der Beantragung regionaler und nationaler Fördermittel und kann als Sprachrohr der territorialen Interessen gegenüber der Regionalregierung in Potenza auftreten. Für Policoro bedeutet das konkret: Wer in Matera den Ton angibt, entscheidet mit darüber, ob die Stadt bei der Bewältigung von Schäden, beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur oder bei der Vermarktung als Tourismusdestination Priorität erhält.
Mancinis Profil: Vom kleinen Pomarico zur Provinzführung
Francesco Mancini stammt aus Pomarico, einer Gemeinde mit knapp 2.000 Einwohnern im Hinterland der Provinz. Seine Wahl zum Bürgermeister eines solchen Ortes erfordert andere Fähigkeiten als die Führung einer Stadt wie Policoro: Hier geht es oft um das Management knapper Ressourcen, um den Ausgleich unterschiedlicher Interessen in einer kleinen Gemeinschaft und um die Fähigkeit, über lokale Grenzen hinaus Netzwerke zu knüpfen.
Genau diese Erfahrung könnte Mancini in der Provinzführung zugutekommen. Die Provinz Matera besteht aus 31 Gemeinden, von denen viele ländlich und dünn besiedelt sind. Ein Präsident, der die Probleme des Binnenlandes kennt, kann besser vermitteln zwischen den Bedürfnissen der Küstengemeinden wie Policoro und denen der Bergdörfer.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Mancini über die notwendigen Verbindungen zur regionalen und nationalen Politik verfügt, um für Policoro und das Metapontino wirksam Lobbyarbeit zu leisten. Die Unterstützung durch das gesamte Mitte-links-Spektrum – von PD über kleinere Bewegungen bis hin zu lokalen Listen – gibt ihm hier eine solide Basis.
Zukunftsperspektiven: Was bedeutet das für Policoro?
Die Wahl Mancinis hat direkte Implikationen für Policoro. Erstens kann die Provinzverwaltung unter seiner Führung dazu beitragen, die Koordination zwischen den Gemeinden des Metapontino zu stärken. Bisher agieren viele Kommunen eher isoliert, obwohl sie ähnliche wirtschaftliche Strukturen und Herausforderungen teilen.
Zweitens wird die Provinz eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Förderprogrammen spielen – sei es für die Wiederherstellung nach Extremwetterereignissen, für die Digitalisierung des Tourismus oder für die Unterstützung der Landwirtschaft bei der Umstellung auf nachhaltigere Anbaumethoden. Policoro, als einer der Hauptnutznießer solcher Programme, ist auf eine effiziente und transparente Verteilung angewiesen.
Drittens könnte Mancinis Präsidentschaft die Positionierung von Policoro als überregionale Destination stärken. Die Stadt wirbt bereits mit Qualitätsangeboten im Handel und Tourismus und zieht Besucher aus der ganzen Basilikata an. Eine Provinzverwaltung, die diese Strategie aktiv unterstützt, könnte Policoro noch stärker als Ankerpunkt im Metapontino etablieren – mit positiven Effekten für die umliegenden Gemeinden.
Risiken und Herausforderungen
Nicht alles wird automatisch besser. Die Provinzverwaltung hat begrenzte eigene Ressourcen und ist stark von der Kooperation mit der Regionalregierung abhängig. Wenn die politische Ausrichtung von Provinz und Region nicht übereinstimmt – die Basilikata wird derzeit von einer Mitte-rechts-Regierung unter Vito Bardi geführt –, kann das die Umsetzung von Projekten verzögern.
Zudem besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit zu sehr auf die großen Themen wie Tourismusförderung und Infrastruktur gelenkt wird, während kleinere, aber ebenso wichtige Fragen – etwa die Abwasserentsorgung, der öffentliche Nahverkehr oder die soziale Infrastruktur – vernachlässigt werden.
Für Policoro bedeutet das: Die Stadt muss selbst aktiv bleiben, eigene Projekte vorantreiben und die Provinzverwaltung als Partner, nicht als Ersatz für eigenes Handeln verstehen.
Fazit: Eine Wahl mit Signalwirkung
Die Wahl von Francesco Mancini zum Präsidenten der Provinz Matera ist mehr als eine Personalie. Sie ist ein Testfall dafür, ob es gelingen kann, die unterschiedlichen Interessen der Provinz – von den Küstengemeinden wie Policoro bis zu den Bergdörfern des Hinterlands – unter einem Dach zu vereinen und gemeinsam voranzubringen.
Policoro, als wirtschaftliches Zentrum der Provinz, wird dabei eine Schlüsselrolle spielen. Die Stadt steht für die Stärken der Region – Tourismus, Landwirtschaft, Unternehmertum –, aber auch für ihre Verwundbarkeiten gegenüber Klimawandel und wirtschaftlichen Schocks.
Ob Mancini diese Chancen nutzen kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Entscheidend wird sein, ob es ihm gelingt, die Provinzverwaltung als echten Dienstleister für die Gemeinden zu etablieren – und Policoro dabei nicht nur als Wirtschaftsmotor, sondern als integralen Bestandteil einer ausgewogenen Regionalentwicklung zu begreifen.
Quellen
Francesco Mancini (Pd) candidato del centrosinistra alla presidenza della Provincia di Matera
Matera, Francesco Mancini eletto Presidente della Provincia


