Susan Saint James ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Emmy-prämierte Schauspielerin, die durch McMillan & Wife und vor allem durch die Kultserie Kate & Allie bekannt wurde, verstarb am 26. Oktober nach einer Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ihr Tod markiert nicht nur das Ende einer bemerkenswerten Karriere, sondern auch den Abschied von einer Frau, die das Bild von Müttern, Ehefrauen und unabhängigen Frauen im amerikanischen Fernsehen nachhaltig verändert hat.
Während viele Nachrufe sofort ihre bekanntesten Rollen nennen, liegt die eigentliche Bedeutung von Susan Saint James darin, dass sie zwei sehr unterschiedliche Fernsehfiguren mit derselben Leichtigkeit glaubwürdig machte: die charmante, schlagfertige Ehefrau eines Polizeikommissars in den 1970er-Jahren und die geschiedene Mutter, die in den 1980er-Jahren mit ihrer besten Freundin ein neues Familienmodell lebte. Diese Vielseitigkeit machte sie zu einer der prägenden Darstellerinnen ihrer Generation.
Eine Karriere, die früher begann, als viele erinnern
Susan Saint James wurde 1946 als Susan Jane Miller in Los Angeles geboren und wuchs in Rockford im US-Bundesstaat Illinois auf. Bereits als Kind faszinierte sie das Kino; mit sieben Jahren soll sie laut eigenen Erinnerungen den Entschluss gefasst haben, Schauspielerin zu werden. Mit 20 Jahren nahm sie den Künstlernamen Saint James an und unterschrieb einen Vertrag bei Universal.
Ihr Durchbruch kam nicht durch einen Kinofilm, sondern durch das Fernsehen. In der NBC-Serie The Name of the Game spielte sie ab 1968 die Rechercheurin Peggy Maxwell. Die Rolle brachte ihr drei Emmy-Nominierungen ein, darunter einen Gewinn als beste Nebendarstellerin in einer Dramaserie im Jahr 1969. Damit etablierte sich Susan Saint James früh als Schauspielerin, die mehr konnte als eine dekorative Nebenrolle: Sie verlieh einer Figur in einem anspruchsvollen Anthologie-Format Intelligenz, Präsenz und humorvolle Eigenständigkeit.
Sally McMillan: Mehr als die Frau an der Seite
International bekannt wurde Susan Saint James durch McMillan & Wife, eine Krimiserie, die zwischen 1971 und 1977 lief und Teil der NBC Mystery Movie-Reihe war. An der Seite von Rock Hudson spielte sie Sally McMillan, die Ehefrau des San Franciscoer Polizeikommissars Stewart McMillan. Die Serie kombinierte Kriminalfall, elegante Unterhaltung und ein augenzwinkerndes Ehepaar, dessen Chemie zum zentralen Reiz wurde.
Besonders bemerkenswert war, dass Sally McMillan keine passive Begleitfigur war. Sie mischte sich in Ermittlungen ein, hatte eigene Wahrnehmungen und brachte oft den entscheidenden menschlichen Blick in die Fälle ein. In einer Zeit, in der weibliche Rollen in Krimiserien häufig auf die besorgte Ehefrau oder das Opfer reduziert wurden, bot Susan Saint James eine Figur, die neugierig, witzig und handlungsfähig war. Dafür erhielt sie drei weitere Emmy-Nominierungen.
Ihre Entscheidung, die Serie nach fünf Spielzeiten zu verlassen, zeigt zugleich etwas über ihr Selbstverständnis. Saint James wollte sich nicht dauerhaft auf eine Rolle festlegen, sondern neue Wege im Film und im Fernsehen ausprobieren. Dass sie später mit Humor auf die Trennung von der Figur zurückblickte, machte deutlich: Für sie war Schauspiel kein Lebensvertrag mit einem einzigen Charakter, sondern ein Beruf mit Entwicklungsraum.
Kate & Allie: Ein Meilenstein des Familienfernsehens
Der nachhaltigste kulturelle Beitrag von Susan Saint James kam 1984 mit Kate & Allie. Gemeinsam mit Jane Curtin spielte sie zwei geschiedene Freundinnen, die nach ihren Trennungen mit ihren Kindern unter einem Dach in New York leben. Die CBS-Serie lief bis 1989 und wurde zu einem der wichtigsten Familienformate ihrer Zeit.
Die Stärke der Serie lag nicht in einer dramatischen Botschaft, sondern in ihrer Alltäglichkeit. Kate und Allie hatten keinen revolutionären Plan, keine politische Agenda und auch keine perfekte Lösung für ihr Leben. Sie suchten schlicht nach einer praktischen, menschlichen Antwort auf Trennung, finanzielle Unsicherheit, Kindererziehung und Einsamkeit. Genau deshalb wirkte die Serie so authentisch. Susan Saint James verkörperte die lebensfrohe, spontane Kate, während Jane Curtin die geordneteren Allie spielte. Diese Gegensätzlichkeit schuf eine Dynamik, die weit über klassische Sitcom-Witze hinausreichte.
Für viele Zuschauerinnen war Kate & Allie eine frühe Fernseherfahrung, in der eine geschiedene Mutter nicht als tragische Figur oder gesellschaftliches Problem dargestellt wurde. Sie war Hauptfigur, Freundin, Berufstätige, Mutter und Mensch mit eigenen Bedürfnissen. Susan Saint James erhielt für diese Rolle zwei Emmy-Nominierungen. Die Serie selbst wurde mehrfach für den Emmy als beste Comedyserie nominiert.
Warum ihr Tod mehr bedeutet als ein Prominentennachruf
Der Tod von Susan Saint James trifft eine Generation von Zuschauern, die mit ihren Serien aufgewachsen ist. Doch ihr Vermächtnis reicht über Nostalgie hinaus. Sie gehörte zu jenen Fernsehschauspielerinnen, die zeigten, dass Komödie ernsthafte gesellschaftliche Veränderungen tragen kann. Kate & Allie normalisierte gemeinschaftliche Familienmodelle, Freundschaft als tragende Lebensform und die Vorstellung, dass ein Zuhause nicht zwingend dem klassischen Kernfamilienbild entsprechen muss.
Zugleich steht ihr Lebensweg für eine Entscheidung, die im Showbusiness selten ist: das bewusste Zurücktreten. Nach dem Ende von Kate & Allie zog sich Susan Saint James weitgehend aus Hollywood zurück. Sie begründete dies damit, dass ihre Kinder in einer Phase waren, in der sie im Mittelpunkt der Familie stehen sollten. Später übernahm sie nur noch vereinzelte Rollen, unter anderem in Law & Order: Special Victims Unit und Suits.
Diese Entscheidung wirkt heute umso bemerkenswerter. In einer Branche, die Erfolg oft an Sichtbarkeit, Dauerpräsenz und öffentlicher Aufmerksamkeit misst, wählte sie eine andere Priorität. Sie wurde Mutter, Unternehmerin, Radiobeteiligte, Gärtnerin und langjährige Fürsprecherin der Special Olympics. Ihr Leben zeigt, dass eine Karriere nicht erst dann bedeutungsvoll endet, wenn das Publikum sie vergisst, sondern auch dann, wenn eine Künstlerin bewusst andere Rollen übernimmt.
Private Tragik und öffentliche Stärke
Das Leben von Susan Saint James war jedoch nicht nur von Erfolg geprägt. Im November 2004 starb ihr 14-jähriger Sohn Teddy bei einem Flugzeugabsturz in Colorado, bei dem auch ihr Ehemann Dick Ebersol und ihr Sohn Charles an Bord waren. Der Verlust veränderte das Leben der Familie grundlos.
Besonders eindrücklich ist, wie Saint James mit dieser Tragödie umging. Kurz nach dem Unglück sprach sie öffentlich über die Anteilnahme vieler Menschen und dankte ihnen. Später beantwortete sie nach Angaben ihrer Familie Tausende von Kondolenzschreiben handschriftlich. Sie unterstützte andere Eltern, die Kinder verloren hatten, und entwickelte eine enge Freundschaft mit Lynn McDonnell, deren Tochter Grace beim Angriff auf die Sandy Hook Elementary School getötet wurde.
Diese Seite ihres Lebens erklärt vielleicht am besten, warum ihre Kollegen, Familie und Freunde sie nicht nur als Schauspielerin erinnern. Susan Saint James war eine Person, die Empathie nicht als öffentliche Geste verstand, sondern als tägliche Praxis. Ihre Familie beschrieb sie als jemanden, der Fremde nicht als Fremde behandelte und Menschen in schwierigen Momenten aufbaute.
Ein Leben jenseits der Kamera
Neben ihrer Schauspielkarriere engagierte sich Susan Saint James über Jahrzehnte für die Special Olympics. Sie hatte bereits 1968 an den ersten Spielen in Chicago teilgenommen, war später Mitglied im internationalen Vorstand und setzte sich auch in Connecticut für die Organisation ein. Zudem gründete sie ein Benefiz-Pokerturnier zugunsten der Special Olympics und unterstützte weitere soziale sowie kulturelle Projekte.
Ihre Interessen waren breiter, als ihre Fernsehrolle vermuten ließ. Sie besaß eine Radiostation in Connecticut, gründete in den 1990er-Jahren ein Unternehmen für Babygeschenke und Bücher und absolvierte in ihren Fünfzigern eine Ausbildung zur Master Gardenerin. Nach der Pensionierung ihres Mannes reisten die beiden durch das Land, besuchten Minor-League-Baseballspiele und genossen ein bewusst unkompliziertes Leben.
Diese Facetten machen deutlich: Susan Saint James war keine Schauspielerin, die nach dem Abschied vom Rampenlicht in der Vergangenheit lebte. Sie baute sich ein Leben auf, das Familie, Engagement, Natur, Musik und Freundschaft verband.
Was von Susan Saint James bleibt
Susan Saint James hinterlässt ihren Ehemann Dick Ebersol, vier Kinder, sieben Enkelkinder, ihre Schwester und ihren Servicehund Lola. Doch ihr eigentliches Erbe liegt in den Bildern, die sie geprägt hat: eine Frau, die im Krimi nicht nur beautiful wife war; eine Mutter, die im Fernsehen nicht als Randfigur existierte; eine Freundin, deren Beziehung zur wichtigsten Stütze werden konnte; und eine öffentliche Person, die ihre Privatsphäre nicht als Rückzug aus Verantwortung verstand.
Ihr Tod erinnert daran, wie stark das Fernsehen gesellschaftliche Vorstellungen formen kann. Susan Saint James war dabei keine lautstarke Reformerin, sondern eine Schauspielerin, die Veränderung durch Zugänglichkeit erreichte. Sie machte neue Lebensmodelle sympathisch, weil sie sie nicht predigte, sondern spielte. Genau darin liegt ihre bleibende Bedeutung.
Für das amerikanische Fernsehen war Susan Saint James eine Brücke zwischen zwei Epochen: zwischen der glamourösen Unterhaltung der 1970er-Jahre und dem realistischeren Familienfernsehen der 1980er-Jahre. Wer heute über moderne Serien über patchwork families, alleinerziehende Mütter oder weibliche Freundschaften spricht, findet in Kate & Allie einen frühen und einflussreichen Vorläufer. Susan Saint James wird deshalb nicht nur als Darstellerin in Erinnerung bleiben, sondern als Frau, die dem Fernsehen gezeigt hat, dass Wärme, Humor und gesellschaftlicher Wandel zusammengehören können.
Quellen
Susan Saint James, Star aus „Kate & Allie“ und „McMillan & Wife“, stirbt im Alter von 80 Jahren
Susan Saint James, Emmy-Preisträgerin aus „McMillan & Wife“ und „Kate & Allie“, stirbt im Alter von 80 Jahren


