Alexia Putellas holt ihren dritten Ballon d’Or: Eine Rückkehr, die den Frauenfußball verändert

27/10/2026
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Alexia Putellas ist wieder die beste Fußballerin der Welt. Mit ihrem dritten Ballon d’Or krönt die spanische Mittelfeldspielerin eine Entwicklung, die weit über eine einzelne Auszeichnung hinausgeht: Nach einer schweren Kreuzbandverletzung, Monaten der Unsicherheit und einem Abschied vom FC Barcelona hat sie bewiesen, dass ihre beste Version nicht nur Erinnerung ist, sondern Gegenwart. Der Alexia Putellas Ballon d’Or 2026 ist zugleich eine Würdigung ihrer sportlichen Konstanz und ein Signal dafür, wie schnell sich die Machtverhältnisse im internationalen Frauenfußball verschieben können.

Denn diese Trophäe erzählt nicht nur von Toren, Vorlagen und Titeln. Sie erzählt von einer Spielerin, die nach dem Bruch des vorderen Kreuzbandes hätte zurücktreten können, stattdessen aber ihren Stil neu definierte, ihre Rolle im Team veränderte und schließlich wieder zum Maßstab wurde. Alexia Putellas gewann den Preis nach 2021 und 2022 zum dritten Mal und zieht damit mit ihrer ehemaligen Barcelona-Kollegin Aitana Bonmatí gleich, die ebenfalls drei Mal ausgezeichnet wurde.

Mehr als eine Auszeichnung

Der Ballon d’Or ist im Frauenfußball längst kein symbolischer Preis mehr. Er bündelt Leistung, internationale Sichtbarkeit und ökonomische Bedeutung in einer Auszeichnung. Wer ihn gewinnt, wird nicht nur als beste Spielerin einer Saison gefeiert, sondern auch als Gesicht einer Sportart, die weltweit um Aufmerksamkeit, Investitionen und kulturelle Anerkennung kämpft.

Gerade deshalb ist der dritte Titel für Alexia Putellas so bedeutsam. Sie hatte den Preis bereits zweimal gewonnen, bevor die Verletzung ihre Karriere abrupt unterbrach. Damals war sie die kreative Schaltzentrale des FC Barcelona, eine Spielerin, die Spiele nicht nur mit Toren entschied, sondern mit Timing, Raumgefühl und der Fähigkeit, komplexe Situationen in klare Lösungen zu übersetzen. Nach der Verletzung musste sie beweisen, dass diese Qualitäten nicht an ihren Körper gebunden waren, sondern Teil ihrer Fußball-Intelligenz geblieben sind.

Ihre Rückkehr war deshalb kein einfacher Comeback-Erzählstrang. Sie war ein Prozess aus Rückschlägen, Anpassungen und dem schmerzhaften Loslassen der alten Alexia. Erst als sie aufhörte, ausschließlich ihre frühere Form wiederherstellen zu wollen, fand sie zu einer neuen, reiferen Version ihrer selbst.

Die Verletzung als Wendepunkt

Im Juli 2022 riss sich Alexia Putellas das vordere Kreuzband im linken Knie. Der Zeitpunkt konnte kaum ungünstiger sein: Kurz vor der Europameisterschaft, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und nach zwei aufeinanderfolgenden Ballon-d’Or-Siegen. Die Verletzung bedeutete nicht nur eine lange Pause, sondern auch den Verlust des Rhythmus, der für eine Spielerin ihres Typs entscheidend ist.

Kreuzbandverletzungen verändern Fußballerinnen nicht nur körperlich. Sie stellen Fragen nach Belastbarkeit, Beweglichkeit, Selbstvertrauen und der Fähigkeit, unter Druck wieder mutig zu handeln. Für eine Spielmacherin wie Alexia Putellas war die Herausforderung besonders komplex: Ihr Spiel lebt von Drehungen, Richtungswechseln, engen Räumen und dem Gespür für den richtigen Moment. All das lässt sich nicht einfach durch Rehabilitation ersetzen.

Sie erreichte zwar die Weltmeisterschaft 2023, doch sie war dort nicht die dominierende Figur, die sie zuvor gewesen war. Später folgte eine erneute Knieoperation. Diese Phase zeigt etwas, das in Erfolgsgeschichten oft übersehen wird: Spitzenleistung entsteht nicht nur durch Talent, sondern durch die Fähigkeit, mit Einschränkungen professionell umzugehen. Alexiaputellas wurde in dieser Zeit nicht schwächer, sondern erzwang eine neue Form der Selbstreflexion.

Die Rückkehr in ihre beste Version

In der Saison 2024/25 zeichnete sich ab, dass Alexia Putellas wieder in die absolute Weltspitze zurückfand. Sie übernahm mehr Verantwortung, wurde erneut zur Führungsfigur und führte den FC Barcelona durch eine Phase, in der wichtige Mitspielerinnen ausfielen. Dass sie dabei nicht nur Tore erzielte, sondern auch das Spiel strukturierte, machte ihren Wert sichtbar.

Die folgende Saison wurde dann zur vollendeten Bestätigung. Mit Barcelona gewann sie Liga F, die Copa de la Reina, die Supercopa de España und die UEFA Women’s Champions League. Dieses Quadruple war kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines Teams, das über Jahre hinweg eine außergewöhnliche technische und taktische Kultur entwickelt hatte. Alexia Putellas war dabei wieder die verbindende Figur zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff.

Besonders in der Champions League bewies sie ihre internationale Klasse. Mit sieben Toren und sieben Vorlagen in elf Spielen wurde sie zur besten Spielerin des Wettbewerbs gekürt. Diese Zahlen sind beeindruckend, aber sie erklären nicht alles. Entscheidend war, wie sie in den entscheidenden Momenten das Tempo bestimmte, Räume öffnete und ihre Teamkolleginnen in Positionen brachte, aus denen heraus Barcelona seine Überlegenheit ausspielen konnte.

Warum Barcelona ohne sie nicht dasselbe ist

Der FC Barcelona ist mehr als ein Verein. Er ist ein System, das den Frauenfußball in Europa geprägt hat: hoher Ballbesitz, mutiges Pressing, technische Präzision und eine klare Identität. Alexia Putellas verkörperte diese Identität über Jahre hinweg. Sie war nicht nur Kapitänin, sondern auch ein lebendiges Symbol dafür, dass der spanische Frauenfußball eine eigene Fußballsprache entwickelt hat.

Ihr Abschied nach 14 Jahren beim Klub war daher mehr als ein Transfer. Er markierte das Ende einer Ära. Alexia Putellas hatte über 500 Spiele für Barcelona absolviert und mehr als 230 Tore erzielt. Diese Zahlen machen deutlich, wie selten ihre Verbindung zu einem Verein war: Sie war nicht einfach eine starke Spielerin in einem starken Team, sondern ein prägender Teil seiner Geschichte.

Gleichzeitig zeigt ihr Weggang, wie reif der Frauenfußball geworden ist. Spielerinnen müssen sich nicht mehr ausschließlich mit einem erfolgreichen Klub identifizieren, um ihre Karriere sinnvoll zu gestalten. Sie können Projekte wählen, die ihnen neue Rollen, neue Märkte und neue Möglichkeiten bieten. Genau das macht den Wechsel von Alexia Putellas zu den London City Lionesses so interessant.

Ein mutiger Neuanfang in London

Der Wechsel zu den London City Lionesses wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Barcelona ist ein etablierter europäischer Gigant, während die Lionesses ein junger Klub mit ambitionierten Plänen sind. Doch genau darin liegt die Logik. Die von der Unternehmerin Michele Kang unterstützte Mannschaft will zeigen, dass ein Frauenfußballklub unabhängig, wirtschaftlich tragfähig und sportlich konkurrenzfähig sein kann.

Für Alexia Putellas ist London kein Ruhepol, sondern eine neue Bühne. Sie bringt nicht nur sportliche Qualität mit, sondern auch globale Strahlkraft. Ihre Präsenz kann Sponsoren, Medien und junge Spielerinnen auf einen Klub aufmerksam machen, der noch keine lange Tradition besitzt. Das ist eine andere Art von Verantwortung als die Kapitänsbinde in Barcelona – aber nicht weniger wichtig.

Die Women’s Super League profitiert davon unmittelbar. Mit Alexia Putellas spielt erstmals eine aktive Spielerin der WSL, die den Ballon d’Or gewinnt. Das erhöht die internationale Wahrnehmung der englischen Liga und zeigt, dass Spitzenfußball nicht mehr automatisch mit den traditionellen Zentren Barcelona, Lyon oder den USA verbunden sein muss.

Was ihr dritter Titel bedeutet

Der dritte Ballon d’Or macht Alexia Putellas zu einer der einflussreichsten Figuren in der Geschichte des Frauenfußballs. Doch ihre Bedeutung lässt sich nicht allein an Trophäen messen. Sie hat gezeigt, dass eine Karriere nach schwerer Verletzung nicht zwangsläufig abbricht, sondern sich wandeln kann. Sie hat bewiesen, dass Erfahrung, Spielintelligenz und Führungsstärke ebenso wertvoll sind wie Explosivität und Jugend.

Für junge Spielerinnen ist das eine wichtige Botschaft. Der Weg an die Spitze verläuft selten geradlinig. Es gibt Verletzungen, Formkrisen, öffentliche Zweifel und Momente, in denen die eigene Rolle neu verhandelt werden muss. Alexia Putellas steht für die Fähigkeit, genau in solchen Momenten nicht aufzugeben, sondern die eigenen Stärken neu zu ordnen.

Zugleich wirft ihr Erfolg ein Licht auf die strukturelle Entwicklung des Frauenfußballs. Vor wenigen Jahren wäre ein Wechsel von Barcelona zu einem weniger traditionsreichen englischen Klub kaum denkbar gewesen. Heute ist er ein Zeichen dafür, dass Spielerinnen über mehr Verhandlungsmacht, mehr internationale Optionen und mehr Einfluss auf die Zukunft ihrer Sportart verfügen.

Die Zukunft nach dem goldenen Höhepunkt

Was kommt nun nach dem Alexia Putellas Ballon d’Or 2026? Die Antwort liegt weniger in der Frage, ob sie weitere Titel gewinnen kann, sondern darin, welche Rolle sie künftig einnimmt. Mit 32 Jahren befindet sie sich in einer Phase, in der körperliche Spitzenleistung nicht mehr selbstverständlich ist, aber Erfahrung und Spielverständnis wertvoller werden als je zuvor.

Bei den London City Lionesses kann sie zur zentralen Identifikationsfigur eines Projekts werden, das den Frauenfußball wirtschaftlich und sportlich neu denken will. In der spanischen Nationalmannschaft bleibt sie eine erfahrene Führungspersönlichkeit, deren Wert über Tore und Vorlagen hinausgeht. Und global bleibt sie ein Vorbild für alle Athletinnen, die nach einer Verletzung nicht nur zurückkehren, sondern zurückkehren wollen, um wieder zu gewinnen.

Alexia Putellas hat mit ihrem dritten Ballon d’Or gezeigt, dass Größe nicht daran gemessen wird, ob man niemals fällt, sondern daran, wie man nach dem Fall wieder aufersteht. Ihre Geschichte ist deshalb mehr als eine Fußballgeschichte. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Beharrlichkeit, Klugheit und der Mut zum Neuanfang eine Karriere neu erfinden können.

Quellen

Alexia, die Königin, kleidet sich wieder in Gold
Alexia Putellas gewinnt den Ballon d’Or der Frauen 2026

Matthias Otto

Matthias Otto

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