Unter großem Medienandrang begann am Freitagmittag der Prozess gegen einen 21‑jährigen Mann, der sich im Internet als „White Tiger“ ausgab. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte Kinder und Jugendliche in sozialen Netzwerken zu sexuellen und selbstverletzenden Handlungen gedrängt haben. Besonders erschütternd: Nach einem mutmaßlichen Kontakt mit ihm beging ein 13‑Jähriger Suizid – weshalb ihm nun auch Mord vorgeworfen wird.
Der Angeklagte schwieg zum Prozessauftakt, während die Anklage eine detaillierte Liste der Taten verlas. Beobachter berichten von einer angespannten Atmosphäre im Saal, da viele Angehörige der Opfer anwesend waren.
Ermittlungen mit internationaler Dimension
Die Polizei hatte den Mann im Frühjahr 2025 festgenommen, nachdem internationale Ermittler auf verdächtige Aktivitäten in Chat‑Foren aufmerksam geworden waren. „White Tiger“ soll gezielt junge Menschen mit emotionaler Manipulation und psychischem Druck dazu gebracht haben, intime Inhalte zu senden oder sich selbst zu verletzen.
Laut Ermittlungsakten nutzte er dabei mehrere Identitäten und verschleierte seine Spuren über verschlüsselte Kanäle. Die Spur führte letztlich nach Hamburg, wo er lebte und einen Teil der Kommunikation abgewickelt haben soll.
Fassungslosigkeit bei Eltern und Experten
Psychologen und Kinderschutzorganisationen äußern tiefe Besorgnis über den Fall. Sie sehen ihn als Beispiel für die zunehmende Gefährdung Minderjähriger im Netz, wenn digitale Kommunikation durch Täuschung oder emotionale Ausnutzung missbraucht wird.
Elternvertreter fordern verschärfte Maßnahmen gegen Online‑Übergriffe und eine bessere digitale Aufklärung in Schulen. Fachleute betonen, dass es besonderer Schutzmechanismen bedarf, um Kinder vor psychischer Manipulation und sexualisierter Gewalt im Internet zu bewahren.
Wie es im Verfahren weitergeht
Der Prozess vor dem Hamburger Landgericht ist zunächst auf mehrere Wochen angesetzt. Das Gericht wird zahlreiche Zeugen, darunter IT‑Forensiker und Psychologen, anhören. Sollte sich der Tatvorwurf des Mordes bestätigen, droht dem Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe.
Ein Urteil wird frühestens im Frühjahr 2026 erwartet.
Quellen
“White Tiger”: So lief der Prozessstart in Hamburg
“White Tiger”-Prozess: 21-Jähriger wegen Mordes vor Gericht