Flughafen München: Innerhalb von nur zwei Tagen ereigneten sich auf der Südbahn 26L zwei unterschiedliche, aber sicherheitsrelevante Zwischenfälle. Zunächst hatte eine Boeing 787 von Vietnam Airlines beim Start erhebliche Probleme und musste nach einer beschädigten Maschine zum Flughafen zurückkehren. Kurz darauf setzte ein Airbus A380 der Lufthansa bei der Landung zu früh auf und beschädigte die Befeuerung an der Pistenschwelle. Verletzte gab es in beiden Fällen nicht. Dennoch untersucht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, kurz BFU, die Vorgänge.
Ein A380 landet vor der Schwelle
Der Lufthansa-Airbus A380 befand sich am Montagabend auf dem Rückflug von San Francisco nach München. An Bord waren 351 Passagiere. Beim Anflug auf die Landebahn 26L setzte das Großraumflugzeug nicht erst innerhalb des markierten Landebereichs auf, sondern berührte den Boden im Bereich vor der eigentlichen Pistenschwelle.
Die Maschine verfehlte die Landebahn nicht und kam anschließend sicher zum Stehen beziehungsweise rollte aus eigener Kraft zu ihrer Parkposition. Für die Passagiere endete der Flug daher ohne unmittelbare Folgen. Nach Angaben der Lufthansa konnten alle Reisenden das Flugzeug regulär verlassen.
Der frühe Bodenkontakt blieb jedoch nicht ohne Konsequenzen. Die Reifen des Hauptfahrwerks beschädigten Teile der Beleuchtung an der Landebahnschwelle. Diese Lichter markieren für Piloten bei Dunkelheit und eingeschränkter Sicht den Beginn der nutzbaren Piste. Sie sind deshalb nicht bloß technische Ausstattung, sondern ein wichtiger Bestandteil des visuellen Orientierungssystems eines Flughafens.
Nach Angaben des Flughafens München wurden die beschädigten Lampen kurzfristig repariert. Die Südbahn konnte demnach bereits etwa eine Stunde nach dem Vorfall wieder freigegeben werden. Der Flughafenbetrieb wurde dadurch nicht über längere Zeit lahmgelegt.
Warum die Pistenschwelle entscheidend ist
Für Außenstehende mag es wie eine geringfügige Abweichung aussehen, wenn ein Flugzeug einige Meter zu früh aufsetzt. In der Luftfahrt ist der Bereich vor der Pistenschwelle jedoch besonders sensibel. Die markierte Schwelle signalisiert, ab welchem Punkt die Landebahn für die Landung vorgesehen ist. Setzt ein Flugzeug davor auf, kann es mit Einrichtungen kollidieren, die dort normalerweise nicht vom Fahrwerk getroffen werden sollten.
Bei einem Airbus A380 kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: Das Flugzeug ist fast 73 Meter lang, besitzt eine große Spannweite und kann je nach Beladung mehrere hundert Tonnen wiegen. Schon eine geringe Abweichung beim Aufsetzen wirkt sich bei einem solchen Flugzeug deutlich auf die Infrastruktur aus. Das erklärt, warum auch ein Vorfall ohne Verletzte technisch sorgfältig untersucht werden muss.
Die BFU prüft dabei nicht automatisch nur ein mögliches Fehlverhalten der Cockpitbesatzung. Eine professionelle Untersuchung betrachtet den gesamten Ablauf. Dazu gehören unter anderem Wetterbedingungen, Sicht, Windrichtung und Windstärke, Anfluggeschwindigkeit, Gleitpfad, Flughöhe, Aufsetzpunkt, technische Daten und die Kommunikation zwischen Cockpit und Flugsicherung.
Auch die Frage, ob die Beleuchtung bereits vor dem Ereignis beschädigt oder auffällig war, kann eine Rolle spielen. Ebenso wird untersucht, ob die Crew durch optische Eindrücke, die Beleuchtung des Flughafens oder die Umgebung der Piste irritiert worden sein könnte. Erst die Auswertung von Flugdatenschreiber, Cockpitstimmenrekorder, Radaraufzeichnungen und Wartungsunterlagen kann ein belastbares Bild liefern.
Zwei Ereignisse, eine Start- und Landebahn
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall, weil sich nur zwei Tage zuvor auf derselben Piste ein deutlich schwerwiegenderer Zwischenfall ereignet hatte. Eine Boeing 787-9 von Vietnam Airlines war beim Start nach Hanoi ungewöhnlich lange am Boden geblieben. Das Heck des Flugzeugs soll während der Rotationsphase den Boden berührt haben. Außerdem wurden am Ende der Piste Reifenspuren gefunden, die der Maschine zugeordnet werden könnten.
Die Boeing konnte schließlich abheben, kehrte aber nach München zurück. Nach zwei Überflügen zur Kontrolle der Schäden landete sie auf der parallel verlaufenden Bahn 26R. Unter anderem sollen Reifen und Fahrwerksbereiche beschädigt worden sein. Die Maschine blockierte zeitweise die Bahn und musste später in einen Hangar gebracht werden. Auch in diesem Fall blieben alle Menschen an Bord unverletzt.
Die beiden Ereignisse haben nach derzeit bekanntem Stand keine gemeinsame Ursache. Ein zu spätes Abheben einer Boeing 787 und ein zu frühes Aufsetzen eines Lufthansa-A380 sind zunächst zwei voneinander unabhängige Abläufe. Trotzdem untersucht die BFU beide Fälle. Das ist wichtig, weil Sicherheitsbehörden nicht nur einzelne Fehler betrachten, sondern auch prüfen, ob es infrastrukturelle oder betriebliche Gemeinsamkeiten geben könnte.
Dazu zählen beispielsweise die Beschaffenheit der Piste, die Sichtbedingungen, die verwendeten Anflugverfahren oder Besonderheiten bei der Nutzung der Start- und Landebahn. Ein zeitlicher Zusammenhang allein beweist allerdings noch kein systemisches Problem am Flughafen München.
Was die Untersuchung klären muss
Bei der Lufthansa-Landung steht zunächst die genaue Position des ersten Bodenkontakts im Mittelpunkt. Die BFU wird wahrscheinlich feststellen wollen, ob nur das Hauptfahrwerk oder möglicherweise auch andere Teile des Flugzeugs mit dem Boden oder der Infrastruktur in Kontakt kamen. Außerdem muss geprüft werden, ob die Beschädigung der Befeuerung ausschließlich durch die Reifen verursacht wurde oder ob weitere Komponenten betroffen waren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Flugzeugfreigabe. Der A380 blieb zunächst am Boden und sollte erst nach einer technischen Prüfung sowie der Freigabe durch die zuständigen Stellen wieder eingesetzt werden. Das zeigt den Unterschied zwischen einer sicheren Landung und einer vollständig abgeschlossenen Sicherheitsbewertung: Dass Passagiere das Flugzeug ohne Probleme verlassen können, bedeutet nicht automatisch, dass die Maschine sofort wieder flugtauglich ist.
Die Untersuchung kann außerdem Empfehlungen für Fluggesellschaften, Flughäfen oder Behörden enthalten. Solche Empfehlungen müssen nicht zwangsläufig auf einen schweren technischen Defekt hinweisen. Sie können auch Anpassungen bei Trainingsverfahren, Anflugüberwachung, Warnsystemen oder der Kontrolle der Pistenschwelle betreffen.
Entscheidend ist, dass die Öffentlichkeit zwischen einem Unfall, einem schweren Zwischenfall und einem weniger folgenreichen Ereignis unterscheiden kann. Nicht jeder Vorfall mit Sachschaden führt zu einer Katastrophe. Gerade die systematische Aufklärung solcher Situationen soll verhindern, dass aus kleinen Abweichungen später ein schwerer Unfall entsteht.
Sicherheit zeigt sich nicht nur in der Vermeidung
Die Tatsache, dass bei beiden Ereignissen niemand verletzt wurde, ist zunächst eine gute Nachricht. Sie sollte aber nicht dazu führen, die Abläufe zu verharmlosen. Moderne Flugsicherheit beruht nicht allein darauf, dass ein Flugzeug am Ende sicher stehen bleibt. Sie bewertet auch, wie nah ein Ereignis an einer gefährlicheren Entwicklung lag und welche Schutzmechanismen funktioniert haben.
Im Fall der Vietnam-Airlines-Maschine war die Reaktion der Besatzung entscheidend. Die Crew musste die Situation nach dem Start bewerten, eine Rückkehr vorbereiten und mit einer beschädigten Maschine landen. Am Flughafen standen Rettungskräfte bereit. Die Landung auf der anderen Piste verhinderte zusätzliche Belastungen für die blockierte Startbahn.
Auch beim Lufthansa-A380 funktionierten mehrere Sicherheitsbarrieren. Das Flugzeug blieb kontrollierbar, die Passagiere konnten regulär aussteigen, und die beschädigte Pistenbeleuchtung wurde schnell repariert. Solche Abläufe zeigen, dass Flughäfen und Airlines über Notfallpläne verfügen, die auch bei ungewöhnlichen Situationen greifen.
Gleichzeitig machen die Fälle deutlich, wie viele Faktoren bei einem Start oder einer Landung zusammenspielen. Flugzeuggewicht, Geschwindigkeit, Wind, Temperatur, Sicht, Bahnlänge, Anflugwinkel und menschliche Entscheidungen beeinflussen den Ablauf innerhalb weniger Sekunden. Besonders bei Großraumflugzeugen können kleine Abweichungen große Auswirkungen auf die Infrastruktur haben.
Mögliche Folgen für den Flughafenbetrieb
Kurzfristig dürfte der Flughafen München die technische Kontrolle der betroffenen Piste und die Dokumentation der Schäden in den Mittelpunkt stellen. Die schnelle Reparatur der Schwellenbeleuchtung verhindert zwar eine längerfristige Sperrung, doch jedes beschädigte Element muss fachgerecht geprüft und gegebenenfalls vollständig ersetzt werden.
Für den Flugbetrieb sind zwei Ereignisse auf derselben Bahn in kurzer Folge dennoch belastend. Wenn eine Start- und Landebahn gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar ist, müssen Starts und Landungen auf andere Bahnen verlagert werden. Das kann zu Verspätungen, veränderten Abflugrouten und einer höheren Arbeitsbelastung für Flugsicherung und Bodenpersonal führen.
Langfristig wird die BFU-Untersuchung zeigen, ob konkrete Verbesserungen notwendig sind. Denkbar wären zusätzliche technische Kontrollen an der Pistenschwelle, eine genauere Auswertung von Anflugprofilen oder eine Überprüfung der Verfahren für besonders große Flugzeuge. Auch Schulungen können angepasst werden, wenn sich bestimmte Muster wiederholen.
Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es jedoch voreilig, aus den beiden Zwischenfällen eine generelle Sicherheitskrise am Flughafen München abzuleiten. Die entscheidenden Ursachen sind noch nicht öffentlich geklärt. Erst der Vergleich aller technischen Daten, Zeugenaussagen und Betriebsinformationen kann zeigen, ob es sich um zwei isolierte Ereignisse oder um Hinweise auf ein gemeinsames Risikofeld handelt.
Warum der BFU-Bericht wichtig wird
Der Untersuchungsbericht wird deshalb mit Interesse erwartet. Er kann nicht nur erklären, was beim Lufthansa-Airbus konkret passiert ist. Er kann auch Hinweise darauf geben, wie Piloten, Airlines und Flughäfen ähnliche Situationen künftig früher erkennen und vermeiden können.
Für die Passagiere bleibt vor allem festzuhalten: Beide Flüge endeten ohne Verletzte, obwohl die Abläufe erheblich von einem normalen Start beziehungsweise einer normalen Landung abwichen. Für die Luftfahrtbranche beginnt die eigentliche Arbeit jedoch erst nach dem sicheren Aussteigen. Dann müssen Daten gesichert, Schäden bewertet und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Der Flughafen München wird daher auch nach der Reparatur der Beleuchtung im Blick der Ermittler bleiben. Die Wiederaufnahme des Betriebs beendet den technischen Einsatz, nicht aber die Sicherheitsfrage. Erst wenn die BFU ihre Analyse abgeschlossen hat, lässt sich zuverlässig beurteilen, ob aus den beiden Ereignissen konkrete Lehren für künftige Starts und Landungen gezogen werden müssen.
Quellen
Behörde untersucht Zwischenfall mit Lufthansa-Airbus
A380 der Lufthansa setzt zu früh auf


