Zuckersteuer 2027: Warum Deutschland jetzt auch Zero-Getränke besteuern will – und was das für Verbraucher bedeutet

25/08/2026
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© 2026 Bloomberg

Die zuckersteuer wird in Deutschland zum politischen Zündstoff: Statt wie ursprünglich geplant erst 2028 und nur auf klassische Limonaden beschränkt, könnte die Abgabe bereits 2027 deutlich breiter greifen – und erstmals auch zuckerfreie Getränke mit Süßstoffen wie Cola Zero erfassen.

Vom Gesundheitsinstrument zur allgemeinen Steuer

Ursprünglich war die zuckersteuer deutschland als zweckgebundene Abgabe konzipiert, um Ausgaben im Gesundheitssystem zu stabilisieren und den Zuckerkonsum zu senken. Doch nach aktuellen Berichten aus dem Bundesfinanzministerium hat sich der Fokus verschoben: Die Einnahmen fließen nun nicht mehr gezielt in die gesetzliche Krankenversicherung, sondern in den allgemeinen Haushalt. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) rechnet für 2027 mit rund 650 Millionen Euro, danach mit jährlich etwa 450 Millionen Euro.

Diese Verschiebung ist politisch brisant. Kritiker werfen der Regierung vor, die zuckersteuer primär als Instrument zur Haushaltskonsolidierung zu nutzen, statt sie konsequent für Präventionsmaßnahmen einzusetzen. Die ursprüngliche Idee stammte aus der Reformkommission unter der früheren Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die eine Herstellerabgabe nach britischem Vorbild empfohlen hatte – mit dem Ziel, Rezepturen zu verändern und den Zuckergehalt zu reduzieren.

Deutliche Verschärfung: Mehr Getränke, früherer Start

Die jüngsten Pläne des Finanzministeriums gehen weit über die ursprünglichen Empfehlungen hinaus. Nicht nur Limonaden sollen besteuert werden, sondern auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke, Fertigkaffees und sogar Getränke mit Süßstoffen. Selbst Cola Zero, Sprite Zero und vergleichbare Produkte wären demnach mit 26 Cent pro Liter belastet – unabhängig vom Zuckergehalt.

Die Staffelung sieht konkret vor:

  • 4,5 bis 7 Gramm Zucker pro 100 ml: 26 Cent je Liter
  • mehr als 7 bis 10 Gramm: 32 Cent je Liter
  • mehr als 10 Gramm: 38 Cent je Liter
  • Getränke mit Süßstoffen (ohne Zucker): pauschal 26 Cent je Liter

Hinzu kommt jeweils die Mehrwertsteuer. Für Verbraucher bedeutet das spürbare Preissteigerungen: Ein Zwei-Liter-Eistee könnte von 2,10 auf rund 2,72 Euro steigen, eine Ein-Liter-Flasche Coca-Cola von 1,23 auf 1,68 Euro.

Besonders auffällig ist die neue Höchststufe von 38 Cent pro Liter für besonders zuckerhaltige Getränke – eine Kategorie, die im Expertenbericht der Finanzkommission Gesundheit nicht vorgesehen war und auch im britischen Modell nicht existiert. Zudem soll die zuckersteuer bereits 2027 starten, ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Für die Getränkeindustrie bedeutet die verkürzte Vorlaufzeit erheblichen Anpassungsdruck.

Der britische Vergleich: Warum Deutschland einen anderen Weg geht

Großbritannien gilt als Vorreiter der zuckersteuer (Soft Drinks Industry Levy, SDIL). Dort sind jedoch Säfte, Getränke auf Basis von Tier- oder Pflanzenmilch sowie alkoholfreie Mischgetränke von der Abgabe ausgenommen. Zudem werden Getränke mit Süßstoffen explizit nicht besteuert – ein Anreiz für Hersteller, Rezepturen umzustellen und den Zuckergehalt zu senken.

In Deutschland könnte die geplante Besteuerung von Süßstoff-Getränken genau diesen Anreiz konterkarieren. Ernährungswissenschaftler warnen, dass die gassen zuckersteuer (also die breite, undifferenzierte Abgabe) nicht nur zuckerhaltige, sondern auch zuckerreduzierte Alternativen verteuert – und damit den gewünschten Lenkungseffekt abschwächt.

Ein weiterer Unterschied: In Großbritannien verlieren Milchgetränke ihre Steuerbefreiung erst ab 2028, während in Deutschland Milchmischgetränke, Kakao, Radler und sogar Hafer- oder Sojadrinks mit added sugar bereits 2027 betroffen sein könnten.

Politische Kontroversen und wirtschaftliche Folgen

Die Pläne stoßen auf geteilte Reaktionen. Der CDU-Wirtschaftsrat hat sich bereits gegen die zuckersteuer bundesrat-Reife Pläne der Regierung Merz positioniert und warnt vor zusätzlichen Belastungen für Verbraucher und Unternehmen. Auch die Getränkeindustrie dürfte die verkürzte Vorlaufzeit und die Ausweitung auf neue Produktkategorien als problematisch einstufen.

Gleichzeitig gibt es Stimmen, die eine noch konsequentere Ausrichtung auf Prävention fordern. Die Deutsche Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) kritisiert, dass die Einnahmen nicht zweckgebunden in das Gesundheitssystem fließen, sondern Haushaltslöcher stopfen sollen.

Für Verbraucher bedeutet die zuckersteuer in der geplanten Form vor allem eines: höhere Preise im Supermarkt – und das nicht nur bei klassischen Softdrinks, sondern auch bei Produkten, die bislang als gesündere Alternativen galten.

Zukunftsausblick: Was kommt nach 2027?

Sollte die zuckersteuer wie geplant 2027 in Kraft treten, wird sie kurzfristig zu spürbaren Preissteigerungen führen. Langfristig könnte sie jedoch auch Innovationsdruck auf die Getränkeindustrie ausüben – sofern die Staffelung nach Zuckergehalt tatsächlich Anreize für Rezepturanpassungen setzt.

Allerdings besteht die Gefahr, dass Hersteller einfach die Preise erhöhen, ohne den Zuckergehalt zu senken – ein Effekt, der in anderen Ländern bereits beobachtet wurde. Zudem könnte die Besteuerung von Süßstoff-Getränken dazu führen, dass Verbraucher wieder zu zuckerhaltigen Alternativen zurückkehren, wenn der Preisunterschied schrumpft.

Die zuckersteuer deutschland wird somit zu einem Testfall dafür, ob fiskalische Instrumente tatsächlich Verhaltensänderungen bewirken können – oder ob sie primär als Einnahmequelle dienen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der zuckersteuer bundesrat die Pläne in der aktuellen Form billigt oder ob es noch zu Anpassungen kommt.

Fest steht: Die Debatte um die zuckersteuer ist längst nicht mehr nur eine Frage der Gesundheitspolitik, sondern ein zentrales Element der Haushalts- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Und für Verbraucher bedeutet sie eines mit Sicherheit: Der Einkauf im Supermarkt wird 2027 teurer – bei Limonade, Eistee, Milchgetränken und sogar bei Zero-Produkten.

Quellen

Auch Zero-Getränke sollen besteuert werden
Zuckersteuer soll schon 2027 kommen – und auch Zero-Getränke treffen

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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