ARD-Deutschlandtrend: Merz verliert das Vertrauen – Union fällt hinter die AfD zurück

02/10/2026
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© 2026  Strauch/dpa

ARD-Deutschlandtrend: Bundeskanzler Friedrich Merz steht politisch so schlecht da wie kein Regierungschef vor ihm seit Beginn der regelmäßigen Erhebungen. Nur noch 10 Prozent der Befragten zeigen sich mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Gleichzeitig kommt die Union nur noch auf 20 Prozent und liegt damit sieben Prozentpunkte hinter der AfD. Die aktuellen Zahlen markieren nicht bloß eine schwache Momentaufnahme, sondern einen deutlichen Vertrauensverlust für Kanzler, Bundesregierung und die Parteien der politischen Mitte.

Ein Kanzler ohne Rückhalt

Der aktuelle Deutschlandtrend ARD misst bei Friedrich Merz einen historischen Tiefpunkt. 88 Prozent der Befragten äußern sich weniger oder gar nicht zufrieden mit seiner Arbeit. Anfang September lag der Zustimmungswert noch bei 13 Prozent. Der Rückgang um drei Prozentpunkte innerhalb kurzer Zeit ist deshalb politisch besonders bemerkenswert.

Die Zahlen zeigen, dass Merz nicht nur bei einzelnen politischen Entscheidungen an Zustimmung verliert. Vielmehr scheint sich der Eindruck zu verfestigen, dass die Bundesregierung viele Erwartungen nicht erfüllt. Ein Kanzler kann vorübergehend unpopulär sein, wenn er unpopuläre, aber nachvollziehbare Entscheidungen trifft. Problematisch wird es dann, wenn die Bevölkerung weder die Richtung der Politik noch die Fähigkeit zur Umsetzung überzeugend findet.

Genau hier liegt die politische Brisanz der Erhebung. Die Unzufriedenheit richtet sich offenbar nicht allein gegen eine konkrete Maßnahme oder einen bestimmten Streit innerhalb der Koalition. Sie betrifft zunehmend die grundsätzliche Bewertung der Regierungsarbeit.

Union erreicht neuen Tiefstand

Parallel zum Absturz des Kanzlers verliert auch die Union weiter an Unterstützung. CDU und CSU kommen in der Sonntagsfrage auf 20 Prozent. Das ist der niedrigste Wert der Union im ARD-Deutschlandtrend seit September 2021. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung büßt sie einen weiteren Prozentpunkt ein.

Noch schwerer wiegt der Abstand zur AfD. Die Partei bleibt mit 27 Prozent zum sechsten Mal in Folge stärkste Kraft. Damit liegt sie sieben Prozentpunkte vor der Union. Ein solcher Abstand setzt die CDU und CSU unter erheblichen strategischen Druck, denn der traditionelle Anspruch der Union besteht darin, das zentrale politische Lager der bürgerlichen Mitte zu bündeln.

Wenn die Union deutlich hinter der AfD liegt, verändert sich die politische Wahrnehmung. Die AfD muss nicht zwangsläufig neue Wähler gewinnen, um die Union zu überholen. Es reicht bereits, wenn Anhänger der CDU und CSU enttäuscht zu Hause bleiben, zu kleineren Parteien wechseln oder ihre Wahlentscheidung offenlassen.

Die aktuelle Lage deutet deshalb auf zwei parallele Entwicklungen hin: Die AfD kann ihre starke Position behaupten, während die Union Schwierigkeiten hat, ihre eigenen Wähler dauerhaft zu mobilisieren.

Grüne profitieren von der Schwäche der Regierung

Die Grünen verbessern sich im ARD Deutschlandtrend heute um einen Prozentpunkt auf 16 Prozent. Damit erreichen sie ihren besten Wert seit mehr als drei Jahren und liegen erstmals in dieser Erhebung deutlich vor der SPD.

Dieser Zuwachs sollte jedoch nicht vorschnell als umfassende Trendwende interpretiert werden. Die Grünen profitieren derzeit vor allem von der Schwäche der Regierungsparteien und von einer politischen Neuordnung innerhalb des demokratischen Parteienspektrums. Ein Teil der Wähler, die mit der Regierung unzufrieden sind, sucht offenbar nach einer Alternative, ohne zur AfD wechseln zu wollen.

Für die Grünen eröffnet sich damit ein politisches Fenster. Die Partei kann sich als klar erkennbare Opposition positionieren und zugleich Wähler aus dem liberalen, urbanen und ökologisch orientierten Milieu zurückgewinnen. Ob daraus ein stabiler Aufwärtstrend entsteht, hängt allerdings davon ab, ob sie über ihre bisherige Kernklientel hinaus überzeugen kann.

SPD bleibt ohne Bewegung

Die SPD verharrt bei 13 Prozent. Dieser unveränderte Wert ist auf den ersten Blick weniger dramatisch als der Absturz der Union. Politisch bedeutet er dennoch, dass die Sozialdemokraten derzeit kaum von der Unzufriedenheit mit der Bundesregierung profitieren.

Das ist für die Partei besonders problematisch, weil sie als Regierungspartei eigentlich von einer stärkeren Profilierung gegenüber der Union profitieren könnte. Stattdessen bleibt sie in der öffentlichen Wahrnehmung offenbar zwischen Koalitionsverantwortung und fehlender Eigenständigkeit gefangen.

Die SPD muss damit rechnen, dass ein Teil ihrer traditionellen Wählerschaft entweder zu den Grünen abwandert oder sich aus Enttäuschung von der Politik abwendet. Solange die Partei keine klaren Antworten auf wirtschaftliche Sorgen, steigende Lebenshaltungskosten und soziale Unsicherheit vermittelt, dürfte es schwerfallen, aus dem Umfragetief herauszukommen.

FDP an der Fünfprozenthürde

Die FDP erreicht nur 4 Prozent und würde den Einzug in den Bundestag nach dieser Umfrage verfehlen. Für die Liberalen ist das ein Warnsignal, weil bereits ein kleiner zusätzlicher Verlust die parlamentarische Existenz infrage stellen könnte.

Die Partei steht vor einem grundsätzlichen Dilemma. Einerseits muss sie ihr wirtschafts- und ordnungspolitisches Profil schärfen. Andererseits darf sie dabei nicht den Eindruck erwecken, nur für eine kleine Gruppe von Besserverdienern oder Unternehmen zu sprechen. Die Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Vernunft mit einer glaubwürdigen Antwort auf soziale Belastungen zu verbinden.

Die Zahlen zeigen zudem, dass eine Partei an der Fünfprozenthürde nicht nur an politischen Gegnern scheitern kann. Auch eine niedrige Wahlbeteiligung, taktisches Wählen und die Konzentration auf größere Parteien können entscheidend sein.

Was die Umfrage wirklich aussagt

Der ARD-Deutschlandtrend ist keine Wahlprognose im engeren Sinn. Die Sonntagsfrage zeigt, wie sich die politische Stimmung verteilen würde, wenn am kommenden Sonntag gewählt würde. Sie sagt jedoch nicht sicher voraus, wie sich die Wähler am tatsächlichen Wahltag entscheiden.

Umfragen sind außerdem mit statistischen Unsicherheiten verbunden. Für die aktuelle Erhebung wurden 1.303 Wahlberechtigte von Infratest dimap befragt. Die Befragung fand vom 28. bis 30. September 2026 statt und kombinierte Telefon- und Online-Interviews. Je nach Partei können bereits ein oder zwei Prozentpunkte innerhalb des statistischen Schwankungsbereichs liegen.

Trotzdem lässt sich der allgemeine Trend nicht einfach wegdiskutieren. Mehrere Entwicklungen weisen in dieselbe Richtung: Die Union verliert, Merz verliert, die AfD bleibt vorn und die Bundesregierung erhält nur geringe Zustimmung. Entscheidend ist weniger ein einzelner Prozentpunkt als das Zusammenspiel dieser Werte.

Warum der Vertrauensverlust gefährlich ist

Niedrige Umfragewerte sind für eine Regierung nicht automatisch existenzbedrohend. Regierungen können auch dann handlungsfähig bleiben, wenn sie unbeliebt sind. Dafür benötigen sie jedoch eine erkennbare Strategie, geschlossene Kommunikation und sichtbare Ergebnisse.

Der aktuelle Deutschlandtrend ARD legt nahe, dass genau diese Kombination derzeit fehlt. Wenn Bürgerinnen und Bürger den politischen Kurs nicht nachvollziehen können, entsteht schnell der Eindruck von Stillstand. Interne Koalitionskonflikte verstärken diesen Eindruck zusätzlich.

Für die Union ist besonders riskant, dass die AfD die politische Debatte zunehmend aus einer Position der Stärke heraus beeinflussen kann. Selbst wenn CDU und CSU eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, müssen sie auf deren Themen reagieren. Dabei besteht die Gefahr, dass die Union entweder Positionen übernimmt, die ihr eigenes Profil verwischen, oder Wähler verliert, weil sie keine überzeugende Alternative anbietet.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wie die Union zur AfD steht. Sie muss auch erklären, wofür sie selbst steht und welche konkreten Probleme sie lösen will.

Folgen für die politische Zukunft

Sollte sich der Trend fortsetzen, dürfte der Druck auf Friedrich Merz innerhalb der Union deutlich wachsen. Abgeordnete und Landesverbände könnten eine stärkere Kurskorrektur verlangen. Dabei wird es vermutlich um Migration, Wirtschaftspolitik, innere Sicherheit, Energiepreise und den Umgang mit sozialen Belastungen gehen.

Ein Wechsel an der Parteispitze oder im Kanzleramt lässt sich aus einer einzelnen Umfrage nicht ableiten. Der historische Tiefstwert erhöht jedoch die politische Nervosität. Besonders dann, wenn sich die schlechten Werte in weiteren Erhebungen bestätigen und die Union dauerhaft unter der Marke von 25 Prozent bleibt.

Für die Grünen eröffnet die Entwicklung Chancen, aber auch Risiken. Ein kurzfristiger Zugewinn kann schnell wieder verloren gehen, wenn die Partei keine breitere gesellschaftliche Ansprache findet. Die SPD muss dagegen um ihre eigenständige Rolle kämpfen, während die FDP um ihre parlamentarische Zukunft ringt.

Die AfD dürfte ihre führende Position nutzen, um den Eindruck einer dauerhaften politischen Verschiebung zu verstärken. Ob daraus ein langfristiger Vorsprung entsteht, hängt jedoch von der Mobilisierung ihrer Anhänger, der Reaktion der Union und möglichen Veränderungen im Wahlkampf ab.

Ein Warnsignal für alle Parteien

Der ARD-Deutschlandtrend heute zeigt eine politische Landschaft, in der viele Menschen nicht einfach zu einer anderen Partei wechseln, sondern grundsätzlich unzufrieden sind. Das erklärt, warum die AfD vorne liegt, ohne weiter zuzulegen, und warum gleichzeitig die Regierungsparteien an Zustimmung verlieren.

Für Friedrich Merz und die Union ist die Lage deshalb mehr als ein gewöhnliches Umfragetief. Der Kanzler muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, während seine Partei gleichzeitig ihr politisches Profil schärfen und enttäuschte Wähler mobilisieren muss. Ob das gelingt, wird davon abhängen, ob die Bundesregierung in den kommenden Monaten konkrete Ergebnisse liefert und diese verständlich vermittelt.

Der neue ARD-Deutschlandtrend macht damit vor allem eines deutlich: Die politische Geduld vieler Bürgerinnen und Bürger ist erschöpft. Wer diese Unzufriedenheit nur als kurzfristige Stimmung abtut, könnte die langfristige Veränderung im Parteiensystem unterschätzen.

Quellen

Merz stürzt in Umfrage auf niedrigsten je gemessenen Kanzlerwert – Union fällt auf Fünf-Jahres-Tief
Merz im Rekordtief – Nur 10 Prozent zufrieden mit Kanzler


Matthias Otto

Matthias Otto

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