Die Europäische Union hat sich nach wochenlangen Beratungen auf ein neues Klimaziel geeinigt: Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 90 Prozent gesenkt werden. Die Einigung markiert einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zur vollständigen Klimaneutralität, die bis 2050 erreicht werden soll.
Laut Kommissionskreisen war der Prozess von intensiven Verhandlungen zwischen Mitgliedstaaten geprägt, insbesondere im Hinblick auf die Balance zwischen wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz. Staaten mit einer energieintensiven Industrie, etwa Polen und Tschechien, setzten sich für Übergangsregelungen ein.
Ursula von der Leyen: „Europa bleibt weltweit Vorreiter“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete das Ergebnis als „historischen Fortschritt“ im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel. „Europa bleibt weltweit Vorreiter beim Klimaschutz – ohne unsere Industrie und Beschäftigung zu gefährden“, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Brüssel.
Die neuen Vorgaben sollen Anfang 2026 in das EU-Klimagesetz aufgenommen werden. Parallel dazu will die Kommission Investitionsprogramme für saubere Technologien und eine Stärkung des europäischen Emissionshandels vorantreiben.
Kritik von Umweltverbänden
Mehrere Umweltorganisationen begrüßten das neue Ziel grundsätzlich, nannten es jedoch „nicht ehrgeizig genug“. Greenpeace Europa forderte in einer Stellungnahme, dass die EU „mindestens eine Reduktion von 95 Prozent“ anstreben müsse, um den Pariser Klimaverpflichtungen gerecht zu werden.
Auch der WWF betonte, dass nationale Regierungen nun konkrete Maßnahmenpläne vorlegen müssten, um das Ziel überhaupt erreichen zu können.
Wirtschaft warnt vor Standortnachteilen
Vertreter der europäischen Industrie reagierten gemischt. Während einige Unternehmen ambitionierte Klimaziele als Chance für Innovation sehen, warnen andere vor steigenden Produktionskosten. Der Verband der Europäischen Industrie (BusinessEurope) erklärte, dass „verstärkte Klimapolitik mit gezielter Industrieunterstützung einhergehen“ müsse, um Abwanderungseffekte zu verhindern.
Kontext: EU-Klimapolitik im weltweiten Vergleich
Mit der neuen Zielmarke positioniert sich die EU weiterhin als einer der ehrgeizigsten Akteure im globalen Klimaschutz. Zum Vergleich: Die USA streben eine Netto-Null bis 2050 an, China bis 2060. Auch das Vereinigte Königreich hat bereits strengere Zwischenziele beschlossen.
Quellen
EU einigt sich auf neues Klimaziel
EU setzt sich neue Klimaschutzziele