Trade Republic stellt die ETF-Rente auf Null Euro um – und verändert den Wettbewerb um die Altersvorsorge

14/10/2026
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© 2026 Marco Destefanis 

Trade Republic geht mit einer ungewöhnlich harten Ansage in den Markt für das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot: Der Berliner Neobroker will die ETF-Rente ab Januar 2027 ohne Depotgebühren, ohne Orderkosten und bei einer Auswahl von mehr als 50 ETFs auch ohne laufende Produktkosten anbieten. Damit stellt Trade Republic Deutschland die bisherige Preislogik der Branche auf den Kopf – denn während andere Anbieter Rabatte nur für begrenzte Zeiträume versprechen, positioniert sich Trade Republic mit einem dauerhaften Nulltarif als möglicher Standardanbieter für die langfristige private Vorsorge.

Das ist mehr als eine Werbeaktion. Das Altersvorsorgedepot soll Millionen Menschen, die bisher kaum mit Wertpapieren vertraut sind, einen niedrigschwelligen Einstieg in den Vermögensaufbau ermöglichen. Wenn Trade Republic dabei tatsächlich dauerhaft auf Gebühren verzichtet, verschiebt sich der Wettbewerb weg von der Frage „Wie günstig ist der Einstieg?“ hin zur Frage: „Welcher Anbieter schafft es, über Jahrzehnte Vertrauen, Einfachheit und eine tragfähige Geschäftsgrundlage zu verbinden?“

Warum der Nulltarif politisch und wirtschaftlich wichtig ist

Die Bundesregierung will mit dem Altersvorsorgedepot die private Altersvorsorge stärken, weil die gesetzliche Rente allein für viele Haushalte künftig nicht ausreichen dürfte. Ab dem 1. Januar 2027 können Sparerinnen und Sparer staatlich gefördert in ETFs, Fonds und Anleihen investieren. Der Staat zahlt bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr; für jedes Kind kommen bis zu 300 Euro hinzu. Förderfähig sind Einzahlungen zwischen 120 und 1.800 Euro jährlich.

Genau hier entsteht der strategische Hebel für Trade Republic. Die staatliche Zulage ist bei jedem Anbieter gleich. Der Unterschied liegt daher in Kosten, Auswahl, Bedienung und der Frage, ob Anleger ihr Geld wirklich langfristig unkompliziert investiert halten können. Ein Nulltarif reduziert eine der größten psychologischen Hürden: Viele Menschen scheuen sich vor komplizierten Kostenstrukturen, versteckten Verwaltungsgebühren oder dem Gefühl, bei jedem Sparplan einen Teil der Rendite abzugeben.

Trade Republic verspricht deshalb nicht nur ein günstiges Depot, sondern ein nahezu gebührenfreies Vorsorgeerlebnis. Die Depotführung soll kostenlos sein, ebenso die Ausführung regelmäßiger ETF-Sparpläne. Zusätzlich sollen bei mehr als 50 ausgewählten ETFs von Anbietern wie BlackRock, DWS und Vanguard die laufenden Produktkosten entfallen.

Was das Angebot von Trade Republic konkret bedeutet

Das Angebot von Trade Republic richtet sich an zwei Gruppen. Die erste sind Einsteiger, die ein vorgefertigtes Standarddepot nutzen wollen. Dabei wird die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen weitgehend vorgegeben, was die Entscheidung erleichtert. Die zweite Gruppe sind Selbstentscheider, die ihr Portfolio selbst zusammenstellen möchten. Auch für diese Variante plant Trade Republic den kostenlosen Rahmen.

Besonders relevant ist die Erstattung der Produktkosten. ETFs haben normalerweise eine laufende Verwaltungsgebühr, die sogenannte Total Expense Ratio. Diese wirkt auf den ersten Blick klein, summieren sich über 20, 30 oder 40 Jahre aber deutlich. Wenn Trade Republic diese Kosten bei einer breiten Auswahl von ETFs übernimmt und das Erstattete direkt wieder anlegt, bleibt mehr Kapital im Depot. Das kann die Endsumme einer Altersvorsorge spürbar erhöhen.

Der Unterschied zu Wettbewerbern liegt in der Befristung. Scalable Capital verzichtet laut Berichten im ersten Jahr auf ETF-Kosten, Smartbroker in den ersten drei Jahren und Flatex in den ersten fünf Jahren. Danach fallen bei diesen Modellen wieder Effektivkosten an. Trade Republic hingegen kündigt an, die ausgewählten ETFs langfristig ohne Produktkosten anzubieten.

Der Preiskampf wird zum Glaubwürdigkeitstest

Der Markt für das Altersvorsorgedepot war schon vor der Ankündigung von Trade Republic in Bewegung. Broker, Banken, Versicherer und Finanzvertriebe wollen alle am staatlich geförderten Vorsorgeprodukt teilhaben. Der Grund ist einfach: Die Zulagen schaffen einen Anreiz für Millionen Haushalte, erstmals oder erneut regelmäßig zu sparen. Wer diese Kunden früh gewinnt, kann langfristig eine wichtige Rolle in deren Finanzleben übernehmen.

Doch der Preiskampf hat auch eine Kehrseite. Ein Nulltarif ist verlockend, aber kein Garant für die beste Lösung. Sparer sollten deshalb nicht nur auf die headline „0 Euro“ schauen, sondern prüfen, welche ETFs tatsächlich kostenfrei sind, wie breit die Auswahl ist, ob Anleihen und internationale Aktienmärkte abgedeckt werden und welche Regeln beim Wechsel oder bei einer vorzeitigen Kündigung gelten. Auch die Frage, ob ein Anbieter später seine Konditionen ändert, bleibt relevant – selbst wenn Trade Republic derzeit keinen solchen Plan kommuniziert.

Verbraucherschützer raten deshalb zu einem Blick in die Produktinformationsblätter. Das ist keine übertriebene Vorsicht, sondern eine notwendige Disziplin bei einem Produkt, das oft über Jahrzehnte gehalten wird. Ein günstiger Preis ist wertvoll, aber die Qualität der Anlageauswahl, die Transparenz der Regeln und die Stabilität des Anbieters entscheiden am Ende ebenso über den Erfolg.

Trade Republic will mehr als Neukunden

Für Trade Republic geht es nicht nur um Gebühren. Das Unternehmen will sich als bevorzugter langfristiger Partner für die Altersvorsorge positionieren. Das ist eine klare Wachstumsstrategie: Ein Kunde, der sein Altersvorsorgedepot bei einem Anbieter eröffnet, bleibt in der Regel lange dort. Die Beziehung beginnt zwar mit kleinen monatlichen Beiträgen, kann sich aber über Jahrzehnte zu einem erheblichen Vermögen entwickeln.

Interessant ist auch die Kommunikationsstrategie. Statt auf Prominente zu setzen, will Trade Republic mit echten Kundinnen und Kunden werben. Das passt zu einem Produkt, dessen Erfolg davon abhängt, ob normale Menschen Vertrauen fassen. Altersvorsorge ist emotional aufgeladen: Sie berührt Unsicherheit, Familienplanung, Einkommenslücken und die Angst, im Alter nicht ausreichend abgesichert zu sein. Ein Neobroker, der bislang vor allem mit schnellem Handel und moderner App assoziiert wird, muss nun zeigen, dass er auch Verlässlichkeit über Jahrzehnte bieten kann.

Christian Hecker spricht von einer neuen Aktienkultur in Europa. Das klingt ambitioniert, trifft aber einen realen Trend. Immer mehr Menschen gewöhnen sich daran, nicht nur auf Sparkonten oder Versicherungsprodukte zu setzen, sondern breit gestreut in Aktienindizes zu investieren. Wenn das Altersvorsorgedepot diesen Wandel beschleunigt, könnte Trade Republic davon besonders profitieren – weil die Marke bereits für einfachen ETF-Zugang steht.

Was Sparer jetzt bedenken sollten

Das Altersvorsorgedepot ist kein Ersatz für eine umfassende Finanzplanung, aber es kann ein wichtiges Baustein sein. Wer monatlich 150 Euro einzahlt, erreicht die maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Familien können durch Kinderzulagen zusätzlich profitieren. Die Kapitalerträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei, was den Zinseszinseffekt stärkt.

Für Anleger bedeutet das: Die staatliche Förderung ist ein starker Startvorteil. Die Kostenstruktur entscheidet jedoch darüber, wie viel von diesem Vorteil langfristig erhalten bleibt. Ein Depot mit einem Prozent Effektivkosten kann über die Jahre einen erheblichen Teil der Rendite binden. Ein Modell, bei dem Trade Republic Depotkosten, Sparplanausführung und ETF-Produktkosten bei ausgewählten Fonds eliminiert, verändert diese Rechnung grundlegend.

Gleichzeitig sollte niemand vergessen, dass ETFs Marktrisiken tragen. Ein Weltaktien-ETF kann über lange Zeiträume attraktive Renditen bringen, in einzelnen Jahren aber auch deutlich fallen. Wer das Altersvorsorgedepot nutzt, sollte daher einen Anlagehorizont von vielen Jahren haben und Schwankungen aushalten können. Die staatliche Förderung mildert das Risiko nicht, sie verbessert jedoch die Startbedingungen.

Wie sich der Markt künftig entwickeln könnte

Die Ankündigung von Trade Republic dürfte den Druck auf die gesamte Branche erhöhen. Wenn ein großer Neobroker dauerhaft kostenlose ETFs anbietet, wird es für Wettbewerber schwierig, mit zeitlich begrenzten Aktionen zu punkten. Sie können ihre Konditionen anpassen, sich über Beratung, Auswahl oder Service differenzieren – oder sie verlieren Kunden an Anbieter mit einfacheren Preismodellen.

Möglich ist auch, dass sich der Markt in zwei Lager teilt. Auf der einen Seite stehen digitale Anbieter wie Trade Republic, die auf Automatisierung, niedrige Kosten und Selbstbedienung setzen. Auf der anderen Seite stehen Banken, Versicherer und Finanzvertriebe, die Beratung, persönliche Betreuung und komplexere Produkte anbieten. Beide Modelle haben ihre Berechtigung. Für preisbewusste Selbstentscheider könnte der Nulltarif von Trade Republic jedoch zum Maßstab werden.

Langfristig könnte das Altersvorsorgedepot ähnlich prägend werden wie früher die Riester-Rente – nur mit einem wichtigen Unterschied: Statt überwiegend garantienorientierte Produkte zu fördern, rückt die breite Investition in ETFs und Fonds in den Mittelpunkt. Das erhöht die Chancen auf Vermögenswachstum, verlangt von Anlegern aber auch mehr Verständnis für Märkte und Risiken.

Ein Wendepunkt für die private Vorsorge

Die Entscheidung von Trade Republic, das Altersvorsorgedepot in einer vollständig kostenlosen Variante anzubieten, ist deshalb ein Wendepunkt. Sie macht deutlich, dass die private Altersvorsorge nicht länger nur ein Produkt von Versicherern und Banken sein muss. Sie kann digital, transparent und kostengünstig sein – ohne dass Sparer auf staatliche Förderung verzichten müssen.

Ob Trade Republic dieses Versprechen über Jahre hinweg halten kann, wird sich zeigen. Doch die Wirkung ist bereits spürbar: Der Wettbewerb um die ETF-Rente ist nicht mehr nur ein Kampf um Provisionen und Vertriebskanäle. Es ist ein Kampf um die Frage, wie Deutschland in Zukunft vorsorgt. Und Trade Republic hat mit seinem Nulltarif einen sehr lauten ersten Zug gemacht.

Quellen

Trade Republic macht Null-Euro-Kampfansage zur ETF-Rente
ETF Sparen im Altersvorsorgedepot wird ab 2027 Riester ersetzen

Lea Hoffmann

Lea Hoffmann

Ich bin Lea Hoffmann, leidenschaftliche Redakteurin bei Investorbit.de. Mit Begeisterung verfolge ich täglich die spannendsten Wirtschaftstrends. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich und frisch zu präsentieren. Ich liebe es, Leserinnen und Leser mit aktuellen News zu begeistern!

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