Ricarda Lang und die versteckte Last des Vorbildseins: Warum ihre Gewichtsabnahme mehr ist als nur 40 Kilogramm

21/07/2026
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© 2026 IMAGO/Lenny Karpe

Ricarda Lang hat in den letzten 18 Monaten eine Transformation durchlebt, die weit über die rein physischen 40 verlorenen Kilogramm hinausgeht. Die ehemalige Grünen-Chefin sprach kürzlich offen über die psychologischen Hürden, die sie während ihres Gewichtsverlusts begleiteten – insbesondere die Sorge, Menschen zu enttäuschen, die sich von ihr repräsentiert fühlten. Diese Ehrlichkeit wirft ein wichtiges Licht auf die komplexe Dynamik zwischen öffentlicher Wahrnehmung, persönlicher Gesundheit und der Verantwortung von Vorbildern in unserer Gesellschaft.

Die persönliche Reise hinter den Schlagzeilen

Die Geschichte von Ricarda Lang beginnt nicht erst mit den Schlagzeilen über ihren Gewichtsverlust. Bereits in ihrer Jugend beschrieb sie sich als „eher pummelig” und entwickelte früh eine problematische Beziehung zu Themen wie Sport, Gesundheit und Ernährung. Diese Bereiche waren für sie lange Zeit „schmerzbehaftet, angstbehaftet und schambehaftet”, wie sie im Podcast „Glow Up Your Life” von Katja Burkard erklärte.

Interessanterweise rationalisierte Ricarda Lang ihr Vermeiden dieser Themen zunächst mit einem feministischen Argument. Sie sagte sich selbst: „Ne, das machst du nicht, weil das irgendwie unfeministisch wäre. Oder: Du darfst dich ja selbst nicht auf deinen Körper reduzieren.” Diese Haltung spiegelt ein weit verbreitetes Missverständnis wider, das Selbstfürsorge und körperliche Gesundheit fälschlicherweise als oberflächlich oder gar regressiv betrachtet.

Heute sieht Ricarda Lang das deutlich anders. Wer sich um die eigene Gesundheit kümmere, sorge dafür, „dass der Körper auch in der Lage ist, ganz andere Lebenssituationen gut zu meistern”, erklärt sie. Diese Einsicht markiert einen wichtigen Paradigmenwechsel: Gesundheit ist nicht narzisstisch, sondern grundlegend für Lebensqualität und Handlungsfähigkeit.

Das Dilemma der öffentlichen Repräsentation

Was die Geschichte von Ricarda Lang besonders macht, ist die öffentliche Dimension ihres Gewichtsverlusts. Als profilierte Politikerin hatte sie sich in der Vergangenheit dafür eingesetzt, dass dicke Frauen nicht angegriffen werden – eine Position, die sie weiterhin vertritt. Hasskommentare seien „nicht nur kontraproduktiv, sondern auch unmöglich und verletzend”, stellt sie klar.

Doch genau hier entstand das innere Dilemma. Viele Menschen hatten ihr geschrieben, dass sie sich von ihr repräsentiert fühlten. „Da hatte ich dann Sorge, enttäusche ich da Leute? Nehme ich vielleicht Leuten auch ein Vorbild?”, fragt sich Ricarda Lang rückblickend. Diese Sorge ist tief menschlich und zeigt, wie sehr öffentliche Personen in einer paradoxen Position stecken können: Einerseits sollen sie authentisch ihr Leben führen, andererseits werden sie von verschiedenen Gruppen als Symbolträger für bestimmte Anliegen wahrgenommen.

Die Reaktion auf ihre Transformation überraschte sie jedoch positiv. „Ganz, ganz viele haben sich für mich gefreut”, erzählt Ricarda Lang. Manche schrieben sogar: „Ey, das war ein Vorbild für mich!” Ihre Entscheidung bereue sie nicht. Mit 30 Jahren seien Gedanken über die eigene Gesundheit aufgekommen, etwa ob sie mit 50 noch fit sein wolle. Ihr wurde klar, dass sie ihr Wohlbefinden nicht davon abhängig machen könne, „was Leute vielleicht in dich hineininterpretieren – oder was Leute von dir sehen wollen”.

Mehr als nur Zahlen: Die Dimensionen von Gesundheit

Die Gewichtsabnahme von Ricarda Lang ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines größeren Wandels. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass sie bereits 40 Kilogramm verloren hatte und weitere 10 Kilogramm anpeilte. Doch die Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Ricarda Lang betonte mehrfach, dass das Abnehmen „geplant und hart erarbeitet” war – seit dem Frühjahr 2024.

Ihre Strategie basierte auf klassischen, nachhaltigen Methoden ohne medizinische Hilfsmittel. Weder Ozempic noch Wegovy oder ähnliche Appetitzügler-Spritzen kamen zum Einsatz. „Ich habe versucht, ob es ohne funktioniert – und es hat funktioniert”, so Ricarda Lang. Stattdessen setzte sie auf eine Kombination aus mehreren Faktoren: gesündere Ernährung, mehr Bewegung, reduzierter Alkoholkonsum und eine verbesserte Work-Life-Balance.

Besonders interessant ist der Einfluss ihres Rücktritts als Parteivorsitzende im September 2024. Seitdem sitzt sie weniger im Zug, isst weniger unterwegs und hat mehr Zeit zum Selbstkochen und Einkaufen. Diese strukturellen Veränderungen zeigen, wie sehr Lebensumstände unsere Gesundheitsentscheidungen beeinflussen – ein Aspekt, der in öffentlichen Diskussionen oft unterbelichtet bleibt.

Der Halbmarathon als Meilenstein

Ein besonders eindrücklicher Beweis für die Nachhaltigkeit ihrer Transformation ist der erste Halbmarathon von Ricarda Lang, den sie im April 2026 in Hannover absolvierte. Nach einem Jahr Vorbereitung lief sie die 21 Kilometer in einer Nettozeit von etwa 2 Stunden und 26 Minuten – und unterbot damit ihre eigene Zielzeit von 2:48 Stunden um beeindruckende zwei Minuten.

Dieser Erfolg ist symbolisch bedeutsam. Vor nicht allzu langer Zeit war Ricarda Lang froh, wenn sie drei Kilometer schaffte. Nun bewältigte sie die volle Distanz eines Halbmarathons – eine Strecke, die sie zuvor noch nie komplett gelaufen war. Während der Vorbereitung hatte sie maximal 20 Kilometer am Stück absolviert. Die Entscheidung, sich dieser Herausforderung zu stellen, zeigt nicht nur körperliche Fortschritte, sondern auch ein gewachsenes Selbstvertrauen und die Bereitschaft, sich neuen Zielen zu stellen.

Während des Laufes verzichtete sie auf spezielle Energiegels oder Sportgetränke und entschied sich stattdessen für Proteinriegel und stilles Wasser – ein weiterer Hinweis auf ihren pragmatischen, natürlichen Ansatz.

Was wir daraus lernen können

Die Geschichte von Ricarda Lang bietet mehrere wichtige Erkenntnisse für jeden, der mit ähnlichen Themen kämpft. Erstens: Gesundheit ist keine Frage des Aussehens, sondern der Lebensqualität. Zweitens: Die Sorge, andere zu enttäuschen, sollte nicht davon abhalten, das Richtige für sich selbst zu tun. Drittens: Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit, Struktur und realistische Erwartungen.

Die Expertin Veronika Albers bestätigte, dass 40 Kilogramm in 18 Monaten durchaus möglich sind – das entspricht einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von etwa 2,2 Kilogramm pro Monat, einem gesunden und nachhaltigen Tempo. Wichtig dabei: Ricarda Lang setzte auf Krafttraining und Ernährungsumstellung „ohne Verbote”, ein Ansatz, der langfristig eher zum Erfolg führt als radikale Diäten.

Die gesellschaftliche Dimension

Die öffentliche Reaktion auf die Transformation von Ricarda Lang zeigt auch, wie ambivalent unsere Gesellschaft mit dem Thema Körperbild umgeht. Einerseits wird Body Positivity gefeiert, andererseits herrscht oft noch das schlanke Ideal vor. Ricarda Lang navigiert diesen Widerspruch bewusst: Sie betont weiterhin, dass dicke Frauen nicht angegriffen werden dürfen, während sie gleichzeitig ihre persönliche Gesundheitsreise gegangen ist.

Diese differenzierte Haltung ist wichtig. Es geht nicht darum, ein Körperideal gegen ein anderes auszutauschen, sondern darum, Menschen die Freiheit zu geben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen – ohne Scham, ohne Druck, ohne vorschnelle Urteile.

Die Geschichte von Ricarda Lang erinnert uns daran, dass hinter jeder öffentlichen Transformation eine komplexe persönliche Reise steht. Es lohnt sich, diese Nuancen anzuerkennen, anstatt in simplen Narrativen von „vorher” und „nachher” stecken zu bleiben.

Quellen

Ihr Gewichtsverlust bereitete Ricarda Lang Sorgen
Ernährung: Ricarda Lang verrät, wie sie 40 Kilo abgenommen hat

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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