Im Juni 2002 wurden im Hospital San Millán in Logroño, Spanien, zwei Neugeborene in der Neonatologie-Abteilung vertauscht. Die Mädchen wuchsen 19 Jahre lang in falschen Familien auf, bis ein DNA-Test 2021 die biologische Wahrheit ans Licht brachte. Die Verwechslung resultierte aus menschlichem Versagen, wie die Behörden einräumten.
Gerichtliches Urteil und Entschädigungshöhe
Das Oberlandesgericht der Region La Rioja sprach einer der Betroffenen 975.000 Euro Schadensersatz zu, eine Erhöhung um 125.000 Euro gegenüber den anfangs zugesprochenen 850.000 Euro. Die Klägerin hatte zunächst über drei Millionen Euro gefordert, doch das Gericht berücksichtigte zusätzliche moralische Schäden, darunter den Verlust des Kontakts zur leiblichen Mutter, die 2018 starb. Sowohl die Klägerin als auch der regionale Gesundheitsdienst können vor dem Obersten Gericht Spaniens Rekurs einlegen.
Hintergründe der Verwechslung
Die zwei Mädchen kamen nur Stunden auseinander zur Welt und wurden fälschlicherweise den falschen Eltern mitgegeben. Das Hospital San Millán galt damals als eine der besten Kliniken in La Rioja, stellte 2007 den Betrieb ein und wurde abgerissen. Heutige Sicherheitsmaßnahmen in spanischen Kreißsälen machen solche Fehler praktisch unmöglich, betonte die Gesundheitsministerin.
Auswirkungen auf die Betroffenen
Beide Frauen erlitten „irreparable Schäden“ durch das falsche familiäre Umfeld, wie Anwalt José Sáez Morga betonte. Die zweite Betroffene plant ebenfalls eine Klage auf drei Millionen Euro und lehnte die ursprüngliche Entschädigung ab. Die Fälle werfen Licht auf seltene, aber folgenschwere Krankenhausfehler in Spanien.
Quellen
Fast eine Million Euro für vertauschtes Baby in Spanien
Krankenhausfehler 2002: Spanierin siegt mit 975.000 Euro