Riesiges Wespennest in Rom: Warum 25.000 Deutsche Wespen einen Sportplatz zur Gefahrenzone machten

23/09/2026
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© 2026 Imago/R. Sturm

Deutsche Wespe lautet der Name einer Art, die viele Menschen vor allem mit süßen Getränken, hektischen Bewegungen und schmerzhaften Stichen verbinden. In Rom zeigte sich jedoch, welche Dimension ein verborgenes Volk erreichen kann: Unter dem Gelände eines Bogenschützenvereins lebten schätzungsweise mindestens 25.000 Tiere – rund 70 bis 80 Zentimeter tief im Boden. Erst der Einsatz eines Baggers machte sichtbar, wie weit sich die unterirdische Anlage ausgedehnt hatte.

Der außergewöhnliche Fund ist nicht nur wegen seiner Größe bemerkenswert. Er zeigt auch, wie schwer sich unterirdische Nester erkennen lassen, warum improvisierte Bekämpfungsversuche scheitern können und weshalb stark frequentierte Sportflächen bei einem solchen Befall schnell zu einem Sicherheitsproblem werden.

Ein Nest, das niemand sehen konnte

Ausgangspunkt war eine kleine Öffnung im Boden nahe der Trainingsfläche. Durch diesen Spalt flogen Wespen regelmäßig ein und aus. Für den Betreiber des Vereins war zunächst nicht erkennbar, dass sich darunter ein weit verzweigtes Nest befand. Er markierte die Stelle, setzte Insektizid ein und versuchte sogar, das Nest mit Feuer zu erreichen.

Die Maßnahmen blieben wirkungslos. Der Grund lag in der Tiefe: Das Volk befand sich nicht direkt unter der Grasnarbe, sondern in einem Hohlraum deutlich darunter. Die Hitze und die oberflächlich eingesetzten Mittel drangen offenbar nicht bis zu den Waben vor. Für die Tiere war der Boden damit eine Art natürlicher Schutzschild.

Erst als der Ethologe Andrea Lunerti und sein Team Mitte September hinzugezogen wurden, wurde das tatsächliche Ausmaß sichtbar. Nach Angaben aus Rom lebten dort mindestens 25.000 Deutsche Wespen; in einer anderen Einschätzung war sogar von bis zu 30.000 Tieren die Rede. Da ein solches Volk nicht einzeln gezählt werden kann, handelt es sich um eine fachliche Schätzung anhand der freigelegten Neststruktur und der Aktivität des Volkes.

Warum die Deutsche Wespe unterirdisch baut

Die Deutsche Wespe, wissenschaftlich Vespula germanica, gehört zu den sozialen Wespenarten. Ihr Staat besteht aus einer Königin, Arbeiterinnen und später im Jahr auch aus fortpflanzungsfähigen Männchen und jungen Königinnen. Die Aufgaben sind klar verteilt: Während einige Tiere das Nest erweitern und die Brut versorgen, suchen andere Nahrung oder verteidigen den Eingang.

Typisch ist die Vorliebe für dunkle, geschützte Hohlräume. Die Deutsche Wespe nutzt häufig alte Mäuse-, Maulwurf- oder andere Erdbauten. Sie kann solche Räume vergrößern, wenn das Volk im Laufe der Saison wächst. Auch Gebäudespalten, Dachbereiche, Rollladenkästen oder Hohlräume unter Terrassen kommen infrage.

Das Nest selbst besteht nicht aus Erde. Die Tiere zerkauen Holzfasern und vermischen sie mit Speichel. Daraus entsteht eine papierartige Masse, aus der die Waben und die schützenden Nestwände gebaut werden. Unter günstigen Bedingungen wächst eine solche Anlage über Monate zu einem komplexen System aus mehreren Wabenscheiben heran.

Im römischen Fall kam eine ungewöhnliche Besonderheit hinzu: Unter dem Sportplatz lag offenbar eine Plastikplane, die den Tieren als zusätzliche Abdeckung diente. Das Team hielt das Material zunächst für einen Stein. Für die Wespen dürfte es jedoch wie ein stabiles Dach funktioniert haben, das den Hohlraum vor Feuchtigkeit und mechanischen Einwirkungen schützte.

Feuer gegen ein verborgenes Volk

Der Versuch, das Nest anzuzünden, klingt spektakulär, war aber fachlich kaum erfolgversprechend. Ein unterirdischer Wespenbau besteht nicht aus einem einzigen offenen Raum, der sich einfach erhitzen lässt. Zwischen Eingang, Gängen und Waben liegen Erdschichten, Hohlräume und unterschiedliche Materialien. Je tiefer das Nest liegt, desto stärker wird die Wirkung eines oberflächlichen Feuers abgeschwächt.

Auch Insektizide sind in einer solchen Situation kein verlässliches Mittel für Laien. Wird ein Teil der Tiere getroffen, kann der Rest des Volkes weiterleben. Außerdem können aufgescheuchte Wespen den Eingang plötzlich in großer Zahl verlassen. Dadurch steigt das Risiko für Menschen in unmittelbarer Nähe erheblich.

Die Deutsche Wespe gilt nicht grundsätzlich als aggressiv gegenüber Menschen. Gefährlich wird sie vor allem, wenn das Nest erschüttert, geöffnet oder anderweitig bedroht wird. Dann verteidigen die Arbeiterinnen den Staat. Ein Sportplatz mit Kindern, Vereinsmitgliedern und regelmäßigem Publikumsverkehr ist deshalb ein besonders ungünstiger Standort für ein verborgenes Nest.

Warum ein Bagger notwendig war

Die Helfer versuchten zunächst, den Bau mit Schaufel und Spitzhacke zu erreichen. Wegen der Tiefe und der vermuteten Ausdehnung erwies sich dieses Vorgehen jedoch als ungeeignet. Jeder weitere Stich in den Boden hätte die Tiere aufscheuchen können, während die Helfer gleichzeitig kaum Schutz vor einem massenhaften Ausflug gehabt hätten.

Schließlich wurde die Grasnarbe mit einem Bagger abgetragen. Die Arbeiten erfolgten in vollständiger Schutzkleidung. Der Einsatz erforderte nicht nur Kraft, sondern auch eine kontrollierte Vorgehensweise: Die Helfer mussten die Neststruktur freilegen, ohne ungeschützt in den Bereich der Waben und Zugänge zu geraten.

Der Einsatz macht deutlich, dass die Größe eines Wespennests nicht allein von außen beurteilt werden kann. Ein kleiner Eingang bedeutet nicht automatisch, dass sich dahinter nur ein kleines Nest befindet. Bei unterirdischen Anlagen kann die sichtbare Öffnung lediglich der Zugang zu einem wesentlich größeren Hohlraum sein.

Ein ungewöhnlicher Fund, aber kein Normalfall

Die Zahl von 25.000 Tieren ist außergewöhnlich. Viele unterirdische Nester der Deutschen Wespe bleiben deutlich kleiner. Dennoch sind große Staaten bei sozialen Wespen nicht ausgeschlossen, insbesondere wenn über längere Zeit ausreichend Nahrung, Feuchtigkeitsschutz und Platz vorhanden sind. Fachinformationen nennen für die Art häufig Nester mit mehreren Wabenschichten und mehreren tausend Individuen; in Einzelfällen können die Staaten deutlich größer werden.

Für das Wachstum spielt der Jahresverlauf eine entscheidende Rolle. Im Frühjahr beginnt eine einzelne junge Königin mit dem Nestbau. Zunächst übernimmt sie selbst die Versorgung der ersten Larven. Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, wachsen die Aufgaben des Staates arbeitsteilig weiter.

Im Spätsommer und Frühherbst erreicht ein Volk häufig seine größte Aktivität. Zu diesem Zeitpunkt sind besonders viele Arbeiterinnen unterwegs, und das Nest wird intensiv verteidigt. Genau in diese Phase fiel die Entdeckung in Rom. Wäre die Stelle früher oder in einer ruhigeren Jahreszeit aufgefallen, hätte der Befall möglicherweise weniger problematisch gewirkt.

Was Betreiber von Sportanlagen beachten sollten

Der Vorfall liefert eine praktische Lehre für Vereine, Schulen und Betreiber öffentlicher Grünflächen: Regelmäßige Kontrollen sollten nicht nur sichtbare Nester in Bäumen, Gebäuden oder Dachvorsprüngen erfassen. Auch ungewöhnlich intensiver Flugverkehr an kleinen Bodenöffnungen kann auf ein unterirdisches Nest hinweisen.

Besonders aufmerksam sollten Verantwortliche werden, wenn:

  • Wespen über längere Zeit in denselben Spalt ein- und ausfliegen.
  • sich der Flugverkehr an warmen Tagen deutlich verstärkt.
  • Rasenflächen in der Nähe von Eingängen beschädigt oder abgesackt wirken.
  • ein Nest in der Nähe von Sitzplätzen, Wegen, Spielflächen oder Trainingsbereichen vermutet wird.
  • Kinder oder unerfahrene Helfer Zugang zur betroffenen Stelle haben.

Die betroffene Fläche sollte abgesperrt und der Abstand zum Eingang vergrößert werden. Eigenversuche mit Feuer, Flüssigkeiten oder frei eingesetzten Insektiziden sind keine sichere Lösung. Je nach Ort und Gefahrenlage kommen spezialisierte Schädlingsbekämpfer, Fachleute für Umsiedlung oder zuständige Behörden infrage. In Deutschland rückt die Feuerwehr bei Wespennestern in der Regel nur aus, wenn eine konkrete Gefahr besteht, etwa an öffentlichen Einrichtungen, Rettungswegen oder stark genutzten Plätzen.

Das Ende des Volkes kommt meist von selbst

Trotz der akuten Gefahr sollte die ökologische Rolle der Deutschen Wespe nicht vergessen werden. Die Tiere erbeuten unter anderem Fliegen und andere Insekten und tragen damit zur natürlichen Regulierung von Populationen bei. Ihr Nest besteht außerdem nur für eine Saison.

Am Ende des Wespenjahres stirbt der überwiegende Teil des Volkes. Nur junge, begattete Königinnen überwintern und gründen im folgenden Frühjahr neue Staaten. Das alte Nest wird normalerweise nicht erneut besiedelt.

Diese natürliche Begrenzung bedeutet jedoch nicht, dass ein Nest an einem riskanten Standort einfach ignoriert werden kann. Entscheidend ist der Abstand zu Menschen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere gestört werden. Ein unterirdischer Bau direkt neben einer Bogenschießanlage erfüllt beide Kriterien für eine mögliche Gefahrenlage.

Was der Fall für die Zukunft bedeutet

Der Fund in Rom dürfte als außergewöhnlicher Einzelfall in Erinnerung bleiben. Gleichzeitig verweist er auf eine allgemeine Entwicklung: Städte bieten sozialen Wespen zahlreiche geschützte Hohlräume, Wärmequellen und Nahrungsangebote. Unter Sportplätzen, Terrassen, Straßenrändern und Gebäuden finden die Tiere Bedingungen, die in stark bebauten Gebieten überraschend günstig sein können.

Mit längeren warmen Perioden kann sich zudem das Zeitfenster verlängern, in dem ein Wespenstaat wächst und aktiv bleibt. Daraus folgt nicht automatisch, dass künftig überall riesige Nester entstehen. Es spricht aber dafür, bei ungewöhnlicher Flugaktivität im Spätsommer genauer hinzusehen und Warnzeichen nicht zu unterschätzen.

Die wichtigste Erkenntnis aus Rom lautet deshalb nicht, dass jede Deutsche Wespe eine Gefahr darstellt. Sie lautet: Ein verborgenes Nest muss nach seiner Lage beurteilt werden, nicht nach seiner sichtbaren Größe. Unter einem wenig genutzten Hang kann ein Volk kaum auffallen. Unter einer Sportfläche mit regelmäßigem Publikumsverkehr kann derselbe Fund dagegen eine ernsthafte Sicherheitsfrage werden.

Quellen

Er zündete das Nest an – es überlebte: 25.000 Wespen unter dem Sportplatz
Riesiges Wespennest in einem Verein an der Nomentana: Notfalleinsatz mit dem Bagger

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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