Joe Biden hinterließ einen starken Arbeitsmarkt – Trumps „Stabilität“ gerät zunehmend unter Druck

05/10/2026
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@2026 Getty Images

Joe Biden übergab Donald Trump im Januar 2025 einen Arbeitsmarkt, der nach der Pandemie nicht nur wiederhergestellt, sondern deutlich gestärkt war. Rund 15,4 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft entstanden während Bidens Amtszeit, die Arbeitslosenquote sank von 6,4 auf 4,0 Prozent. Knapp zwei Jahre später zeigt sich nun, wie fragil dieser Erfolg im politischen Gedächtnis ist: Trump verkauft einen langsamer wachsenden, aber noch nicht krisenhaften Arbeitsmarkt als Beweis für Stabilität – während die Daten zunehmend eine andere Geschichte erzählen.

Ein Erbe, das schwer zu überbieten ist

Die Bilanz von Joe Biden lässt sich nicht einfach als „Boom nach der Pandemie“ abtun. Zwar begann die Erholung bereits unter Trumps erster Amtszeit und wurde durch massive fiskalische Hilfen sowie die Impfkampagne getragen. Doch unter Biden stabilisierte sich der Arbeitsmarkt so weit, dass die Arbeitslosenquote zeitweise auf 3,4 Prozent fiel – den niedrigsten Stand seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Besonders wichtig: Die Erholung war breiter als oft dargestellt. Die USA schufen unter Biden nicht nur Dienstleistungsjobs, sondern auch rund 531.000 Arbeitsplätze in der Industrie, ein Plus von 4,4 Prozent. Das widerspricht dem Bild, die frühere Regierung habe allein auf Konsum und Staatsausgaben gesetzt, während die Produktion vernachlässigt worden sei.

Gleichzeitig blieb die durchschnittliche Arbeitslosenquote über Bidens gesamte vierjährige Amtszeit bei 4,1 Prozent – deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt seit 1948 von 5,7 Prozent. Das ist der eigentliche Maßstab: Nicht der perfekte Monat zählt, sondern die Fähigkeit einer Wirtschaft, über Jahre hinweg Arbeit zu schaffen, ohne dass Inflation oder soziale Verwerfungen außer Kontrolle geraten.

Trumps Erzählung von der Sanierung

Das Weiße Haus stellt die aktuelle Entwicklung gern als Korrektur dar: Biden habe überhitzt, Trump saniere. Die Realität ist differenzierter. Der Arbeitsmarkt ist weiterhin solide, aber die Dynamik lässt nach. Im September 2026 entstanden nur 29.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft – weit unter den Erwartungen von etwa 84.000 bis 90.000 Jobs.

Zugleich stieg die Arbeitslosenquote von 4,1 auf 4,2 Prozent. Das klingt nach einer kleinen Bewegung, doch in einem Arbeitsmarkt, der auf Vollbeschäftigung zusteuert, sind solche Zehntelpunkte politisch brisant. Sie zeigen, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht mehr so deutlich über dem Angebot liegt wie in den stärkeren Phasen der Biden-Ära.

Auch die Vormonate wurden nach unten korrigiert: Für Juli und August wurden zusammen 60.000 Jobs weniger gemeldet als zunächst angenommen. Über die vergangenen zwölf Monate lag der durchschnittliche Stellenzuwachs damit nur noch bei 45.000 pro Monat. Das ist keine Rezession, aber auch keine überzeugende Wachstumsstory.

Warum die Arbeitslosenquote täuschen kann

Die niedrige Arbeitslosenquote ist Trumps stärkstes Argument. Doch sie wird teilweise durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung stabilisiert. Viele Babyboomer gehen in Rente, und die strikte Einwanderungspolitik der Regierung reduziert das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften. Wenn weniger Menschen Arbeit suchen, kann die Quote niedrig bleiben – selbst wenn Unternehmen deutlich weniger einstellen.

Das ist kein rein statistisches Detail. Es verändert die politische Interpretation. Unter Joe Biden war ein niedriger Arbeitslosensatz vor allem Ausdruck einer starken Nachfrage: Firmen suchten Personal, Löhne stiegen, und viele Menschen hatten die Chance, besser bezahlte Stellen zu finden. Heute kann eine ähnliche Quote auch bedeuten, dass das Angebot an Arbeitskräften kleiner geworden ist.

Die Erwerbsquote liegt im September bei 61,8 Prozent, der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung bei 59,2 Prozent. Beide Werte bewegten sich kaum. Für Arbeitnehmer bedeutet das: Der Arbeitsmarkt bietet weiterhin Jobs, aber die Aufstiegs- und Verhandlungsmacht hat spürbar nachgelassen.

Nicht Biden ruiniert – sondern eine andere Normalität

Die Formel „Biden hat ruiniert, Trump saniert“ ist politisch wirkungsvoll, ökonomisch aber zu einfach. Joe Biden hinterließ keine zerstörte Wirtschaft, sondern einen Arbeitsmarkt mit hoher Beschäftigung, niedriger Arbeitslosigkeit und einer abklingenden, wenn auch unpopulären Inflation. Trump übernahm eine Wirtschaft, die zwar über die Lebenshaltungskosten frustriert war, aber strukturell nicht am Abgrund stand.

Die aktuelle Schwäche hat mehrere Ursachen: höhere Zinsen aus der Inflationsbekämpfung, Unsicherheit durch Handels- und Zollpolitik, eine restriktivere Einwanderung sowie die natürliche Abkühlung nach der Nachkriegspandemie-Erholung. Dass die Industrie im September zwar 9.000 Jobs hinzugewann, sagt wenig über den Gesamttrend aus, solange der Gesamtaufbau bei nur 29.000 Stellen bleibt.

Wer die Bilanz fair bewerten will, muss deshalb zwei Fragen trennen: Hat Trump die Wirtschaft besser gemacht? Und: Hat er sie vor einer Verschlechterung bewahrt? Die erste Frage ist derzeit schwer mit Ja zu beantworten. Die zweite lässt sich eher bejahen – solange keine Entlassungswelle einsetzt.

Die Gefahr liegt im nächsten Quartal

Arbeitsmärkte reagieren oft verzögert. Unternehmen halten Mitarbeiter zunächst, weil die Suche und Einarbeitung teuer ist. Erst wenn die Unsicherheit anhält, werden offene Stellen gestrichen, befristete Verträge nicht verlängert und schließlich Personal abgebaut. Genau deshalb ist der aktuelle Bericht wichtiger, als die Zahl von 29.000 neuen Jobs auf den ersten Blick vermuten lässt.

Im Jahr 2026 wurden bislang im Durchschnitt etwa 68.000 Jobs pro Monat geschaffen. Volkswirte schätzen, dass die US-Wirtschaft je nach Bevölkerungswachstum etwa 50.000 bis 80.000 Stellen monatlich benötigt, um mit dem Erwerbspersonenpotenzial Schritt zu halten. Die USA bewegen sich damit nahe an der Untergrenze. Ein weiterer schwacher Monat würde die Frage aufwerfen, ob die Stabilität tatsächlich tragfähig ist oder nur durch demografische Effekte und migrationspolitisch verkleinertes Arbeitskräfteangebot vorgetäuscht wird.

Was das für Wähler und Wirtschaft bedeutet

Für die amerikanische Bevölkerung zählt weniger die politische Deutung als die spürbare Realität: Sind Löhne höher als die Preise? Gibt es Aufstiegschancen? Können junge Menschen, Berufsrückkehrende und Geringverdiener in besser bezahlte Jobs wechseln? Genau hier hat die Biden-Ära trotz Kritik an der Inflation starke Ergebnisse geliefert.

Trump kann bislang darauf verweisen, dass die Arbeitslosigkeit mit 4,2 Prozent historisch niedrig bleibt. Doch sein größtes politisches Risiko ist nicht die aktuelle Zahl, sondern die Richtung. Wenn die Stellenschaffung weiter schwächelt, während Preise und Lebenshaltungskosten hoch bleiben, verliert die Erzählung von der „Sanierung“ ihre Wirkung.

Das Erbe von Joe Biden wird damit zum unbequemen Vergleichsmaßstab. Nicht weil jede Politik Bidens fehlerfrei war, sondern weil die USA unter seiner Regierung gezeigt haben, wie ein Arbeitsmarkt nach einer tiefen Krise wieder funktionieren kann. Trumps Aufgabe ist daher nicht nur, Schäden zu reparieren, die es in dieser Form kaum gab. Seine Aufgabe ist es, ein hohes Niveau zu halten – und das wird mit jedem schwachen Jobbericht schwieriger.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die USA lediglich eine Pause in einem langsameren Wachstum erleben oder ob sich eine echte Abkühlung anbahnt. Bis dahin gilt: Die Arbeitslosenquote allein ist kein Beweis für Erfolg. Sie ist erst dann ein verlässliches Signal, wenn sie von stabilen Löhnen, wachsender Beschäftigung und einer intakten Nachfrage begleitet wird. Genau daran wird sich die wirtschaftliche Bilanz von Joe Biden und Donald Trump letztlich messen lassen.

Quellen

Biden hat ruiniert, Trump saniert? Jetzt offenbart sich Amerikas wahre Arbeitsmarkt-Bilanz
USA verzeichnen im September schwache Zahlen zum Beschäftigungswachstum

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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