Die Wirtschaftsweise Monika Grimm hat die aktuelle Finanzpolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. In einem Interview mit mehreren Medien warnte sie davor, dass die geplante Haushaltspolitik die soziale Schere in Deutschland weiter öffnen könnte. Besonders die Kürzungen bei Sozialleistungen und die Zurückhaltung bei Zukunftsinvestitionen seien laut Grimm problematisch.
Grimm betonte, dass die Sparpolitik „vor allem die unteren und mittleren Einkommensgruppen treffe“, während Vermögende vergleichsweise wenig belastet würden. Diese Ungleichverteilung der Lasten könne langfristig das gesellschaftliche Vertrauen in die Politik schwächen.
Kritik am Sparkurs der Ampel-Koalition
Die Bundesregierung plant laut Haushaltsentwurf 2026 deutliche Einsparungen in mehreren Ressorts, um die Schuldenbremse einzuhalten. Wirtschaftsverbände begrüßten den Kurs als „notwendig für die Haushaltsdisziplin“, doch Ökonomen wie Grimm halten ihn für sozial unausgewogen.
Sie forderte stattdessen eine Reform des Steuersystems, um höhere Einkommen und Vermögen stärker an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben zu beteiligen. Zudem müsse der Staat gezielter in Bildung, Digitalisierung und Klimaschutz investieren, um langfristig Wachstum und soziale Stabilität zu sichern.
Unterstützung aus dem Sachverständigenrat
Auch andere Mitglieder des Sachverständigenrats teilen Grimms Einschätzung teilweise. Der Ratsvorsitzende, Lars Feld, hatte zuletzt vor einer „übermäßigen Fixierung auf Schuldenbremse und Defizitziele“ gewarnt. Ein ausgewogenerer Ansatz, der soziale Gerechtigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig berücksichtigt, sei laut Grimm und Feld dringend notwendig.
Reaktionen aus der Politik
Aus Kreisen der SPD und der Grünen wurde Grimms Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Vertreter der FDP hingegen verteidigten den Sparkurs als „verantwortungsvoll“ und wiesen darauf hin, dass „jede Generation nur so viel ausgeben sollte, wie sie selbst erwirtschaftet“. Die Diskussion um die soziale Balance der Finanzpolitik dürfte somit auch in den kommenden Wochen die Haushaltsverhandlungen prägen.
Quellen
Wirtschaftsweise Grimm kritisiert Finanzpolitik als sozial ungerecht
Expertenkritik an Ampel-Haushalt: Grimm sieht Gefahr wachsender Ungerechtigkeit