Zehnkampf-Doppelsieg: Neugebauer und Kaul schreiben leichtathletik-Geschichte

14/08/2026
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leichtathletik – Was sich am Donnerstagabend im Alexander Stadium von Birmingham abgespielt hat, war mehr als nur ein weiterer Medaillengewinn für Deutschland. Es war ein Moment, der die Seele des Zehnkampfs einfängt: pure Willenskraft, taktisches Kalkül und die ungeschriebene Solidarität zwischen Athleten, die sich seit Jahren auf der ganzen Welt duellieren. Leo Neugebauer krönte sich zum Europameister, Niklas Kaul holte Silber – und beide haben damit etwas geschafft, das weit über die 38 Punkte Vorsprung hinausgeht, die am Ende den Unterschied machten.

Ein Finish, das in die Annalen eingeht

Die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. 8611 Punkte für Neugebauer, 8573 für Kaul – am Ende waren es lächerlich wirkende 38 Zähler, die über Gold und Silber entschieden. Doch wer die letzten 1500 Meter gesehen hat, weiß: Diese Medaillen wurden nicht auf dem Papier gewonnen, sondern auf den letzten 50 Metern einer Bahn, auf der sich zwei Athleten buchstäblich ins Ziel gequält haben.

Neugebauer taumelte, stürzte fast, rappelte sich auf und warf sich über die Linie. Ein Bild, das an seinen WM-Sieg in Tokio vor einem Jahr erinnert – damals musste er sogar kurzzeitig mit dem Rollstuhl von der Bahn gebracht werden. Diesmal nicht. Diesmal stand er aus eigener Kraft wieder auf, umarmte seine Familie und legte sich dann erschöpft auf den Boden. Ein Champion, der weiß, was er gerade geleistet hat.

Kaul, der schnellere Läufer der beiden, kam bis auf 17,66 Sekunden an Neugebauer heran. Er hätte mehr als 24 Sekunden gutmachen müssen. Am Ende reichte es für Silber, und der 28-Jährige aus Mainz strahlte trotzdem: „Ich bin super happy. Dass das so geklappt hat, ist echt schön.”

Warum dieser Doppelsieg für die leichtathletik in Deutschland so wichtig ist

Es gibt Sportarten, die leben von Einzelkämpfern. Und dann gibt es den Zehnkampf – die vielleicht teamorientierteste Einzeldisziplin überhaupt. Wenn drei Deutsche unter die ersten acht kommen (Amadeus Gräber wurde Achter), wenn sich zwei davon Gold und Silber teilen, dann ist das kein Zufall. Das ist das Ergebnis einer gewachsenen leichtathletik Gemeinschaft, die in den letzten Jahren etwas Besonderes aufgebaut hat.

Neugebauer und Kaul kennen sich nicht erst seit gestern. Sie haben gemeinsam trainiert, sich gegenseitig gepusht, voneinander gelernt. Und genau das macht den Zehnkampf so faszinierend: Es ist ein Kampf gegen die Konkurrenz, aber auch ein Kampf miteinander – im besten Sinne. Gräber, der 21-jährige Youngster, sagte hinterher: „Das war ein guter Einstieg in den Männerbereich und einfach eine super Erfahrung mit den anderen beiden.”

In einer Zeit, in der Individualsportarten oft als einsam wahrgenommen werden, zeigt dieser deutsche Zehnkampf-Tripel, dass leichtathletik auch anders funktionieren kann. Als Gemeinschaftsprojekt.

Der Stabhochsprung-Skandal, der fast alles verändert hätte

Was in den offiziellen Ergebnislisten nicht steht: Neugebauers Weg zum Gold war von einer technischen Panne geprägt, die ihn fast die Nerven gekostet hätte. Im Stabhochsprung wurde die Latte vor einem erfolgreichen Versuch über 4,80 Meter zehn Zentimeter zu tief positioniert. Der 26-Jährige musste also noch einmal springen.

Bei der Wiederholung waren dann die individuell an die Athleten angepassten Abstände der Stangen auf der Anlage falsch eingestellt. Neugebauer musste also noch einmal mehr ran. „Das hat definitiv Kraft gekostet”, sagte er später. Und trotzdem: Er schaffte später sogar 4,90 Meter.

Wer den Zehnkampf kennt, weiß: Jede zusätzliche Anstrengung in einer frühen Disziplin kann am Ende über Medaillen entscheiden. Die 1500 Meter am Schluss sind schon ohne solche Vorkommnisse eine Qual. Mit zwei zusätzlichen Sprüngen im Gepäck? Das grenzt an Heldentum.

Kauls Comeback: Vom Sturz zum Silber

Niklas Kauls Geschichte ist mindestens genauso bemerkenswert. Der Weltmeister von 2019, Europameister von 2022, hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Formtiefs zu kämpfen. Bei den Olympischen Spielen in Paris war er „total auf die Nase geflogen”, wie er selbst sagte.

Doch der Mainzer hat sich zurückgekämpft. Sein zweiter Tag in Birmingham war stark: 14,73 Sekunden über 110 Meter Hürden, 48,88 Meter im Diskuswurf, 4,90 Meter im Stabhochsprung und 73,54 Meter im Speerwurf. Vor dem 1500-Meter-Finale lag er auf Rang zwei – und den ließ er sich nicht mehr nehmen.

„Ich wäre gerne noch schneller gelaufen, aber ich war nach 500 Metern einfach monstermäßig blau”, gestand Kaul. Trotzdem: Nach Gold 2022 ist es seine zweite EM-Medaille. Ein Comeback, das in jedem leichtathletik Forum diskutiert werden wird.

Gräber: Der Youngster, der die Zukunft zeigt

Während Neugebauer und Kaul um Gold und Silber kämpften, lieferte Amadeus Gräber eine Leistung ab, die fast noch mehr Hoffnung macht. Der 21-Jährige begeisterte vor allem im Stabhochsprung mit der Bestleistung des Feldes: 5,10 Meter.

Zum Abschluss lief er über 1500 Meter nochmal starke 4:34,25 Minuten und landete in der Endabrechnung auf einem richtig guten achten Platz. Bei seiner EM-Premiere. „Gerade der Stabhochsprung hat mir Spaß gemacht, da ich als Letzter im Wettbewerb war und am Ende waren die Zuschauer ja nur noch da, um meine Sprünge zu sehen”, sagte Gräber.

Ein Achtzehnjähriger, der bei seiner ersten großen Meisterschaft unter die besten acht kommt? Das ist genau die Art von Nachricht, die die leichtathletik in Deutschland braucht.

Was dieser Erfolg für die Zukunft bedeutet

Der deutsche Zehnkampf-Doppelsieg ist kein isoliertes Ereignis. Er ist Teil einer Entwicklung, die schon seit Jahren läuft. Neugebauer hat nach seinem WM-Titel nun auch EM-Gold. Kaul hat sich nach schwierigen Jahren zurück an die Spitze gekämpft. Gräber hat gezeigt, dass die nächste Generation bereit ist.

Und dann sind da noch die, die nicht dabei waren: Titelverteidiger Johannes Erm brach wegen einer Knieverletzung ab. Simon Ehammer (Schweiz) startete nur im Weitsprung. Markus Rooth (Norwegen) fehlte ebenfalls. Die Konkurrenz war also nicht einmal komplett – und trotzdem war das Niveau hoch.

Für die kommenden Jahre heißt das: Der Zehnkampf bleibt eine der spannendsten Disziplinen der leichtathletik. Und Deutschland ist mitten drin.

Die Zahlen, die im Gedächtnis bleiben

  • 8611 Punkte: Neugebauers Siegessumme – ein Wert, der in jedem leichtathletik Forum diskutiert werden wird
  • 38 Punkte: Der Vorsprung, der am Ende über Gold entschied
  • 4:38,36 Minuten: Neugebauers 1500-Meter-Zeit – unter Schmerzen erkämpft
  • 4:20,70 Minuten: Kauls deutlich schnellere Zeit, die trotzdem nicht für Gold reichte
  • 5,10 Meter: Gräbers Stabhochsprung-Bestleistung – die höchste des gesamten Feldes

Warum wir diesen Moment feiern sollten

In einer Zeit, in der Sport oft nur noch als Unterhaltungsprodukt wahrgenommen wird, haben Neugebauer, Kaul und Gräber etwas gezeigt, das selten geworden ist: Echte Emotion. Echten Kampf. Echte Solidarität.

Neugebauer, der sich nach dem Ziel erschöpft auf den Boden wirft. Kaul, der trotz verpasstem Gold strahlt. Gräber, der als Youngster die Erfahrung genießt. Das sind Bilder, die bleiben. Bilder, die zeigen, warum leichtathletik mehr ist als nur Zahlen und Rekorde.

Es geht um Menschen. Um Geschichten. Um Momente, in denen alles zusammenkommt: Jahre des Trainings, taktische Entscheidungen, mentale Stärke – und am Ende die pure Erleichterung, es geschafft zu haben.

Ausblick: Was kommt nach Birmingham?

Die leichtathletik WM rückt näher. Der leichtathletik WM Zeitplan für 2025 wird in den kommenden Monaten veröffentlicht, und eines ist sicher: Nach diesem EM-Triumph werden Neugebauer, Kaul und Gräber zu den Favoriten gehören.

Der Zeitplan leichtathletik WM 2025 wird zeigen, ob sich diese Formkurve fortsetzen lässt. Und die leichtathletik Gemeinschaft in Deutschland kann stolz sein: Sie hat drei Athleten, die nicht nur medaillenverdächtig sind, sondern die auch zeigen, wofür dieser Sport steht.

Am Ende bleibt ein Satz von Neugebauer, der alles zusammenfasst: „Heute war ein krasser Tag für Deutschland.” Ja, war er. Und für die leichtathletik erst recht.

Quellen

Zehnkampf-Gala! Gold für Neugebauer, Kaul holt Silber
Čeh smashes championship record as Hunt completes European sprint double in Birmingham

Lea Hoffmann

Lea Hoffmann

Ich bin Lea Hoffmann, leidenschaftliche Redakteurin bei Investorbit.de. Mit Begeisterung verfolge ich täglich die spannendsten Wirtschaftstrends. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich und frisch zu präsentieren. Ich liebe es, Leserinnen und Leser mit aktuellen News zu begeistern!

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