Kings – Oilers: McDavid und Edmonton vor dem nächsten Meilenstein in Los Angeles

14/10/2026
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Kings – Oilers ist in der jungen NHL-Saison mehr als eine gewöhnliche Begegnung zweier Western-Conference-Rivalen: Edmonton reist mit vier Siegen aus fünf Spielen nach Los Angeles, während die Kings dringend ihren ersten Erfolg brauchen. Dazu kommt ein historischer Anlass, denn Connor McDavid bestreitet sein 800. NHL-Spiel – und trifft dabei auf einen Gegner, der in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen hat, wie eng diese Duelle werden können.

Die Partie in der Crypto.com Arena hat deshalb zwei Ebenen. Für die Oilers geht es um die Bestätigung eines außergewöhnlichen Saisonstarts und einen möglichen fünften Sieg in Folge. Für die Kings geht es um mehr als zwei Punkte: Los Angeles muss verhindern, dass aus einem schwachen Auftakt eine echte Identitätskrise wird.

Ein Start, der Edmonton verändert

Edmonton hat die ersten fünf Spiele ohne Niederlage in regulärer Spielzeit absolviert und zuletzt San Jose mit 3:1 besiegt. Das allein wäre noch kein Grund zur Euphorie, doch die Art, wie die Oilers aktuell punkten, ist entscheidend: McDavid führt die Liga mit 13 Punkten aus fünf Partien, Evan Bouchard liegt direkt dahinter, und Leon Draisaitl gehört ebenfalls zu den offensiv produktivsten Spielern der Liga.

Diese Balance ist für Edmonton wichtiger als jede einzelne Statistik. In früheren Saisons wirkte das Team manchmal zu stark auf seine beiden Superstars fixiert. Jetzt zeigt sich ein Bild, in dem McDavid das Tempo setzt, Bouchard aus der Abwehr heraus Tore und Impulse liefert und die übrigen Reihen klare Rollen übernehmen. Genau diese Struktur macht einen starken Saisonstart belastbar.

Ein Sieg gegen die Kings würde Edmonton zudem in eine seltene franchisehistorische Lage bringen: Eine Punktserie von mindestens sechs Spielen zum Saisonbeginn gab es bei den Oilers bislang nur zweimal, zuletzt in der legendären Spielzeit 1984-85.

McDavids 800. Spiel als Maßstab

Dass McDavid sein 800. NHL-Spiel ausgerechnet in Los Angeles bestreitet, verleiht dem Duell Oilers vs. Kings zusätzliche Bedeutung. Vor dem Spiel standen für den Kapitän 412 Tore, 821 Assists und 1.233 Punkte in 799 Partien zu Buche. Nur Wayne Gretzky und Mario Lemieux hatten in ihren ersten 800 NHL-Spielen mehr Punkte gesammelt.

Diese Zahl erklärt, warum McDavid auch nach über einem Jahrzehnt in der Liga noch der zentrale Maßstab der Oilers bleibt. Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Punktesammler, sondern ein Spieler, der Spiele durch Tempo, Entscheidungen und Präsenz verändert. Trainer Mike Babcock betonte nach der Ankunft in Los Angeles, dass McDavids Arbeitsmoral und sein Wille, sich und seine Mitspieler zu verbessern, im Alltag der Mannschaft spürbar seien.

Für Edmonton ist das mehr als eine nette Anekdote. Ein Kapitän, der nach 800 Spielen weiterhin mit dieser Intensität arbeitet, setzt einen Standard, den jüngere Spieler nicht ignorieren können. Owen Michaels etwa profitiert davon, weil er in einer Rolle eingesetzt wird, die Vertrauen und Verantwortung verlangt – trotz nur fünf Profi-Einsätzen vor dieser Saison.

Die Kings stehen unter Druck

Los Angeles startete mit 0-2-2 in die Saison und wartete nach vier Spielen noch auf den ersten Sieg. Das ist noch kein Grund zur Panik, aber die Umstände verschärfen den Druck: Die Kings hatten in den ersten 15 Tagen nur vier Partien absolviert und wollten unbedingt vermeiden, erstmals seit 1997-98 die ersten fünf Spiele ohne Sieg zu bleiben.

Das Problem der Kings ist derzeit weniger die individuelle Qualität als die fehlende Effizienz in entscheidenden Momenten. Gegen Edmonton reicht gutes Checkspiel nicht. Die Oilers bestrafen jeden Passfehler, jede unnötige Strafe und jede Phase, in der die Struktur nachlässt. Wer gegen McDavid, Draisaitl und Bouchard bestehen will, muss über 60 Minuten diszipliniert bleiben.

Adrian Kempe ist dabei eine zentrale Figur. Kein Spieler hat in den vergangenen fünf Jahren öfter gegen Edmonton getroffen als der schwedische Angreifer, der in dieser Zeit 21 Tore gegen die Oilers erzielte. Diese Historie zeigt, dass Los Angeles keineswegs chancenlos ist – im Gegenteil, die Kings kennen die Schwächen dieses Gegners aus zahlreichen Duellen.

Warum Kings – Oilers so eng bleiben

Die Bilanz der letzten 16 Regular-Season-Duelle seit Ende der Saison 2021-22 ist ausgeglichen: Beide Teams gewannen je acht Spiele. Auch in der vergangenen Spielzeit trennten sich die Teams knapp, wobei Los Angeles zwei von drei Begegnungen für sich entschied, darunter ein 1:0-Heimsieg.

Diese Ausgeglichenheit erklärt, warum Oilers Kings trotz des unterschiedlichen Saisonstarts nicht als klare Formalität zu betrachten ist. Edmonton hat derzeit mehr Momentum, mehr Selbstvertrauen und den besseren offensiven Rhythmus. Los Angeles besitzt jedoch die bessere Ausgangslage für einen physischen, geduldigen Plan: Wenig Risiko, starke Sonderformationen und ein Fokus auf Dritteln und Übergänge.

Genau darin liegt die taktische Spannung. Edmonton will das Spiel öffnen, Tempo machen und in der Offensive schnell Entscheidungen erzwingen. Die Kings müssen versuchen, das Spiel zu verlangsamen, Schusswege zu schließen und McDavid nicht in offene Räume gelangen zu lassen. Gelingt das nicht, wird Edmonton seine Überlegenheit im Übergangsspiel schnell ausnutzen.

Bouchard als zweiter Angriffspunkt

Evan Bouchard ist in dieser frühen Phase der Saison keine klassische Verteidiger-Geschichte mehr. Mit sechs Toren und zwölf Punkten gehörte er vor dem Spiel zu den offensiv produktivsten Spielern der gesamten Liga.

Das verändert die Planung der Kings erheblich. Gegen Edmonton reicht es nicht, McDavid und Draisaitl eng zu markieren. Bouchard kann aus der Defensive heraus den Puck in gefährliche Zonen bringen, Powerplays antreiben und selbst als Schütze auftauchen. Seine Präsenz zwingt Los Angeles dazu, die Verteidigungsordnung tiefer und koordinierter zu halten.

Für Bouchard ist McDavid dabei mehr als ein Teamkollege. Er beschrieb den Kapitän als prägenden Faktor für sein eigenes Wachstum und sein Selbstvertrauen. Diese Dynamik ist ein unterschätzter Vorteil für Edmonton: Ein junger Verteidiger entwickelt sich nicht nur durch Eiszeit, sondern auch durch die tägliche Zusammenarbeit mit einem Spieler, der das Spiel schneller liest als fast jeder andere.

Owen Michaels und die Bedeutung der Details

Während die Aufmerksamkeit naturgemäß auf McDavid liegt, zeigt Owen Michaels, warum Saisonstarts oft über unerwartete Rollenspieler entschieden werden. Der 24-Jährige war gegen San Jose in den Faceoffs stark, gewann 10 von 12 Bullys und übernahm häufig Verantwortung in der eigenen Zone. Insgesamt liegt seine Quote in dieser frühen Saison bei 60 Prozent, in der Defensive sogar bei 64,5 Prozent.

Das klingt nach einer Nebenstatistik, ist aber für Edmonton von praktischem Wert. Als einziger Rechtsschütze unter den aktuellen Centers der Oilers gibt Michaels dem Team eine taktische Option bei wichtigen Bullys. Wenn er zudem als Tiefstürzer punktet, entsteht mehr Flexibilität in der Rotation – ein Faktor, der über eine lange Saison oft wichtiger wird als eine einzelne spektakuläre Einzelleistung.

Was ein Sieg für beide Teams bedeuten würde

Für Edmonton wäre ein Erfolg in Los Angeles der perfekte Abschluss der Kalifornien-Reise und ein weiterer Beweis, dass der starke Auftakt keine Momentaufnahme ist. Fünf Siege in Folge würden der Mannschaft nicht nur Punkte bringen, sondern auch das Vertrauen geben, auch in auswärtigen Spielen und gegen physische Gegner ihre Identität durchsetzen zu können.

Für die Kings wäre ein Sieg dagegen ein psychologischer Neuanfang. Ein Erfolg gegen einen der besten Teams der Liga würde die Tabelle zwar nur leicht verändern, aber die Stimmung in der Kabine deutlich beeinflussen. Gerade Teams mit Playoff-Anspruch brauchen früh im Jahr Beweise, dass ihr System unter Druck funktioniert.

Die größere Frage lautet jedoch, ob Los Angeles in der Lage ist, seine Struktur über ein komplettes Spiel gegen Edmonton aufrechtzuerhalten. Die Oilers haben in dieser Saison gezeigt, dass sie aus kleinen Fehlern schnell Chancen machen. Die Kings müssen deshalb nicht perfekt spielen, aber sie dürfen sich keine längere Phase erlauben, in der sie das Tempo komplett abgeben.

Ausblick: Ein Duell mit Signalwirkung

Kings – Oilers könnte am Ende weit mehr sein als ein frühes Saisonspiel. Für Edmonton geht es darum, den Anspruch als Spitzenmannschaft der Western Conference zu untermauern. Für Los Angeles geht es darum, zu verhindern, dass ein holpriger Start zur dauerhaften Erzählung der Saison wird.

McDavids 800. Spiel gibt der Partie ein besonderes Licht, doch die eigentliche Geschichte liegt im Vergleich zweier Ansätze: Edmontons offensive Dominanz und Los Angeles’ Suche nach Stabilität. Wenn die Oilers ihr Tempo durchsetzen, bleibt es schwer für die Kings. Findet Los Angeles jedoch einen Weg, das Spiel physisch und diszipliniert zu gestalten, könnte Oilers vs. Kings erneut zeigen, warum diese Paarung in den vergangenen Jahren zu den spannenderen Duellen der Western Conference gehört hat.

Quellen

Oilers bei den Kings
Vorschau vom 13.10. – Gute Phasen „reichen nicht aus“, um zu gewinnen + Aufstellung vom 7.11., Kuemper im Tor, Neues zu Zuccarello und Wright

Matthias Otto

Matthias Otto

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