Auch begeisterte Sportfans werden zugeben, dass American Football dann doch eher eine rein amerikanische Angelegenheit ist. Das hat sich in den letzten Jahren aber stark geändert. Denn die NFL versucht bereits seit Längerem, aggressiv in das internationale Umfeld zu expandieren. Und Europa steht dabei ganz vorne mit auf der Liste. Wer der Geschichte bereits seit längerem gefolgt ist, der wird wissen, dass sich der Verband dafür einen speziellen Ort ausgesucht hat.
Frankfurt und die Football-Geschichte
Dass ausgerechnet Frankfurt eine so starke Bindung an American Football hat, hat in erster Linie historische Gründe. Denn die NFL in Deutschland hat hier ihren Ursprung genommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein großer Teil des amerikanischen Militärs in und um Frankfurt stationiert. Die Soldaten brachten das Spiel mit und bauten auch die dazugehörige Infrastruktur auf. Es gab Jugendklubs, Spielfelder und regelmäßige Begegnungen. Auf diese Weise bekamen die Frankfurter den Kontaktsport wesentlich früher und direkter zu Gesicht, als das für den Rest der Nation der Fall war, vom Rest von Europa gar nicht zu reden.
NFL Europa und Frankfurt Galaxy
In den 90ern wurde es dann richtig ernst mit dem Football in Europa. Die NFL Europe erblickte nämlich das Licht der Welt und nahm ihren Anfang dann wenig überraschend in Frankfurt. Die Hessen stellten auch gleich ihr eigenes Team auf die Beine. Und wer in den 90ern groß wurde, dem sind die lila Jacken und Mützen von Frankfurt Galaxy sicherlich vertraut. Für viele Fans war das Team der erste Berührungspunkt mit Football und für die Dauer der Liga waren die Frankfurter mit Abstand das erfolgreichste Team. Und dabei war es nicht nur ein Prestigeprojekt. Der Club ist als profitables Unternehmen aktiv.
Wie sieht es in den Nachbarländern aus?
Tatsächlich gab es auch in anderen europäischen Ländern aktive und erfolgreiche Teams. Ganz vorneweg waren die London Monarchs mit dabei. Sie galten als eines der Vorzeigeteams der NFL Europe League. Spanien machte sich mit den Barcelona Dragons bemerkbar. Das Team war bis zum Jahre 2003 aktiv und gilt somit als eines der am längsten aktiven Teams in der gesamten Liga. Die Amsterdam Admirals aus den Niederlanden zeigten, dass auch die Holländer den direkten Kontakt auf dem Feld nicht scheuen. Auch in Frankreich machte man einen Versuch, aber die Paris Musketeers hielten nur eine einzige Spielzeit durch.
Der heutige Stand in Frankfurt
Die NFL Europe gibt es zwar heute nicht mehr, Frankfurt ist aber nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt des europäischen Footballs. Frankfurt ist übrigens auch regelmäßig der Austragungsort von regulären NFL-Spielen. Und auch viele Spiele der EFL finden in Mainhattan statt. Da überrascht es natürlich nicht, dass sich auch der Deutsche Verband für American Football in Frankfurt befindet. Auch was die Teams angeht, sind die Frankfurter gut aufgestellt. Die bekannten Frankfurt Galaxy gibt es inzwischen wieder und nach wie vor handelt es sich um eines der besten Teams in Europa. Mit hinzugekommen ist die Konkurrenz Frankfurt Surge, die das Spiel vor Ort deutlich belebt.
Vergleich zu anderen amerikanischen Sportarten
Football ist in Europa nach wie vor eine Nische, zumindest, was die öffentliche Wahrnehmung angeht. Mit Basketball sieht es da zum Beispiel gleich ganz anders aus. Dort gibt es etablierte Ligen und Vereine, die teilweise auch auf absolutem Weltklasse-Niveau spielen. Auf der anderen Seite hat Football sicherlich eine größere Verbreitung als Baseball, das eher in Asien und Lateinamerika zu Hause ist. Gerade die Größe und die notwendige Investition und Infrastruktur für Football macht es nötig, einen eher langfristigen Ansatz zu wählen, damit sich der Sport auch in der Zukunft nachhaltig in Europa etablieren kann.
Das kann man für die Zukunft erwarten
Wenn man einmal ein Footballspiel gesehen hat, wird man verstehen, warum die NFL gerne nach Europa expandieren möchte. Das schiere Spektakel macht den Sport zu einem absoluten Großereignis. Ein kleines Football-Spiel gibt es eigentlich nicht. Deswegen kann man auch erwarten, dass sich mehr und mehr Fans zu Tackle und Touchdown einfinden. Allerdings ist die Ausrichtung hier eher langfristig. Denn so schnell kommen die Menschen dann doch nicht von Fußball und Eishockey weg. Letztlich liegt der Fokus auf jungen Fans, die Football als ihren ersten Sport auswählen. Sie bilden das Rückgrat der kommenden Generationen an Quarterbacks und Linebackers.