Skoda Peaq heißt das neue Flaggschiff der tschechischen Marke – und es ist weit mehr als ein weiteres Elektro-SUV. Mit bis zu sieben Sitzplätzen, einer Länge von 4,87 Metern und einer technischen Basis, die erstmals eine in China entwickelte Ausbaustufe des VW-Elektro-Baukastens nach Europa bringt, will der Skoda Peaq Familien, Vielfahrer und E-Mobil-Pioniere gleichermaßen überzeugen. Im Topmodell Skoda Peaq 90x treten 299 PS, Allradantrieb und eine große 91-kWh-Batterie an, um den Anspruch zu untermauern: komfortabel reisen, lange Strecken bewältigen und dabei Platz für das ganze Leben bieten.
Doch der eigentliche Knackpunkt ist nicht die Leistung. Es ist die Frage, ob Skoda mit diesem großen Elektroauto eine Lücke schließt, die bislang im VW-Konzern kaum jemand besetzt hat: einen echten, alltagstauglichen elektrischen Siebensitzer mit Familienlogik statt reinem Statusdenken.
Ein SUV, das eher wie ein Van denkt
Wer den Skoda Peaq zum ersten Mal sieht, sucht vergeblich nach den vertrauten Linien eines Enyaq oder Elroq. Das Fahrzeug wirkt höher, länger und weniger sportlich-kantig als die bekannten Elektromodelle der Marke. Die Proportionen erinnern eher an einen geräumigen Familien-Van mit erhöhter Sitzposition als an ein klassisches SUV. Genau darin liegt aber seine Stärke.
Mit 4,87 Metern Länge, 1,87 Metern Breite und einem Radstand von 2,97 Metern schafft der Skoda Peaq jenen Raum, den viele elektrische Familienautos bislang nur versprechen. Die dritte Sitzreihe ist keine Notlösung für Kinder, sondern kann bei Bedarf tatsächlich von Erwachsenen genutzt werden. Hinter allen sieben Sitzen bleiben zudem 299 Liter Gepäckraum – genug für Kinderwagen, Sporttaschen oder den Einkauf einer größeren Familie.
Damit positioniert sich der Skoda Peaq weniger als Konkurrent zum sportlichen E-SUV, sondern als elektrisches Gegenstück zum Skoda Kodiaq. Der Verbrenner-Skoda Kodiaq hat sich als Familien-SUV mit variabler Innenraumlogik einen festen Platz erobert. Der neue Skoda Peaq übernimmt diese Rolle nun im Zeitalter der E-Mobilität – nur mit mehr Platz, mehr Ruhe und einem deutlich moderneren Antriebskonzept.
Komfort statt Sportlichkeit
Der Skoda Peaq 90x in der Sportline-Ausstattung klingt auf dem Papier dynamisch: 220 kW Systemleistung, 299 PS, Allradantrieb und ein Sprint von null auf 100 km/h in rund 6,4 Sekunden. Doch wer eine sportliche Fahrmaschine erwartet, wird eines Besseren belehrt. Der große Tscheche ist konsequent auf Ruhe, Komfort und Langstreckentauglichkeit ausgelegt.
Das merkt man bereits beim Einsteigen. Die vorderen Sitze wirken weniger wie Sportsitze und mehr wie die Sitze einer Lounge. Weiche Polsterung, elektrische Verstellung, ausfahrbare Beinauflagen und eine Massagefunktion verwandeln den Fahrerplatz in einen Ort, an dem man auch bei einer längeren Ladepause gern verweilt. Gerade für Vielfahrer ist das kein überflüssiger Luxus, sondern ein echter Mehrwert: Wer nach mehreren Stunden hinter dem Lenkrad weniger verspannt aussteigt, fährt sicherer und kommt entspannter an.
Diese Ausrichtung setzt sich im Fahrverhalten fort. Der Skoda Peaq federt großzügig, schluckt Unebenheiten souverän und hält Wind- sowie Reifengeräusche auf Autobahnniveau weitgehend draußen. Das hohe Gewicht von über 2,3 Tonnen fällt dabei weniger negativ auf, als man zunächst vermuten könnte. Es sorgt für eine ruhige, fast schwerelose Fahrweise – allerdings auf Kosten von Agilität. In engen Kurven oder bei zügigen Ausweichmanövern spürt man die Masse deutlich.
Für die Zielgruppe ist das jedoch kein Makel. Familien, die viel Gepäck, Kinder und Alltag mit sich transportieren, wollen kein Auto, das jede Kurve attackiert. Sie wollen ein Fahrzeug, das nach einem langen Tag nicht erschöpft, sondern entspannt.
Technik aus China als strategischer Wendepunkt

Der interessanteste Aspekt des Skoda Peaq liegt unter der Karosserie. Skoda nutzt hier eine spezielle Weiterentwicklung des modularen Elektro-Antriebs-Baukastens von Volkswagen, die zuvor ausschließlich in China eingesetzt wurde. Das ist mehr als eine technische Fußnote. Es zeigt, wie stark sich die Rollen im globalen Automobilbau verschoben haben.
China gilt inzwischen nicht mehr nur als Absatzmarkt, sondern als Entwicklungszentrum für Elektromobilität. Dort entstehen schnellere Produktzyklen, effizientere Batterieintegrationen und Softwarelösungen, die europäische Hersteller unter Druck setzen. Dass VW nun diese Technik nach Europa holt und Skoda daraus ein Flaggschiff macht, ist ein klares Signal: Die Konzernzentrale erkennt, dass europäische E-Modelle nicht nur größer und teurer werden müssen, sondern auch effizienter, komfortabler und alltagstauglicher.
Für den Skoda Peaq bedeutet das vor allem eines: Er ist kein reines Ablegerprodukt, sondern ein Versuch, chinesische Effizienz mit europäischen Erwartungen an Verarbeitung, Sicherheit und Fahrkomfort zu verbinden. Ob dieses Rezept langfristig aufgeht, entscheidet sich daran, ob Skoda die Software, die Ladepraxis und die Servicequalität ebenso konsequent weiterentwickelt wie die Hardware.
Reichweite, Laden und Alltag
Mit seiner 91-kWh-Batterie, davon 86 kWh nutzbar, ist der Skoda Peaq 90x für lange Strecken ausgelegt. Die WLTP-Reichweite liegt je nach Konfiguration bei bis zu 613 Kilometern. Im realen Betrieb wird diese Zahl naturgemäß niedriger ausfallen, besonders bei Winter temperatures, hoher Geschwindigkeit oder voller Beladung. Dennoch bleibt der Skoda Peaq damit in einer Klasse, die Familienreisen ohne ständige Ladeplanung möglich macht.
An Schnellladestationen erreicht der Wagen bis zu 199 kW. Das reicht aus, um in rund einer halben Stunde von zehn auf 80 Prozent Batteriestand zu kommen. Für einen 2,3-Tonnen-Siebensitzer ist das ein ordentlicher Wert, auch wenn neuere chinesische Konkurrenten mit 800-Volt-Technik bereits höhere Ladeleistungen bieten. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Spitzenleistung, sondern die Ladekurve. Ein Auto, das über einen breiten Ladebereich konstant schnell lädt, ist im Alltag oft wertvoller als eines, das nur kurzzeitig eine beeindruckende Zahl anzeigt.
Der Testverbrauch von etwa 21,4 kWh je 100 Kilometern zeigt, dass der Skoda Peaq kein Leichtgewicht ist. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist der Wert aber nachvollziehbar. Wer überwiegend Stadt und Landstraße fährt, wird deutlich effizienter unterwegs sein. Auf der Autobahn hingegen macht sich das Gewicht, die Größe und der Luftwiderstand bemerkbar.
Innenraum mit klarer Familienlogik
Im Innenraum setzt der Skoda Peaq auf eine Mischung aus Digitalisierung und physischer Praktikabilität. Ein hochkant stehender Touchscreen dominiert das Cockpit, ergänzt durch ein digitales Kombiinstrument. Die Bedienung ist modern, aber nicht überladen. Wichtig ist: Skoda verzichtet nicht vollständig auf klassische Bedienelemente. Das erleichtert den Alltag, besonders wenn Kinder im Auto sitzen, Handschuhe getragen werden oder man schnell etwas verstellen muss.
Die zweite Sitzreihe bietet viel Bewegungsfreiheit und lässt sich in der Siebensitzer-Konfiguration verschieben. Dadurch lässt sich der Raum je nach Bedarf zwischen Beinfreiheit und Gepäckkapazität aufteilen. Das macht den Skoda Peaq flexibler als viele E-SUVs, bei denen die dritte Reihe eher ein Marketingargument als eine echte Lösung ist.
Auch die Materialauswahl wirkt durchdacht. Filzeinlagen in den Türfächern, hochwertige Kunststoffe und im Sportline-Modell Mikrofaserbezüge erzeugen ein Wohlfühlambiente, das über dem liegt, was man von einem klassischen Volumenhersteller erwartet. Skoda beweist damit, dass Komfort nicht zwingend Premium-Preis bedeutet.
Preis: Vernünftig, aber nicht günstig
Der Einstieg in den Skoda Peaq liegt bei rund 49.900 Euro. Das Topmodell Skoda Peaq 90x in Sportline-Ausstattung kostet deutlich mehr, in der getesteten Konfiguration waren es über 72.000 Euro. Damit bewegt sich das Fahrzeug in einem Preisbereich, der für viele Familien bereits ernsthaft ins Budget fällt.
Trotzdem ist die Preisstruktur nachvollziehbar. Der Skoda Peaq bietet etwas, das am Markt selten ist: echte sieben Sitzplätze, eine große Batterie, viel Komfort und ein durchdachtes Raumkonzept. Verglichen mit deutschen Premium-SUVs wirkt der Preis sogar attraktiv. Verglichen mit dem Skoda Kodiaq als Verbrenner ist er jedoch ein deutlicher Aufschlag.
Die entscheidende Frage wird sein, ob Käufer bereit sind, für elektrische Familienmobilität mehr zu zahlen. Der Skoda Peaq macht diese Entscheidung leichter, weil er nicht nur ein Auto ersetzt, sondern ein komplettes Mobilitätskonzept bietet.
Was der Peaq für die Zukunft bedeutet
Der Skoda Peaq ist mehr als ein neues Modell. Er ist ein Test dafür, ob europäische Hersteller lernen können, Elektroautos nicht nur technisch, sondern auch emotional richtig zu bauen. Statt auf Leistung und Bildschirme zu setzen, setzt Skoda auf Raum, Ruhe, Flexibilität und Komfort. Das ist ein kluger Ansatz.
Wenn der Skoda Peaq erfolgreich ist, könnte er den Weg für weitere große E-Familienmodelle im VW-Konzern ebnen. Er zeigt, dass Elektromobilität nicht nur für Singles, Pendler oder städtische Lebensstile gedacht sein muss. Sie kann auch dann funktionieren, wenn eine Familie mit Kindern, Gepäck und langen Strecken im Spiel ist.
Der Skoda Peaq 90x ist damit kein Auto für alle. Er ist zu groß, zu teuer und zu komfortorientiert dafür. Aber genau das macht ihn interessant. Er ist ein Statement: Elektromobilität kann großzügig, familientauglich und langstreckentauglich sein – ohne dabei die typischen Stärken von Skoda zu verlieren.
Quellen
Einzeltest
Skoda Peaq 90x im Test: Neue Wege für einen Riesen
Elektro-Flaggschiff mit über 600 km Reichweite


