Die deutsche Regierung hat Afghanen, die ein Recht auf Familiennachzug besitzen, ein finanzielles Angebot gemacht: Wer freiwillig auf die Einreise verzichtet, soll eine Einmalzahlung erhalten. Bisher stößt das Angebot allerdings auf geringe Resonanz.
Hintergrund des Geldangebots
Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ist der Familiennachzug nach Deutschland stark eingeschränkt. Viele Antragssteller warten oft jahrelang darauf, dass ihre Visa genehmigt werden. Um den Druck auf das Visasystem zu verringern, schlug das Bundesinnenministerium eine sogenannte „Abfindung“ vor: Afghanen, die trotz Anspruchs auf Familiennachzug freiwillig auf die Einreise verzichten, erhalten eine Auszahlung von rund 1.000 Euro pro Person.
Geringe Akzeptanz der Maßnahme
Nach Zahlen des Bundesinnenministeriums wurde das Geldangebot bislang kaum angenommen. Medienberichten zufolge haben sich erst 62 Afghanen dazu entschlossen, das Geld anzunehmen und auf die Einreise zu verzichten. Angesichts tausender ausstehender Familiennachzüge ist diese Zahl verschwindend gering. Menschenrechtsgruppen und Fachverbände kritisieren, dass die finanzielle „Abfindung“ nicht zur Lösung der humanitären Probleme beiträgt und Familien langfristig trennt.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Organisationen wie Pro Asyl und der Paritätische Gesamtverband bewerten das Angebot als fragwürdig. Nach ihrer Ansicht setzt die Zahlung auf Druck und könnte Afghanen in Notlagen zu unüberlegten Entscheidungen bewegen. Statt finanzieller Anreize fordern sie eine schnellere und planvollere Bearbeitung der Familiennachzugsverfahren und sicheren Zugang für gefährdete Angehörige.
Quellen
Nur 62 Afghanen nehmen Geldangebot für Einreise-Verzicht an
62 Afghanen verzichten auf deutsche Aufnahmezusage