Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete von mehr als 400 Drohnen und rund 40 Raketen, die vor allem auf Erzeugungs‑ und Verteilersysteme zielten, darunter Kraftwerke in der Region Iwano‑Frankiwsk, Lviv und Riwne sowie Anlagen in Kiew und Charkiw.
Betroffene Anlagen und Ausmaß der Schäde
Laut Energieminister Denys Schmichal wurden unter anderem die Wärme‑Kraftwerke Burshtyn und Dobrotwir in West‑Ukraine sowie zentrale 750‑kV‑ und 330‑kV‑Umspannwerke getroffen – Schlüsselkomponenten des Nationalstromnetzes.
Die Behörden verhängten landesweit Notstromausfälle in vielen Regionen, um einen technischen Kollaps des Gesamtsystems zu verhindern. In West‑Ukraine wie Lviv blieben Warnsignale über Stunden aktiv, da die Angriffe sich über mehrere Stunden zogen.
Humanitäre Folgen im eisigen Winter
Die Angriffe treffen die Ukraine in einem besonders kalten Winter, bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, wodurch die Ausfälle auch Heizungsversorgung und Wasserwerke betreffen.
In mehreren Regionen mussten Behörden öffentliche Notbehelfszentren mit Notstrom einrichten, um medizinische Versorgung, Kommunikation und Notdienste aufrechtzuerhalten.
Reaktionen der ukrainischen Führung und internationale Hilfe
Ukrainische Regierungsvertreter wie Ministerpräsident Denys Schmichal betonten, dass Moskau die Energieinfrastruktur gezielt als Kriegsinstrument nutze, um die Zivilbevölkerung zu treffen.
Selenskyj forderte die westlichen Partner außerdem, ukrainische Abwehrkapazitäten weiter auszubauen – etwa mit Patriot‑ und NASAMS‑Raketensystemen –, um die Luftabwehr stärker zu machen und die Energieanlagen besser schützen zu können.
Russische Strategie und internationale Kritik
Seit Herbst 2025 hat Moskau die Angriffe auf das ukrainische Stromnetz deutlich intensiviert; die Folge sind wiederkehrende Blackouts und eine chronisch angespannte Energielage.
Die UN‑Atomenergiebehörde und andere internationale Stellen warnen zudem, dass die anhaltenden Angriffe auf Kraftwerke und Leitungen auch die nukleare Sicherheit rund um ukrainische Atomkraftwerke erhöhen können, da diese auf stabile Stromversorgung angewiesen sind.
Ausblick: Wie reagiert die Ukraine auf die Energiekrise?
Experten erwarten, dass die Ukrainische Regierung und Ukrenergo in den kommenden Wochen verstärkt auf dezentrale Energiequellen, Diesel‑Generatoren und Not‑Netz‑Strukturen setzen müssen, um die Versorgung kritischer Infrastruktur sicherzustellen.
Solange diplomatische Bemühungen und Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand fortgesetzt werden, bleibt die Energieinfrastruktur vermutlich ein zentrales Ziel – und die Ukraine kämpft weiter darum, ihre Bürger im Winter mit Licht und Wärme zu versorgen.