Russland setzt im Angriffskrieg gegen die Ukraine zunehmend auf Drohnen statt Raketen. Während zu Beginn des Krieges vor allem Präzisionsraketen eingesetzt wurden, dominieren heute Schwärme von Kamikaze-Drohnen das Bild. Diese Taktik erlaubt es Moskau, mit vergleichsweise günstigen und leicht ersetzbaren Flugkörpern massive Angriffe zu führen – insbesondere auf kritische Infrastruktur und Energieanlagen. Nach Schätzungen westlicher Geheimdienste stammen viele der in Russland genutzten Drohnen aus iranischer Produktion, vor allem das Modell Shahed‑136, das inzwischen in russischer Lizenz gefertigt wird
Schwärme, die die Abwehr überfordern
Die ukrainische Luftabwehr steht durch diese Taktik vor erheblichen Problemen. Während klassische Flugabwehrsysteme auf einzelne Ziele ausgelegt sind, müssen nun gleichzeitig Dutzende von Drohnen erkannt, verfolgt und neutralisiert werden. Aufgrund unterschiedlicher Flugprofile – von sehr tief fliegenden bis zu hoch operierenden Geräten – fällt die Identifizierung zusätzlich schwer. Experten der Denkfabrik Royal United Services Institute (RUSI) betonen, dass die Kombination aus Drohnenangriffen und gleichzeitigen Raketenstarts die ukrainische Verteidigung gezielt überlastet. Dadurch könne Russland mit geringem Mitteleinsatz großen Schaden anrichten.
Technologischer Vorsprung und taktische Anpassung
Moskau hat seine Drohnenproduktion erheblich ausgeweitet. Russischen Medien zufolge soll allein in Tatarstan ein neues Werk zur Serienproduktion von Geran‑2-Drohnen entstanden sein. Ergänzend dazu werden GPS‑Störsender und elektronische Kriegsführung genutzt, um die Navigation ukrainischer Abwehrsysteme zu beeinträchtigen. Analysten gehen davon aus, dass dieser Wandel Teil einer langfristigen Strategie ist: Drohnen sollen nicht nur taktische, sondern auch psychologische Wirkung entfalten – insbesondere durch nächtliche Angriffe auf Städte.
Ausblick: Westen sucht nach Gegenstrategien
Die NATO und westliche Verbündete reagieren mit wachsender Sorge. Die USA und Deutschland liefern zunehmend Systeme wie Gepard, Iris‑T oder NASAMS, um die Abwehr zu stärken. Doch die Kosten bleiben ein Problem: Der Abschuss einer Drohne kostet die Verteidiger oft ein Vielfaches des Preises des Angreifers. Sollte Russland seine Drohnenschwärme weiter optimieren, könnte dies das Kräfteverhältnis an der Front langfristig verändern – und den Krieg in eine neue Phase technischer Kriegsführung führen.
Quellen
Was Putins Drohnentaktik so effektiv macht
Würgegriff und Vorschlaghammer – Putins neue Drohnen-Taktik im Bodenkrieg