Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) hat vor überzogenen Erwartungen an ein mögliches Abkommen über Grönland gewarnt. Nach Donald Trumps vager Ankündigung, Teile der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Inselregion neu ordnen zu wollen, betonte Klingbeil die Notwendigkeit einer realistischen Einschätzung. „Man darf sich nicht zu früh freuen“, sagte er am Mittwoch in Berlin.
Der SPD-Politiker verwies auf die geopolitische Komplexität der Arktisregion und betonte, dass „eine stabile und faire Zusammenarbeit im Nordatlantik Zeit, Vertrauen und Transparenz“ erfordere. Deutschlands Aufgabe sei es, zwischen wirtschaftlichen Interessen und sicherheitspolitischer Stabilität abzuwägen.
Skandinavische Staaten begrüßen Deeskalation
Während Deutschland zur Zurückhaltung mahnt, begrüßen Schweden und Dänemark die jüngsten diplomatischen Signale aus Washington. Ein Sprecher des dänischen Außenministeriums erklärte, man sehe „eine positive Dynamik“ in den Verhandlungen. Dänemark, zu dem Grönland als autonomes Territorium gehört, hatte in der Vergangenheit wiederholt Spannungen mit den USA über Rohstoffrechte und Militärpräsenz in der Arktis erlebt.
Auch Schweden äußerte sich optimistisch: „Wir begrüßen jede Initiative, die zu Stabilität in der Region beiträgt“, sagte Außenministerin Karin Svensson.
Hintergrund: Trumps Grönland-Initiative
Die USA hatten zuletzt Interesse an engeren Kooperationen mit Grönland signalisiert. Bereits unter Trump war 2019 durchgesickert, dass Washington ernsthaft über strategische Investitionen in der dortigen Rohstoff- und Sicherheitsinfrastruktur nachdachte. Damals führte die Diskussion über einen möglichen Kauf der Insel zu diplomatischen Irritationen.
Nun, so Beobachter, versucht die US-Regierung offenbar, diplomatischere Wege zu gehen. Dennoch bleibt unklar, ob ein formales Abkommen zustande kommt oder es bei Absichtserklärungen bleibt.
Ausblick: Zwischen geopolitischer Strategie und Klimapolitik
Angesichts der steigenden Bedeutung der Arktis für den globalen Energie- und Rohstoffmarkt könnte Grönland künftig eine Schlüsselrolle spielen. Zugleich wächst der Druck, ökologische Schutzmechanismen zu verankern. Klingbeil machte deutlich, dass Deutschland jede neue Vereinbarung „nicht nur unter sicherheitspolitischen, sondern auch unter klimapolitischen Gesichtspunkten“ bewerten müsse.
Quellen
Klingbeil zu Trumps Grönland-Wende: Nicht zu früh freuen
Klingbeil warnt vor zu großen Hoffnungen auf Grönlandabkommen