Nach mehr als neun Jahren in libanesischer Haft ist Hannibal Gaddafi, Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, am Montag aus der Haft entlassen worden. Ein Gericht in Beirut ordnete seine Freilassung an, nachdem alle offenen Anklagepunkte aufgehoben oder verjährt waren. Gaddafi war seit 2015 in Untersuchungshaft, unter anderem wegen des Verdachts, Informationen über das Verschwinden des schiitischen Geistlichen Musa al-Sadr im Jahr 1978 zu besitzen.
Hintergrund des Falles Musa al-Sadr
Der Fall al-Sadr gilt bis heute als eines der politisch brisantesten Themen im Libanon. Der einflussreiche Imam verschwand während eines Besuchs in Tripolis spurlos, mutmaßlich auf Anordnung des damaligen libyschen Regimes. Hannibal Gaddafi, der damals ein Kind war, bestritt stets jegliche Kenntnis der Geschehnisse. Dennoch wurde er in den vergangenen Jahren wiederholt verhört, was seine Freilassung erheblich verzögerte.
Reaktionen aus Libyen und dem Libanon
In Libyen wurde die Nachricht von Gaddafis Freilassung vor allem in regimetreuen Kreisen mit Erleichterung aufgenommen. Vertreter der Übergangsregierung in Tripolis zeigten jedoch Zurückhaltung und betonten, dies sei eine „innere Angelegenheit des Libanon“. In Beirut reagierten Angehörige des verschwundenen Imams hingegen mit Empörung und sprachen von einem „Bruch der Gerechtigkeit“.
Unklare Zukunft Gaddafis
Unklar bleibt, ob Hannibal Gaddafi in den Libanon zurückkehren oder nach Syrien oder Russland ausreisen wird. Medienberichten zufolge soll Damaskus ihm bereits Schutz angeboten haben. Beobachter erwarten, dass seine Freilassung neue diplomatische Spannungen zwischen Beirut, Tripolis und Teheran auslösen könnte, da der Fall al-Sadr bis heute eine bedeutende Rolle in den Beziehungen zwischen dem Libanon und Libyen spielt.
Quellen
Gaddafis Sohn Hannibal aus Haft im Libanon entlassen – spiegel.de
Gaddafis Sohn Hannibal aus Haft im Libanon entlassen – bluewin.ch.de
