Gazali Abdou Tasawa, ein langjähriger DW-Korrespondent für Hausa-Sendungen, wurde nach einem Gerichtsbesuch am 22. Januar 2026 verhaftet. Die Festnahme erfolgte kurz nach der Veröffentlichung eines Berichts am 15. Januar 2025 über die prekären Lebensbedingungen nigerianischer Flüchtlinge in Niamey. Im Video zeigten Frauen und Kinder, die in Friedhöfen oder verlassenen Gebäuden hausen und alles durch Brände verloren haben.
DW-Programmdirektorin Nadja Scholz äußerte tiefe Besorgnis: „Wir sind sehr besorgt um unseren langjährigen Kollegen und fordern seine sofortige Freilassung. Unsere Mitarbeiter müssen journalistisch frei arbeiten können.“ Die Anstalt hat rechtliche Hilfe organisiert und ist mit Familie, Anwalt und Behörden in Kontakt.
Politischer Kontext in Niger
Niger wird seit dem Putsch im Juli 2023 von einer Militärjunta unter General Abdourahamane Tiani regiert. Amnesty International meldet eine Verschlechterung der Menschenrechte, insbesondere bei Pressefreiheit. Im September 2025 wurde Journalist Hassane Zada zu 30 Monaten Haft wegen „beleidigender Äußerungen“ verurteilt.
Das Land rangiert auf Platz 83 im World Press Freedom Index von Reporter ohne Grenzen und fiel 2025 um drei Plätze. Die Festnahme Abdou Tasawas folgt auf die vorläufige Freilassung von Ali Soumana, Chefredakteur von „Le Courrier“, nach vier Monaten U-Haft.
Internationale Reaktionen
Medienbeobachter kritisieren die Haft als Angriff auf Berichterstattung über humanitäre Themen. DW betont die Unabhängigkeit und fordert Schutz für Journalisten. Die nigerianische Außenministerin diskutierte kürzlich mit der nigerianischen Botschaft die Lage von 1.300 Flüchtlingen in Niamey. Bisher gibt es keine offiziellen Anklagen gegen den Reporter.
Quellen
Journalist der Deutschen Welle in Niger festgenommen
Niger: Korrespondent des deutschen Radiosenders Deutsche Welle in Niamey inhaftiert