Stefan Gelbhaar, ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter aus Berlin-Pankow, geriet Ende 2024 in die Schlagzeilen durch Vorwürfe sexueller Belästigung mehrerer Frauen. Zunächst anonyme Meldungen an die Grünen-Ombudsstelle eskalierten durch Berichte des RBB, was zu seinem Rückzug von der Kandidatur führte. Teile der Anschuldigungen stellten sich als gefälscht heraus, darunter eine eidesstattliche Erklärung einer Bezirkspolitikerin, doch sieben Frauen hielten an ihren Aussagen fest.
Die neuen Chat-Vorwürfe
Neue Enthüllungen betreffen Chats zwischen Gelbhaar und einer damals 22- bis 25-jährigen Frau, die ein Praktikum anstrebte. Zwischen 2018 und 2021 schickte Gelbhaar Herzaugen- und Flammen-Emojis zu ihren Instagram-Bildern, lobte Bikini-Fotos als „hot“ und kommentierte: „Ich kiek’ mir deine Bilder zu gern an“. Die Frau fühlte sich später in einem Machtgefälle bedrängt, obwohl der Kontakt wechselseitig flirtend war und strafrechtlich irrelevant bleibt.
Reaktionen der Partei und Medien
Die Grünen räumten in einem internen Bericht Fehler ein, da ihre Ombudsstrukturen überfordert waren und Vorwürfe nicht ausreichend geprüft wurden. Eine Kommission kritisierte ein mögliches koordiniertes Vorgehen gegen Gelbhaar und forderte Reformen. Gelbhaar wehrt sich juristisch, erhielt eine sechsstellige Entschädigung vom RBB und sieht sich als Opfer einer Intrige rehabilitiert.
Offene Fragen und Grauzone
Während zentrale Vorwürfe entkräftet wurden, beleuchten die Chats eine Grauzone von Sexismus und Machtmissbrauch, die moralisch fragwürdig ist. Die Betroffene bereut den Austausch heute, Gelbhaars Anwälte sprechen von harmloser Kommunikation. Die Affäre unterstreicht Defizite im Umgang mit #MeToo-Themen bei den Grünen.
Quellen
Grüne in der Krise: Gelbhaars Bikini-Kommentare sorgen für Aufruhr
Von Intrige zu Grauzone: Neue Beweise gegen Ex-Abgeordneten Gelbhaar