Die deutsche Industrie warnt zunehmend vor den Folgen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen im Bereich der kritischen Infrastruktur. In Zeiten steigender geopolitischer Spannungen, wachsender Cybergefahren und häufiger werdender Extremwetterereignisse sehen viele Unternehmen zentrale Versorgungssysteme – etwa in Energie, Transport, Wasser oder IT – in Gefahr.
Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) seien gerade mittelständische Betriebe auf stabile Netze angewiesen. „Ein Angriff auf Stromnetze oder Kommunikationssysteme kann Produktionsprozesse lahmlegen und ganze Lieferketten stören“, erklärte ein BDI-Sprecher gegenüber mehreren Medien.
Forderung nach klaren Zuständigkeiten und rascher Digitalisierung
Die Industrie fordert von der Bundesregierung eine Nationalstrategie, die den Schutz kritischer Infrastruktur systematisch priorisiert. Dazu gehören nach Ansicht des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) verstärkte Kooperationen zwischen Staat und Wirtschaft, aber auch klare Verantwortlichkeiten bei Cyberangriffen.
Zugleich mahnen Wirtschaftsvertreter, dass der digitale Ausbau selbst Sicherheitsaspekte stärker berücksichtigen müsse. Laut einer Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) [BSI-Lagebericht 2024] nehmen Sicherheitsvorfälle im IT-Bereich stetig zu – besonders durch Sabotage und Ransomware-Angriffe.
Kooperation von Staat und Privatwirtschaft im Fokus
Viele Fachleute betonen, dass der Schutz kritischer Infrastruktur nur im engen Schulterschluss zwischen öffentlicher Hand und privaten Betreibern gelingen kann. In Sektoren wie Energie, Telekommunikation und Transport liegt ein großer Teil der kritischen Anlagen in Unternehmenshand.
„Wir brauchen gemeinsame Standards und Notfallprotokolle, die im Krisenfall greifen“, sagte Stefan Wolf, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ohne abgestimmte Verfahren drohten im Ernstfall chaotische Zustände, so Wolf.
Hintergrund: Gesetzliche Regelungen und EU-Richtlinien
Deutschlands rechtlicher Rahmen für den Infrastrukturschutz wurde zuletzt mit der Umsetzung der EU-Richtlinie NIS-2 angepasst. Diese schreibt strengere Sicherheitsanforderungen für Betreiber kritischer Dienste vor und erweitert die Meldepflichten bei IT-Störungen. Branchenvertreter begrüßten den Schritt grundsätzlich, fordern jedoch mehr Unterstützung bei der praktischen Umsetzung.
Das Innenministerium verweist darauf, dass Deutschland bereits erhebliche Investitionen in Resilienz und Cybersicherheit tätigt – etwa im Rahmen des Nationalen Sicherheitskonzepts für kritische Infrastrukturen (KRITIS). Die Industrie will jedoch, dass „zwischen Planung und Umsetzung kein Jahr verloren geht“, wie es der BDI formuliert.
Ausblick
Angesichts neuer Bedrohungen aus dem Cyberraum und verstärkter geopolitischer Unsicherheiten dürfte das Thema Infrastrukturschutz 2026 in der politischen Agenda weiter an Bedeutung gewinnen. Experten sehen in einer frühzeitigen Kooperation von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft den Schlüssel zu mehr Widerstandsfähigkeit.
Quellen
Unternehmen dringen auf stärkeren Schutz lebenswichtiger Versorgungsnetze
Industrie ruft Bundesregierung zu schnellerem Handeln beim Infrastrukturschutz auf


