Nach der Inhaftierung des bisherigen Präsidenten Nicolás Maduro in den USA hat Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez offiziell das Amt der Interimspräsidentin übernommen. Die Ernennung erfolgte laut einem Sprecher des venezolanischen Parlaments am Samstagabend in Caracas. Damit leitet Rodríguez vorerst die Geschicke des südamerikanischen Landes, das seit Jahren von politischen Spannungen, Wirtschaftskrise und internationalen Sanktionen geprägt ist.
Zustimmung aus Washington
Der überraschende Machtwechsel stieß in den Vereinigten Staaten auf positive Resonanz. US-Präsident Donald Trump begrüßte die Entscheidung und bezeichnete Rodríguez als „wichtige Ansprechpartnerin für eine neue Phase der Stabilität in Venezuela“. Er betonte außerdem, Washington sei bereit, „mit einer legitimen und reformorientierten Regierung“ zusammenzuarbeiten.
US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, die Vereinigten Staaten würden Beobachter und humanitäre Hilfe entsenden, um den Übergang friedlich zu gestalten. Die EU-Kommission zeigte sich zurückhaltender, äußerte jedoch die Hoffnung auf freie und faire Neuwahlen.
Interimspräsidentin kündigt Reformen an
In einer ersten Fernsehansprache versprach Rodríguez tiefgreifende wirtschaftliche und politische Reformen. Sie sprach von einem „nationalen Dialog für den Wiederaufbau Venezuelas“ und rief alle gesellschaftlichen Gruppen auf, sich an einer Übergangsstrategie zu beteiligen. Ihr Kabinett soll in den kommenden Tagen vorgestellt werden.
Beobachter verweisen darauf, dass die neue Interimspräsidentin als loyale Weggefährtin Maduros galt, in den letzten Monaten aber zunehmend Distanz zu dessen autoritärem Kurs gezeigt habe.
Internationale Reaktionen
Aus Lateinamerika äußerten sich mehrere Regierungen positiv über Rodríguez’ Amtsübernahme. Kolumbien und Brasilien sprachen von einem „wichtigen Schritt hin zu Stabilität und demokratischer Erneuerung“. Russland und China, traditionell enge Verbündete Maduros, reagierten zurückhaltend und forderten, die „innere Souveränität Venezuelas“ zu respektieren.
Ausblick
Ob Rodríguez gelingt, das tief gespaltene Land zu einen, bleibt abzuwarten. Die Bevölkerung erwartet vor allem wirtschaftliche Erholung und Sicherheit. Internationale Beobachter sehen in ihrer Übergangsregierung eine mögliche Chance, Venezuela schrittweise aus der jahrelangen Krise zu führen.
Quellen
Rodríguez zu Venezuelas Interimspräsidentin ernannt
Delcy Rodríguez se convirtió en la presidenta interina de Venezuela