Seit Jahrzehnten zog Deutschland polnische Arbeitskräfte an, besonders nach der EU-Osterweiterung 2004 und der vollständigen Arbeitsmarkteröffnung 2011, als jährlich bis zu 207.000 Polen zuwanderten. Vor zehn Jahren verzeichnete Deutschland noch ein Plus von über 63.000 polnischen Zuzügen. Der Trend kippte jedoch: 2024 wanderten erstmals mehr Polen aus Deutschland ab (90.807) als zu (82.082), was den ersten negativen Saldo seit 25 Jahren markiert.
Aktuelle Zahlen
Die Zuzüge aus Polen sanken 2024 um rund 25 Prozent auf etwa 75.000 im Vergleich zu 100.000 im Jahr 2023. Der Netto-Wanderungssaldo drehte sich von +15.000 (2023) auf -11.000 (2024). In Branchen wie Bau, Pflege und Logistik melden Arbeitgeber in Bundesländern wie NRW, Niedersachsen und Bayern Rückgänge der Bewerber um 25 bis 30 Prozent.
Gründe für den Wandel
Die wirtschaftliche Stagnation in Deutschland wird von 58 Prozent der Polen als Hauptgrund genannt, gefolgt von politischer Lage (56 Prozent), hohen Steuern (46 Prozent) und Bürokratie (38 Prozent). Polen boomt hingegen mit 2,9 Prozent BIP-Wachstum 2024 und prognostizierten 3,4 Prozent 2025, bei einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent gegenüber 3,7 Prozent in Deutschland. Steigende Löhne (bis zu 7,5 Prozent Wachstum) und niedrigere Lebenshaltungskosten machen die Heimat attraktiver.
Alternativen und Folgen
Viele Polen wählen nun Norwegen (über 101.000 Polen leben dort), wo höhere Löhne locken. Deutschland leidet unter Fachkräftemangel in Schlüsselbranchen, was die Wirtschaft bremsen könnte. Der Wandel signalisiert Konvergenz zwischen Ost- und Westeuropa.
Quellen
Vom Magnet zum Abschrecker: Polen wählen andere Wege
Rückgang polnischer Zuzüge: Zahlen, Gründe und Folgen