Ein Lufthansa-Passagierflugzeug ist laut Luftfahrtkreisen kurzzeitig in die Nähe einer militärischen Sperrzone geraten. Der Vorfall ereignete sich im europäischen Luftraum Anfang Dezember, als die Maschine auf dem Weg von Frankfurt nach Istanbul war. Nach Angaben der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol befand sich der Airbus A320 „nur wenige nautische Meilen“ von der Grenze eines militärisch gesperrten Flugkorridors entfernt.
Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass der Pilot umgehend Anweisungen der Flugsicherung befolgt und die Route korrigiert habe. Passagiere hätten den Zwischenfall laut Augenzeugen kaum bemerkt.
Technischer Navigationsfehler vermutet
Ersten Berichten zufolge könnte ein technischer Navigationsfehler oder eine fehlerhafte Koordinateneingabe die kurzfristige Kursabweichung ausgelöst haben. Das Bundesamt für Flugunfalluntersuchung (BFU) prüft derzeit die Aufzeichnungen von Cockpit und Bordcomputern, um mögliche Ursachen zu klären.
Ein Luftfahrtexperte erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass derartige Vorfälle zwar selten, aber nicht völlig ausgeschlossen seien: „Im hochfrequentierten europäischen Luftraum genügt schon ein kleiner Kursversatz, um in die Nähe eines Sperrgebiets zu geraten.“
Keine Gefahr für Passagiere oder Zivilbevölkerung
Laut Eurocontrol bestand zu keiner Zeit Gefahr für Passagiere, Crew oder Bodeneinrichtungen. Die militärische Luftraumüberwachung hatte das zivile Flugzeug frühzeitig erkannt und über Funk Kontakt mit der zivilen Flugsicherung aufgenommen.
Lufthansa betonte, dass das Sicherheitsprotokoll ordnungsgemäß angewendet wurde. Das Flugzeug setzte seine Route ohne weitere Zwischenfälle fort und landete planmäßig in Istanbul.
Schärfere Kontrollen angekündigt
Der Vorfall hat Diskussionen über die digitale Vernetzung zwischen ziviler und militärischer Luftraumüberwachung neu entfacht. Vertreter der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) kündigten eine Überprüfung der aktuellen Notifikationssysteme an, um die Erkennung potenzieller Kursabweichungen zu beschleunigen. Sicherheitsanalysten fordern zudem eine engere Kooperation zwischen NATO-Mitgliedsstaaten, um Luftraumwarnungen in Echtzeit zu teilen.
Quellen
Lufthansa-Maschine nähert sich versehentlich einer Sperrzone
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