Der kollektive Reichtum der Milliardäre in den G20-Staaten ist innerhalb eines Jahres um rund 2,2 Billionen US-Dollar gestiegen. Laut dem aktuellen Bericht des Entwicklungsnetzwerks Oxfam und des Wirtschaftsforschungsinstituts Inequality Lab hat sich der Trend wachsender Vermögenskonzentration fortgesetzt – trotz geopolitischer Spannungen, Lieferkettenproblemen und wachsender globaler Ungleichheit. Weltweit verfügen Milliardäre in den führenden Volkswirtschaften nun über ein Gesamtvermögen von mehr als 15 Billionen Dollar.
Haupttreiber: Technologie, Finanzen und Energie
Überdurchschnittlich stark wuchs das Vermögen in den Bereichen Technologie, Finanzwesen und Energie. Allein die Milliardäre aus den USA, China, Indien und Deutschland verzeichneten zweistellige Zuwachsraten. Große Technologiekonzerne profitierten weiterhin von der Digitalisierung und vom Einsatz Künstlicher Intelligenz, während im Energiesektor hohe Gewinne infolge gestiegener Öl- und Gaspreise erzielt wurden.
Die reichsten 1 % der Bevölkerung in den G20-Ländern besitzen mittlerweile mehr als 60 % des neuen globalen Vermögenswachstums, so der Bericht. Im Vergleich dazu sank der Anteil der unteren 50 % weiter auf unter 2 %.
Auswirkungen auf soziale Ungleichheit
Hilfsorganisationen warnen, dass der wachsende Abstand zwischen Arm und Reich die gesellschaftliche Stabilität in zahlreichen Staaten gefährden könnte. In Ländern wie Südafrika, Brasilien und Indien verschärfen sich die Unterschiede zwischen städtischen Eliten und der Landbevölkerung zunehmend. Auch in Deutschland weist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf eine wachsende Vermögensungleichheit hin: Die oberen 10 % besitzen mehr als zwei Drittel des gesamten Nettovermögens.
Forderungen nach Reformen und Besteuerung
Oxfam und andere Organisationen fordern die G20-Staaten auf, Maßnahmen zur Umverteilung einzuleiten – darunter eine stärkere Besteuerung von Kapitalerträgen und Vermögen, globale Mindeststeuersätze sowie eine Reform internationaler Steuerfluchtmechanismen. Die G20-Finanzminister beraten derzeit über neue Regeln zur internationalen Unternehmensbesteuerung, deren Ziel eine gerechtere Verteilung der Einnahmen sein soll.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Reformen stoßen jedoch auf geteilte Reaktionen. Während Vertreter der OECD und einzelner G20-Staaten betonen, dass Fortschritte bei globalen Steuerstandards entscheidend seien, warnen Wirtschaftsverbände vor negativen Folgen für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Auch in Deutschland wird über eine „moderne Vermögensbesteuerung“ diskutiert – bislang ohne konkreten Gesetzesvorschlag.
Quellen
Reichtum von G20-Milliardären steigt um 2,2 Billionen Dollar
Vermögen von G20-Milliardären steigt um 2,2 Billionen Dollar


