Während Deutschland konjunkturell stagniert, wächst Polens Wirtschaft um etwa drei Prozent im Jahr. Prognosen deuten auf ein anhaltendes Wachstum von rund 3,2 Prozent für 2025 und sogar 3,5 Prozent für 2026 hin. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Nachbarlandes? Ein Ortsbesuch bei zwei Unternehmen gibt Aufschluss.
Starkes Wachstum im Vergleich zu Deutschland
Polens Bruttoinlandsprodukt wächst dreimal schneller als der EU-Durchschnitt und deutlich rasanter als in Deutschland, wo die Wirtschaft nur minimal expandiert. Im Jahr 2025 lag das Wachstum bei etwa drei Prozent, getrieben durch privaten Konsum, EU-Fördermittel und ausländische Investitionen. Seit den 1990er Jahren hat sich Polens reales BIP mehr als verdreifacht, mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,8 Prozent – im Kontrast zu Deutschlands 1,3 Prozent.
Wichtige Wachstumstreiber
EU-Gelder spielen eine zentrale Rolle: Polen ist einer der größten Nettoempfänger und nutzt Fördermittel für Infrastrukturprojekte wie den Großflughafen CPK und Hochgeschwindigkeitszüge. Hohe Arbeitsproduktivität, die seit 2010 um 40 Prozent stieg, sowie steigende Löhne und Binnenkonsum fördern den Aufschwung zusätzlich. Rüstung und öffentliche Investitionen wirken als weitere Motoren.
Unternehmerische Mentalität und Digitalisierung
Polnische Unternehmer profitieren von einer risikobereiten Mentalität, die als „Unternehmer-Gen“ bezeichnet wird: Firmengründungen sind digital und in Minuten erledigt, mit steuerlichen Anreizen für Start-ups. Bei einem Besuch bei Ciwoniuk, Gründer eines Unternehmens nahe Warschau, wird klar, wie niedriges Startkapital und Lernbereitschaft aus Fehlern Erfolge ermöglichen.
Erfolgreiche Unternehmen vor Ort
Vigo Photonics in der Nähe von Warschau produziert Infrarotsensoren für Bahngleise, Panzer und Raumsonden und plant eine Verdopplung der Belegschaft auf über 400 Mitarbeiter bis 2030 sowie eine neue Chip-Fabrik. Solche Firmen machen Polen zum Zentrum für Innovation und Produktion, da Europa technologische Souveränität anstrebt und Fertigung aus Asien zurückholt. Polen ist mittlerweile der viertwichtigste Exportmarkt für Deutschland, vor China.
Ausblick und Nutzen für Deutschland
Trotz des Booms bleibt Polens Pro-Kopf-BIP hinter Deutschland zurück, doch der Abstand schrumpft. Deutsche Unternehmen wie Hochtief profitieren von Aufträgen in Polens Infrastruktur. Der Boom unterstreicht Potenziale für Kooperationen in einem dynamischen Nachbarland.
Quellen
Warum Polens Wirtschaft boomt
Polen: Europas wirtschaftlicher Aufsteiger

