Siemens und die Kaeser-Ära: Warum Abspaltungen heute als Fehler gelten

15/08/2026
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© 2026 picture alliance

Joe kaeser steht im Zentrum einer der wichtigsten Debatten der deutschen Industriewirtschaft. Die jüngste Kritik des Siemens-Gesamtbetriebsrats an den unter seiner Führung vollzogenen Konzernspaltungen wirft fundamentale Fragen auf: War der radikale Umbau wirklich der richtige Weg? Und was bedeutet das für die Zukunft von Siemens als technologischem Schwergewicht?

Die Arbeitnehmervertretung zieht Bilanz

Tobias Bäumler, Vorsitzender des Siemens-Gesamtbetriebsrats, hat in einem Interview mit „WELT AM SONNTAG” ein klares Urteil gefällt: Die Abspaltungen von Siemens Healthineers und Siemens Energy seien aus Sicht der Arbeitnehmervertreter ein Fehler gewesen. Beide Unternehmen hätten sich hervorragend entwickelt, und mit ihnen wäre Siemens heute noch wertvoller.

Diese Aussage ist bemerkenswert, weil sie nicht nur eine persönliche Meinung darstellt, sondern die kollektive Einschätzung der Belegschaft widerspiegelt. Der Betriebsrat hatte den Umbau unter joe kaeser damals aktiv bekämpft – und sieht sich nun in seinen Warnungen bestätigt.

Der historische Kontext: Was geschah zwischen 2018 und 2020?

Zwischen 2018 und 2020 vollzog Siemens unter der Führung von joe kaeser eine der radikalsten Transformationen in seiner Unternehmensgeschichte. Die traditionsreiche Energiesparte wurde abgespalten, ebenso das Medizintechnikgeschäft. Zurück blieb ein fokussierterer Konzern, der sich auf Digitalisierung, Automatisierung und Infrastruktur konzentrieren sollte.

Die Logik dahinter war klassisch: Durch die Aufspaltung sollten die einzelnen Einheiten agiler werden, bessere Bewertungen am Kapitalmarkt erzielen und sich strategisch unabhängiger entwickeln. Doch genau diese Annahme wird heute infrage gestellt.

Die paradoxe Entwicklung der abgespaltenen Konzerne

Siemens Energy hat sich nach einer zwischenzeitlich schweren Krise eindrucksvoll erholt und zählt inzwischen zu den auffälligen Gewinnern im DAX. Siemens Healthineers hat sich als eigenständiger Medizintechnikkonzern ebenfalls etabliert und zeigt kontinuierliches Wachstum.

Das Problem aus Sicht des Betriebsrats: Beide Unternehmen wären innerhalb des Siemens-Verbunds noch wertvoller gewesen. Die Synergieeffekte, die durch die Zusammenlegung entstanden wären, wurden nicht realisiert. Stattdessen operieren drei separate Konzerne, die zwar jeweils erfolgreich sind, aber gemeinsam weniger Wert schöpfen als ein integrierter Konzern.

Die Ironie der Personalien

Besonders bemerkenswert ist die aktuelle Rolle von joe kaeser. Der ehemalige Siemens-CEO ist heute Aufsichtsratschef bei Siemens Energy – also genau bei jenem Unternehmen, das er seinerzeit abgespalten hat. Diese Konstellation führt zu einer gewissen Ironie: Der Architekt der Abspaltung überwacht nun den Erfolg des abgespaltenen Teils.

Diese Personalie wird in der deutschen Wirtschaftswelt aufmerksam beobachtet. Kritiker werfen joe kaeser vor, durch den Wechsel in den Aufsichtsrat eine gewisse Distanz zur ursprünglichen Entscheidung geschaffen zu haben. Die sogenannte joe kaeser brandmauer – also die Trennung zwischen seiner damaligen CEO-Rolle und seiner heutigen Aufsichtsratsfunktion – wird in Fachkreisen diskutiert.

Der neue Kurs unter Roland Busch

Im Gegensatz zu joe kaeser erhält der aktuelle Siemens-CEO Roland Busch Lob vom Betriebsrat. Tobias Bäumler spricht von einem Paradigmenwechsel: weg von reiner Margenoptimierung durch Spaltung, hin zu Technologie und Integration.

Unter Busch setzt Siemens auf das „ONE Tech Company”-Programm, das die verschiedenen Sparten enger verzahnen soll. Die jüngsten Quartalszahlen bestätigen diesen Ansatz: Der operative Gewinn stieg um 25 Prozent, die Marge kletterte auf 17,3 Prozent. Besonders das Geschäft mit Rechenzentren boomt – neun der zehn größten Hyperscaler arbeiten mit Siemens zusammen.

Warum die Kritik jetzt kommt

Die aktuelle Kritik des Betriebsrats ist kein Zufall. Sie fällt in eine Zeit, in der Siemens Energy und Siemens Healthineers ihre Stärke beweisen – und gleichzeitig Siemens selbst unter Busch erfolgreich ist. Die Frage drängt sich auf: Was wäre gewesen, wenn alle drei Unternehmen zusammengeblieben wären?

Experten schätzen, dass ein integrierter Siemens-Konzern heute eine noch stärkere Marktposition hätte. Die Kombination aus Energie, Medizintechnik und Automatisierung wäre einzigartig gewesen. Stattdessen konkurrieren die Unternehmen teilweise sogar um dieselben Talente und Ressourcen.

Die persönliche Dimension: Familie und Öffentlichkeit

Während die strategische Debatte tobt, bleibt die persönliche Seite von joe kaeser weitgehend im Hintergrund. Über seine joe kaeser ehefrau oder seine joe kaeser tochter ist öffentlich wenig bekannt – der ehemalige CEO hat sein Privatleben stets konsequent geschützt.

Diese Diskretion steht im Kontrast zu der öffentlichen Aufmerksamkeit, die seine unternehmerischen Entscheidungen erhalten. Die Abspaltungen waren nicht nur strategische Weichenstellungen, sondern prägten auch die Wahrnehmung von joe kaeser als Manager.

Die langfristigen Implikationen für die deutsche Industrie

Die Siemens-Debatte hat weitreichende Bedeutung für die gesamte deutsche Industrielandschaft. Viele Konzerne stehen vor ähnlichen Fragen: Fokus versus Diversifikation, Spaltung versus Integration.

Die aktuelle Entwicklung legt nahe, dass die reine Margenoptimierung durch Abspaltungen nicht immer der richtige Weg ist. Technologie und Innovation erfordern oft breitere Plattformen und cross-sektorale Synergien.

Was die Zukunft bringt

Siemens unter Roland Busch scheint den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Die Betonung liegt auf Technologie, nicht auf finanzieller Optimierung. Die jüngsten Investitionen in US-Werke für Rechenzentrumstechnik und die Fokussierung auf industrielle KI zeigen, dass der Konzern langfristig denkt.

Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob Siemens Energy und Siemens Healthineers dauerhaft eigenständig bleiben werden. Gerüchte über weitere Abspaltungen innerhalb von Siemens Energy kursieren bereits. Der Aufsichtsrat unter joe kaeser prüft reportedly die Trennung von Kompressoren und Dampfturbinen.

Fazit: Eine Lehre für die Zukunft

Die Kritik des Betriebsrats an den unter joe kaeser vollzogenen Abspaltungen ist mehr als nur Rückblick. Sie ist eine Warnung für andere Konzerne, die ähnliche Schritte erwägen.

Die Erfahrung von Siemens zeigt: Kurzfristige Margenverbesserungen durch Spaltungen können langfristig wertvernichtend sein. Echte Wertschöpfung entsteht durch Integration, Technologie und langfristiges Denken – nicht durch finanzielle Optimierung.

Ob joe kaeser diese Kritik kommentieren wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte um seine Strategie wird die deutsche Unternehmensführung noch lange beschäftigen.

Quellen

„Die unter Herrn Kaeser vollzogenen Abspaltungen sind ein Fehler gewesen“
KI beflügelt Siemens – Boom bei Rechenzentren hält an

Lea Hoffmann

Lea Hoffmann

Ich bin Lea Hoffmann, leidenschaftliche Redakteurin bei Investorbit.de. Mit Begeisterung verfolge ich täglich die spannendsten Wirtschaftstrends. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich und frisch zu präsentieren. Ich liebe es, Leserinnen und Leser mit aktuellen News zu begeistern!

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