Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat eindringlich vor einer Dauerstagnation der deutschen Wirtschaft gewarnt. In mehreren Interviews betonte Fuest, dass die Bundesrepublik ihre wirtschaftliche Dynamik verloren habe und zunehmend hinter anderen Industriestaaten zurückfalle. Die aktuellen Wachstumsraten liegen auf einem niedrigen Niveau, und die Aussicht auf eine baldige Erholung bleibt verhalten.
Fuest sieht die Gründe vor allem in einer Kombination aus zu hoher Bürokratie, wachsender Steuer- und Abgabenlast, schwachen Investitionsanreizen und einer schleppenden Digitalisierung. Auch der demografische Wandel und der Fachkräftemangel verschärfen laut ihm die strukturellen Probleme.
Reformen statt Krisenmanagement gefordert
„Wir brauchen keine neuen Schuldenprogramme, sondern strukturelle Reformen, die Produktivität und private Investitionen stärken“, sagte Fuest in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er plädiert für eine Reform des Steuersystems, den Abbau administrativer Hürden und schnellere Genehmigungsverfahren, um Unternehmen wieder wettbewerbsfähig zu machen.
Vor allem im internationalen Vergleich schneidet Deutschland derzeit schlecht ab. Während die USA und asiatische Märkte von Innovation und Wachstumsimpulsen profitieren, stehe Deutschland still. Ohne Kursänderung drohe ein schleichender wirtschaftlicher Abstieg.
Ausblick: Ein Jahrzehnt der Weichenstellung
Experten des Ifo-Instituts sehen die kommenden Jahre als entscheidend für Deutschlands Zukunft. Sollte es nicht gelingen, die strukturellen Bremsen zu lösen, könnte die Bundesrepublik in ein „verlorenes Jahrzehnt“ schlittern. Fuest betont daher: „Es ist Zeit, das Land neu aufzustellen – ökonomisch, technologisch und politisch.“
Quellen
Drohende Dauerkrise: Ifo-Präsident Fuest schlägt Alarm für Deutschland
Fuest mahnt Reformen an: Ifo-Institut sieht Deutschland in Wachstumsfalle