Europa strebt seit Jahren danach, seine technologische Souveränität zu sichern – insbesondere in der Halbleiterindustrie. Doch ausgerechnet im zentralen Bereich der Chipproduktion zeigt sich, wie verletzlich der Kontinent noch immer ist. Der Verkauf des niederländischen Chipherstellers Nexperia an einen chinesischen Milliardär hat diese Schwachstellen offengelegt und sorgt nun für Unruhe in europäischen Regierungskreisen.
Umstrittener Besitzer mit undurchsichtiger Vergangenheit
Nexperia, ursprünglich eine Ausgründung von Philips, wurde 2019 durch den chinesischen Investor Wingtech Technology übernommen. Im Hintergrund steht ein Milliardär, dessen wirtschaftliche Beziehungen und politische Kontakte mittlerweile auch europäische Sicherheitsbehörden beschäftigen. Seine Vergangenheit ist von mangelnder Transparenz geprägt – insbesondere im Hinblick auf staatliche Einflussnahme aus China.
Diese Nähe zu staatlichen Strukturen in Peking hat dazu geführt, dass Nexperia längst nicht mehr nur als Industriestandort, sondern auch als geopolitisches Risiko betrachtet wird. Teile der Produktion in Deutschland liefern essenzielle Chips für Automobilindustrie, Maschinenbau und Energietechnik – Schlüsselbranchen, die ohne diese Bauteile stillstehen würden.
Warnungen aus Berlin und Brüssel
Deutsche und europäische Entscheidungsträger warnen seit Monaten, dass der Einfluss ausländischer Akteure auf kritische Infrastruktur zunehme. Das Bundeswirtschaftsministerium prüft derzeit, ob Nexperia dem Außenwirtschaftsgesetz unterliegt und staatliche Eingriffe gerechtfertigt wären, sollte sich die Abhängigkeit als gefährlich erweisen.
Auch auf EU-Ebene wird inzwischen offen über eine Restrukturierung der Halbleiter-Lieferketten diskutiert. Die Europäische Kommission will Programme wie den „European Chips Act“ nutzen, um heimische Produktionskapazitäten zu stärken und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Eine Lehre für Europas Industriepolitik
Der Fall Nexperia zeigt, wie riskant wirtschaftliche Offenheit ohne strategische Kontrolle sein kann. Während Europa seine Chipproduktion ausbauen will, gilt der Einfluss chinesischer Investoren als wachsende Herausforderung. Experten betonen, dass künftig Investitionen stärker geprüft und sicherheitsrelevante Technologien gezielter geschützt werden müssen.
Quellen
Der Konzern, der die halbe deutsche Wirtschaft lahmlegen könnte – spiegel.de