In Ostdeutschland hat ein australischer Investor die Kontrolle über mehr als 20.000 Hektar Agrarfläche übernommen. Die Deutsche Agrar Holding (DAH) wurde von dem australischen Fonds Igneo Infrastructure Partners für 300 Millionen Euro gekauft, eine Transaktion, die in der Öffentlichkeit und von Landwirten kontrovers diskutiert wird. Die DAH war zuvor 2016 für 5 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse der KTG Agrar erworben worden. Die Übernahme stellt den bislang größten sogenannten Share Deal in Deutschland dar, bei dem nicht einzelne Flächen, sondern Unternehmensanteile übertragen werden, womit Steuern umgangen werden können.
Kritik und Sorgen der Landwirte und Politik
Bauern und politische Vertreter, insbesondere die Linke in Sachsen-Anhalt, äußern scharfe Kritik an dem Verkauf. Sie fürchten eine zunehmende Konzentration von Agrarflächen in den Händen großer, ausländischer Investoren, welche die Machtverhältnisse auf dem Bodenmarkt destabilisieren könnten. Es wird befürchtet, dass dadurch Gewinne langfristig ins Ausland abfließen und regionale landwirtschaftliche Betriebe benachteiligt werden. Zudem wird der Umgang mit Share Deals infrage gestellt, da diese oft die Grunderwerbsteuer umgehen und spekulative Investitionen fördern.
Rechtliche und politische Rahmenbedingungen
Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium hat den Deal geprüft und genehmigt, ohne Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit. Allerdings sind Details zum Prüfverfahren weitgehend vertraulich. Politiker verschiedener Bundesländer fordern strengere gesetzliche Regulierungen gegen derartige Anteilskäufe („Share Deals“) und Spekulationen am Bodenmarkt. Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen, Sachsen und Brandenburg arbeiten an Gesetzesinitiativen, um die Kontrolle über den Bodenmarkt zu verbessern und den Ausverkauf von Agrarflächen einzudämmen.
Bedeutung für den Agrarsektor und die Zukunft
Der Verkauf an den australischen Fonds wird als Indikator gewertet, dass die Agrarpolitik in Deutschland die Kontrolle über den landwirtschaftlichen Bodenmarkt weitgehend verloren hat. Die Flächen, die von Großinvestoren gehalten werden, wachsen schneller als die durch regionale Landwirte bewirtschafteten Flächen. Dies führt zu steigenden Kauf- und Pachtpreisen, die für kleine und mittlere Betriebe kaum noch zu stemmen sind. Die Herausforderung bleibt, wie der Bodenschutz und eine faire Flächenverteilung in Deutschland dauerhaft gewährleistet werden können.
Quellen
Ärger über Ausverkauf großer Agrarflächen an australischen Investor
Kritik an Anteilskauf großer Agrarflächen in Ostdeutschland


