Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte jüngst, dass die Ukraine „nur noch etwa zehn Prozent“ von einem möglichen Friedensabkommen mit Russland entfernt sei. Seine Aussagen fielen in einem Interview mit mehreren europäischen Medien, in dem Selenskyj erstmals seit Monaten vorsichtigen Optimismus erkennen ließ. Nach seinen Worten seien zahlreiche Streitpunkte bereits ausgeräumt, während die verbleibenden Fragen komplex, aber lösbar seien.
Selenskyj betonte, dass Kiew weiterhin auf einen gerechten Frieden setze, der die territoriale Integrität und die internationale Sicherheitsordnung respektiere. Eine Kapitulation oder ein „Frieden um jeden Preis“ schloss er erneut aus.
Hintergrund: Diplomatische Initiativen und internationale Vermittler
Seit Spätsommer 2025 haben diplomatische Aktivitäten zwischen Kiew, Moskau und mehreren Vermittlern deutlich zugenommen. Vor allem China, die Türkei und die Schweiz spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch die EU und die USA unterstützen die laufenden Gespräche indirekt durch Sicherheitsgarantien und humanitäre Hilfsangebote.
Laut Berichten in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und auf BBC News werden insbesondere Fragen der Grenzziehung, der Sicherheitszonen und der Reintegrationsprogramme für besetzte Gebiete weiterhin intensiv verhandelt.
Internationale Reaktionen
In westlichen Hauptstädten wurde Selenskyjs Aussage mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem „ermutigenden Signal“, während Washington betonte, der Frieden müsse auf dem Völkerrecht basieren.
Russland hingegen reagierte zurückhaltend. Sprecher des Kremls erklärten, dass Fortschritte möglich seien, solange die ukrainische Seite „Realitätssinn“ zeige. Internationale Beobachter sehen diese Formulierung als Hinweis auf weiter bestehende Differenzen über Gebiets- und Sicherheitsfragen.
Öffentliche Meinung und soziale Medien
Auf ukrainischen und internationalen sozialen Plattformen dominierten gemischte Reaktionen. Während viele Nutzer Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges äußerten, warnten andere vor übertriebenem Optimismus. Twitter‑Beiträge unter dem Hashtag #PeaceForUkraine zeigten deutlich, dass die Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung wächst.
Laut einer Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS) befürworten rund 68 Prozent der Ukrainer Verhandlungen, sofern diese nicht mit territorialen Zugeständnissen verbunden sind.
Ausblick
Noch ist offen, ob die verbliebenen „zehn Prozent“ tatsächlich den Weg zum Frieden ebnen oder weiter Jahre intensiver Verhandlungen erfordern. Dennoch markiert Selenskyjs optimistische Einschätzung einen bemerkenswerten Wendepunkt in der ukrainischen Staatrhetorik – und möglicherweise den Beginn einer neuen diplomatischen Phase im Krieg, der Europa seit 2022 erschüttert.
Quellen
Friedenshoffnung wächst: Selenskyj spricht von letzten „zehn Prozent
Ukraine vor Einigung: Selenskyj rechnet mit baldigem Friedensabschluss