In Syrien hat sich die Lage seit dem Sturz von Baschar al‑Assad im Dezember 2024 deutlich verändert – doch echte Sicherheit ist für viele Menschen weiterhin ungewiss. Die neue Übergangsregierung in Damaskus ringt mit inneren Spannungen, regionalen Einflussmächten und der Gefahr eines erneuten Bürgerkriegs, während die internationale Gemeinschaft versucht, humanitäre Hilfe und politische Lösungen voranzutreiben. Syrien bleibt damit 2026 einer der sensibelsten Brennpunkte im Mittleren Osten.
Neue Regierung, alte Spannungen
Nach dem Sturz Assads hat die von Ahmed al‑Scharaa geführte Übergangsregierung formell die Kontrolle über weite Landesteile übernommen und verspricht Reformen, Wiederaufbau und Stabilität. In der Praxis bleibt die Machtposition jedoch brüchig: Milizen, ausländische Akteure und die kurdische Autonomieregierung im Nordosten wehren sich gegen eine vollständige Zentralsteuerung aus Damaskus.
Die Lage in Syrien wird vom Auswärtigen Amt als „volatil“ beschrieben – die Sicherheits‑ und politische Lage habe sich nur leicht verbessert, sei aber weiterhin von heftigen Eskalationen und regionalen Rivalitäten geprägt. Politische Verhandlungen zwischen Regierung und kurdischen Kräften scheitern immer wieder an Fragen der Kontrolle über Gebiete, Sicherheitsstrukturen und das Camp Al‑Hol.
Kurden und Waffenstillstand
Im Nordosten Syriens haben die syrischen Regierungstruppen und die kurdischen Streitkräfte (SDF) im Januar 2026 einen umfassenden Waffenstillstand vereinbart, nachdem Wochen intensiver Kämpfe zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen hatten. Zentrale Streitpunkte waren die Eingliederung der SDF in die staatlichen Streitkräfte sowie das Schicksal von kurdisch verwalteten Gebieten und das Gefangenenlager Al‑Hol.
Experten sehen die Waffenruhe zwar als „eine gewisse Chance“, warnen aber vor Rückschlägen: Die Regierung behauptet, die SDF habe die Flucht mutmaßlicher IS‑Kämpfer aus Al‑Hol ermöglicht, während die Kurden befürchten, ihre Selbstverwaltung und westliche Unterstützung zu verlieren. Sollte die Abstimmung scheitern, droht in Syrien ein neuer, breit angelegter Konflikt zwischen Regierung, Kurden und Milizen.
Terror und sicherheitspolitische Unsicherheit
Parallel zum schwankenden Waffenstillstand verschärft sich die Bedrohung durch den „Islamischen Staat“ (IS), der im Februar 2026 eine „neue Phase“ seiner Operationen in Syrien ausrief. Die Terrormiliz hat mehrere Anschläge gegen Regierungssoldaten und Kontrollpunkte in der Region um Raqqa und Mayadin verübt und versucht, die Kontrolle über geschwächte Gefangenenlager wie Al‑Hol zu nutzen.
Der Rückzug der USA aus einigen Stützpunkten im Nordosten öffnet nach Einschätzung von Diplomaten und Sicherheitsexperten einerseits Räume für neue Angriffe, andererseits unterstreicht er, dass die Sicherheitslage in Syrien weiterhin als kritisch und leicht veränderbar gilt. Die internationale Gemeinschaft diskutiert derzeit, wie militärische und humanitäre Unterstützung kombiniert werden können, um Stabilisierung und Aufbau in Syrien zu fördern.
Humanitäre Notlage und internationale Hilfe
Mehr als zehn Jahre Krieg und die jüngsten Kämpfe haben die humanitäre Lage in Syrien weiter verschlechtert. Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, Zahlreiche Flüchtlinge und Binnenvertriebene fehlen Zugang zu Nahrung, Gesundheitsversorgung und sicheren Unterkünften. Die deutsche Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan forderte im Januar 2026 einen verlässlichen Waffenstillstand und mehr internationale Unterstützung, um Syrien vor einem erneuten Abgleiten in den Bürgerkrieg zu bewahren.
Das Auswärtige Amt betont zugleich, dass die Situation in Syrien nur langsam besser wird und Abschiebungen deutscher Asylbewerber aus Syrien weiterhin heikel bleiben. Humanitätsorganisationen und UN‑Behörden warnen, dass jede neue Eskalation in Syrien die ohnehin fragile Infrastruktur und die ohnehin zerbrechliche Gesellschaft weiter schwächen würde.
Ausblick: Hoffnung und Risiko
Für Syrien 2026 zeichnet sich ein Bild zwischen vorsichtiger Hoffnung und konkreter Gefahr ab. Die neue Regierung in Damaskus versucht, die Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet zu festigen, während Kurden, Milizen und Terrorgruppen weiterhin eigene Machtprojekte verfolgen. Die Europäische Union und internationale Akteure ringen um eine Balance zwischen politischer Stabilisierung, sicherheitspolitischer Risikominimierung und humanitärer Unterstützung.
Syrien bleibt damit ein Land im Übergang – mit der Chance auf einen Neustart, aber auch mit der realen Gefahr, dass neue Konflikte alte Wunden wieder aufreißen. Die nächsten Monate werden entscheiden, ob Syrien einen nachhaltigen Weg weg vom Krieg hin zu Staatlichkeit und Sicherheit findet.
Quellen
Einigung zwischen Kurden und Regierung in Syrien
Syrienzwischen Waffenruhe und drohendem Krieg