Trotz vereinzelter diplomatischer Fortschritte bleibt die humanitäre Lage in Syrien prekär. Laut Berichten der Vereinten Nationen (UN) benötigen derzeit mehr als 16 Millionen Menschen humanitäre Hilfe – ein Rekordwert seit Beginn des Konflikts im Jahr 2011. Viele Regionen leiden weiterhin unter zerstörter Infrastruktur, eingeschränkter medizinischer Versorgung und mangelnder Ernährungssicherheit.
Beispielsweise meldet das Welternährungsprogramm (WFP), dass über 12 Millionen Syrer unter Ernährungsunsicherheit leiden. Der Zugang zu sauberem Wasser und Strom bleibt in weiten Teilen des Landes massiv eingeschränkt.
Politisch kaum Fortschritte
Auf diplomatischer Ebene zeigen sich nur geringfügige Verbesserungen. Zwar haben einige arabische Länder – etwa Saudi-Arabien und Jordanien – die Gesprächskanäle mit Damaskus wieder geöffnet, doch eine umfassende politische Lösung bleibt aus. Die Genfer Friedensgespräche stagnieren seit Jahren, während die UNO-Sondergesandten wiederholt zu einer verfassungsgebenden Versammlung aufrufen.
Internationale Beobachter sehen die Machtverhältnisse weiterhin fest in den Händen von Präsident Bashar al-Assad und seinen Unterstützern Russland und Iran. Westliche Staaten halten an Sanktionen fest, wodurch wirtschaftliche Erholung kaum möglich ist.
Wirtschaftliche Krise und Abwanderung
Die syrische Wirtschaft steckt nach wie vor in einer tiefen Krise. Die syrische Lira hat erneut stark an Wert verloren, wodurch Lebenshaltungskosten explodiert sind. Laut dem Syrischen Netzwerk für Menschenrechte (SNHR) sind zehntausende Familien unterhalb der Armutsgrenze angekommen.
Die Folge: Viele Menschen sehen keine Perspektive und versuchen, das Land Richtung Libanon, Türkei oder Europa zu verlassen. Flüchtlingsorganisationen warnen vor einer „verlorenen Generation“, insbesondere unter Jugendlichen, die ohne Bildung und Arbeit aufwachsen.
Internationale Hilfe bleibt entscheidend
Hilfsorganisationen wie UNICEF, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) betonen, dass ausbleibende internationale Unterstützung dramatische Folgen hätte. Ohne ausreichende Finanzierung drohen Programme zur Nahrungsmittelhilfe und Gesundheitsversorgung eingestellt zu werden.
Eine UN-Sprecherin erklärte jüngst in Genf, die Lage habe sich „nur leicht verbessert“, eine nachhaltige Entspannung sei aber „nicht in Sicht“.
Quellen
Nach Tagen der Kämpfe: Feuerpause in Aleppo nur von kurzer Dauer
Syrien: Gespräche zwischen Regierung und Kurden gescheitert