Die Bundesregierung hat den russischen Botschafter in Berlin einbestellt, nachdem deutsche Sicherheitsbehörden Hinweise auf einen schwerwiegenden Cyberangriff auf Regierungsstellen und eine koordinierte Desinformationskampagne festgestellt haben. Nach Angaben des Auswärtigen Amts richtete sich der digitale Angriff gegen Abgeordnetenbüros des Bundestags sowie gegen Parteizentralen.
Laut Berichten aus Regierungskreisen ging die Attacke auf die Hackergruppe „APT28“ zurück, die seit Jahren mit russischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht wird. Die Gruppe wird verdächtigt, bereits 2015 hinter dem Angriff auf den Bundestag gesteckt zu haben.
Scharfe Reaktion aus Berlin
Außenministerin Annalena Baerbock sprach von einem „gezielten Angriff auf die demokratische Willensbildung in Deutschland“ und verurteilte die Desinformationsaktivitäten scharf. Die Einbestellung des Botschafters sei ein „unmissverständliches Signal“, dass solche Angriffe auf die politische Stabilität Europas nicht toleriert werden.
Auch Innenministerin Nancy Faeser betonte, man werde „alle notwendigen Maßnahmen“ ergreifen, um die IT-Sicherheit von Regierung und Parteien zu stärken.
Moskau weist Vorwürfe zurück
Die russische Botschaft in Berlin wies die Anschuldigungen als „haltlos und politisch motiviert“ zurück. In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, Deutschland betreibe „eine Kampagne zur Diskreditierung Russlands“, um von innenpolitischen Problemen abzulenken.
Russische Staatsmedien verbreiteten unterdessen Inhalte, die die Vorwürfe relativierten oder ins Gegenteil verkehrten – ein Vorgehen, das Experten als typisches Muster staatlich gesteuerter Informationsoperationen bezeichnen.
Europäische Solidarität und mögliche Konsequenzen
Mehrere EU-Staaten und NATO-Partner stellten sich hinter Berlin. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell kündigte eine gemeinsame Untersuchung an und warnte Russland vor weiteren „destabilisierenden Handlungen im digitalen Raum“. In Brüssel wird derzeit über gezielte Sanktionen gegen Personen und Organisationen beraten, die mit dem Angriff in Verbindung stehen sollen.
Quellen
Nach Cyberattacke und Fake-News-Kampagne: Deutschland fordert Aufklärung von Russland
Bundesregierung wirft Russland Einmischung vor – Diplomatischer Protest in Berlin


