Vor sieben Jahren wurden zwei Journalisten während einer Recherche in Ostdeutschland von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen und schwer verletzt. Die Täter schlugen und traten auf die Männer ein, zerstörten ihre Kameraausrüstung und bedrohten sie anschließend. Der Fall sorgte bundesweit für Empörung, da er beispielhaft zeigte, wie gefährlich Berichterstattung über rechtsextreme Strukturen geworden ist.
Erstes Urteil als zu milde kritisiert
Im ersten Verfahren vor dem Landgericht Dresden wurden die Angeklagten im Jahr 2020 zu vergleichsweise milden Freiheitsstrafen verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Journalistengewerkschaften und Pressevereinigungen bezeichneten das Urteil als „fatales Signal“ an die Pressefreiheit. Auch Menschenrechtsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen kritisierten das Strafmaß als unangemessen.
Bundesgerichtshof hebt Urteil auf
Im Sommer 2024 entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass das ursprüngliche Urteil rechtsfehlerhaft sei. Die Richter bemängelten insbesondere, dass die politische Motivation der Täter nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Die Tat habe sich eindeutig gegen die freie Presse gerichtet und müsse daher als Angriff auf die Meinungsfreiheit gewertet werden.
Neue Hauptverhandlung gestartet
Nun wird der Fall vor einem anderen Strafsenat neu verhandelt. Dabei stehen nicht nur die Tat an sich, sondern auch die gesellschaftlichen Folgen von Gewalt gegen Medienschaffende im Fokus. Beobachter erwarten, dass das Gericht diesmal ein deutlich härteres Strafmaß verhängen könnte. Vertreter der Presselandschaft hoffen auf ein Urteil, das den Schutz journalistischer Arbeit stärkt.
Symbol für den Zustand der Pressefreiheit in Deutschland
Der Fall gilt als Gradmesser für den Umgang der Justiz mit Angriffen auf Medienschaffende. Besonders in Zeiten zunehmender Bedrohungen – ob auf Demonstrationen oder im Internet – steht der Rechtsstaat in der Pflicht, klare Grenzen zu ziehen. Eine gerechte Entscheidung könnte auch international als Zeichen für den Stellenwert der Pressefreiheit in Deutschland dienen.
Quellen
Gericht rollt Angriff auf Journalisten durch Rechtsextreme neu auf
Nach milder Strafe: Prozess gegen rechtsextreme Angreifer wieder aufgenommen

