Ulrich Siegmund, Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, ist auf den ersten Blick kein klassischer Vertreter des rechtsextremen Spektrums. Der 34-jährige gelernte Gesundheitsmanager gibt sich höflich, spricht ruhig, vermeidet offene Provokationen – und steht trotzdem für eine Partei, die vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird.
Hinter der glatten Fassade steckt eine klare politische Agenda: Siegmund fordert die sogenannte „Remigration“, ein Konzept, das auf die massenhafte Rückführung von Migrantinnen und Migranten zielt – auch solcher, die längst die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
Der gefährliche Aufstieg der AfD in Sachsen-Anhalt
Laut aktuellen Umfragen könnte die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals stärkste Kraft werden. Ein Szenario, das die demokratischen Parteien alarmiert, denn im Falle eines Wahlsiegs würde Siegmund Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten erheben.
Politikwissenschaftler wie Hajo Funke warnen vor einem „autoritären Kipppunkt“. Die Normalisierung rechter Rhetorik und der Versuch, völkisches Denken salonfähig zu machen, zeigten sich gerade in Ostdeutschland besonders deutlich.
„Remigration“ als politisches Programm
Der Begriff „Remigration“, ursprünglich ein Euphemismus aus der rechtsextremen Szene, steht inzwischen im Mittelpunkt der AfD-Kampagnen. Während Parteichefs Höcke und Chrupalla den Terminus offen benutzen, versucht Siegmund, ihn diskreter zu verpacken – als „geordnete Rückführungspolitik“.
Doch laut zahlreichen Beobachtern, darunter die Amadeu Antonio Stiftung, bleibt der Kern derselbe: Es geht um ethnische Homogenität und den Ausschluss von Minderheiten aus der Gesellschaft.
Zivilgesellschaftlicher Widerstand: Der NoAfD-Fonds
Organisationen wie Campact oder das Bündnis gegen Rechts verstärken ihre Gegenkampagnen. Mit dem NoAfD-Fonds etwa wird jeder gespendete Euro dazu verwendet, öffentliche Aufklärungskampagnen zu finanzieren – als direkte Antwort auf AfD-Wahlwerbung.
In den sozialen Medien finden solche Aktionen zunehmend Resonanz: Sie zeigen, dass demokratischer Widerstand nicht in Parlamentsdebatten endet, sondern auf der Straße beginnt.
Noch ist nichts entschieden
Auch wenn die Umfragen beunruhigend sind, steht eines fest: Die Wahl ist noch nicht gelaufen. Sachsen-Anhalt bleibt ein Prüfstein für die politische Zukunft Deutschlands. Ob sich demokratische Parteien und zivilgesellschaftliche Bewegungen behaupten können, wird auch davon abhängen, ob sie der AfD das Image des „bürgerlichen Protestes“ wieder entreißen.
Quellen
Ulrich Siegmund – Der freundliche Radikale der AfD
Zwischen Lächeln und Abgrund: Der charismatische AfD-Mann aus Sachsen-Anhalt