In der AfD-Bundestagsfraktion herrscht derzeit Unruhe. Laut übereinstimmenden Medienberichten kommt es seit Wochen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Abgeordneten, die dem eher gemäßigten Lager zugerechnet werden, und jenen, die sich klar am rechtsnationalen „Flügel“-Erbe orientieren. Streitpunkte sind strategische Entscheidungen, Personalfragen und der Umgang mit parteinahen Skandalen in den Ländern.
Interne Sitzungen sollen zuletzt hitzig verlaufen sein. Mehrere Abgeordnete kritisieren, die Parteiführung rund um Alice Weidel und Tino Chrupalla agiere zu zentralistisch und ignoriere abweichende Meinungen innerhalb der Fraktion.
Machtkämpfe und persönliche Rivalitäten
Neben programmatischen Differenzen spielen offenbar persönliche Rivalitäten eine zunehmende Rolle. So berichten Mitglieder, dass es in der Fraktion kaum noch Vertrauen gebe. Einzelne Abgeordnete sollen den Kurs der Fraktionsspitze als „autoritäres Führungsmodell“ bezeichnen. Auch die Kommunikation zur Parteizentrale in Berlin und den Landesverbänden gilt als zunehmend schwierig.
Das interne Misstrauen zeigt sich auch darin, dass einige Abgeordnete Kontakte zu konkurrierenden Flügeln außerhalb des Bundestags intensivieren – ein Hinweis auf mögliche künftige Machtverschiebungen.
Der Kursstreit: Opposition oder Radikalisierung?
Inhaltlich steht die Fraktion vor der strategischen Frage, ob sie im Bundestag stärker auf konstruktive Oppositionsarbeit setzen oder sich noch deutlicher als Protestbewegung positionieren will. Während manche auf parlamentarische Sachpolitik drängen, plädieren andere für eine Verschärfung der Rhetorik – insbesondere vor dem Hintergrund der Europawahl 2026 und zunehmender Überwachung durch den Verfassungsschutz.
Einige Beobachter sehen in der aktuellen Krise eine Folge der widersprüchlichen Doppelrolle der AfD: einerseits als institutionalisierte Partei mit Regierungsambitionen in ostdeutschen Ländern, andererseits als Bewegung mit fundamentaloppositionellem Anspruch.
Ausblick und mögliche Konsequenzen
Politikexperten erwarten, dass die Konflikte in der Bundestagsfraktion Auswirkungen auf die gesamte Partei haben könnten. Sollte sich die Fraktion weiter spalten, könnte dies die AfD bundesweit schwächen – insbesondere dort, wo sie in Umfragen bislang stabil zweistellige Werte erreicht. Ob die Parteispitze die internen Gräben überbrücken kann, hängt vom Ergebnis kommender Parteitage und den anstehenden Landeswahlen ab.
Quellen
Machtkampf in der AfD-Fraktion: Interne Spannungen spitzen sich zu
Zwischen Loyalität und Aufruhr: Die AfD-Bundestagsfraktion im Krisenmodus