Der ehemalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro wurde im Zusammenhang mit einem versuchten Putsch nach der Präsidentschaftswahl 2022 zu einer Haftstrafe von 27 Jahren und drei Monaten verurteilt. Seit August 2025 befindet er sich unter Hausarrest, nachdem das Oberste Gericht Brasiliens diese Maßnahme angeordnet hatte. Seine Anwälte haben nun beantragt, die Haftstrafe im Hausarrest zu verbüßen, statt im Gefängnis, und verweisen auf Bolsonaros stark geschwächte Gesundheit als Hauptgrund.
Gesundheitszustand und Begründung des Antrags
Bolsonaros Verteidiger führen an, dass sein Gesundheitszustand „tief geschwächt“ sei. So leidet er unter mehrfachen Erkrankungen, darunter Lungeninfektionen, Gastritis, Hautkrebs sowie anhaltende Schluckauf-Krisen. Ein Gefängnisaufenthalt würde somit ein „konkretes und unmittelbares Risiko für die körperliche Unversehrtheit und das eigene Leben“ darstellen. Als Präzedenzfall wird der frühere Präsident Fernando Collor de Mello genannt, der ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen seine Strafe in Hausarrest absitzen durfte.
Gerichtliche Entscheidungen und Hausarrestbedingungen
Das Oberste Gericht Brasiliens hatte bereits im August 2025 entschieden, Bolsonaro unter Hausarrest zu stellen. Die Besuchsmöglichkeiten sind auf Anwälte und enge Familienangehörige beschränkt, und eine elektronische Fußfessel wurde angeordnet. Zudem sind Mobiltelefone im Haushalt abzuliefern, um den Kontakt der Außenwelt stark einzuschränken. Diese Maßnahmen sollen auch einer möglichen Flucht entgegenwirken. Der Antrag auf Hausarrest statt Haft wurde bislang nicht entschieden.
Politische und gesellschaftliche Reaktionen
Die Entscheidung, Bolsonaro unter Hausarrest zu stellen, hat auch international Aufmerksamkeit erregt. Das US-Außenministerium kritisierte den maßgeblichen Richter Alexandre de Moraes und sah darin eine Einschränkung politischer Freiheiten. Gleichzeitig unterstützten zahlreiche Anhänger Bolsonaros Demonstrationen, in denen Amnestie für ihn gefordert wurde. Bolsonaro selbst bestreitet, im Zusammenhang mit dem versuchten Putsch falsch gehandelt zu haben.
Quellen
Die Verteidigung von Jair Bolsonaro fordert Vollzug der Haft im Hausarrest
Bolsonaros Anwälte beantragen Haftvollzug im Hausarrest