Am Wochenende kam es in Belgien zu ungewöhnlichen Drohnensichtungen über dem Kernkraftwerk Tihange in der Provinz Lüttich. Mehrere Augenzeugen sowie Mitarbeiter der Anlage berichteten, dass am späten Samstagabend mehrere unidentifizierte Flugobjekte mit blinkenden Lichtern über dem Gelände schwebten. Die belgische Atomaufsicht (AFCN) bestätigte den Vorfall und sprach von „potenziell sicherheitsrelevantem Luftraumverstoß“.
Nach Angaben der Polizei soll es sich um mindestens zwei Drohnen gehandelt haben, die über einen Zeitraum von rund zehn Minuten in der Nähe des Reaktorgebäudes beobachtet wurden. Die Fluggeräte verschwanden kurz darauf in Richtung Maas-Ufer. Eine sofort eingeleitete Suchaktion blieb zunächst ohne Ergebnis.
Ermittlungen durch Sicherheitsdienste
Das belgische Innenministerium ordnete eine umfassende Untersuchung an. Experten der militärischen Luftraumüberwachung, der föderalen Polizei sowie des Geheimdienstes koordinieren ihre Ermittlungen, um die Herkunft und das Motiv der Drohnenflüge zu klären. Der Betreiber Engie Electrabel betonte, dass zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung oder das Kraftwerk bestanden habe. Dennoch wurden die Sicherheitsprotokolle vorsorglich verschärft.
Die belgischen Behörden stehen nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit der französischen Atomaufsicht ASN und der EU-Agentur für die nukleare Sicherheit, da in den vergangenen Monaten auch über französischen Reaktoren mehrfach ähnliche Vorkommnisse registriert worden waren.
Sorge um kritische Infrastruktur
Der Vorfall hat erneut eine Debatte über den Schutz kritischer Infrastrukturen ausgelöst. Atomkraftwerke gelten als potenzielle Ziele für Spionage oder Sabotage. Sicherheitsanalysten warnen, dass Drohnen mit entsprechender Technik in der Lage sein könnten, Bild- und Wärmeaufnahmen von Anlagenkomponenten zu liefern oder sogar kleinere Schadensakte zu verüben.
Die Regierung in Brüssel kündigte an, bestehende Vorschriften für Flüge über sensible Anlagen zu überprüfen und gegebenenfalls den Einsatz von Drohnenabwehrsystemen zu erweitern. Ministerpräsident Alexander De Croo betonte, dass Belgien „jede Bedrohung der nuklearen Sicherheit äußerst ernst“ nehme.
Quellen
Drohnen über Kernkraftwerk in Belgien gesichtet – stern.de
Drohnen über Kernkraftwerk in Belgien gesichtet – merkur.de