Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer plant eine umfassende Verschärfung der Asylpolitik, die größte Reform seit Jahrzehnten. Die neue Politik orientiert sich am dänischen Modell und reagiert auf die stark gestiegenen Zahlen von Asylanträgen und den politischen Druck, die Migration streng zu kontrollieren.
Hintergrund und aktuelle Lage
In den zwölf Monaten bis März 2025 wurden im Vereinigten Königreich über 109.000 Asylanträge gestellt – ein Rekordwert und ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig verliert die regierende Labour-Partei deutlich an Zustimmung zugunsten migrationskritischer Parteien, was die Regierung zum Handeln zwingt. Innenministerin Shabana Mahmood weist darauf hin, dass die derzeitige Großzügigkeit der Asylpolitik illegale Migration über den Ärmelkanal anziehe und die Gemeinden vor immense Herausforderungen stelle.
Kernpunkte der geplanten Reformen
- Verkürzung des Flüchtlingsstatus von bisher fünf auf zweieinhalb Jahre, verbunden mit regelmäßigen Überprüfungen. Flüchtlinge sollen zurückgeführt werden, sobald ihre Herkunftsländer als sicher gelten.
- Verlängerung der Wartezeit für die Beantragung eines dauerhaften Aufenthalts von fünf auf 20 Jahre nach Erteilung des Flüchtlingsstatus.
- Abschaffung des sogenannten “Goldenen Passes” für Asylsuchende, der einen schnellen Weg zur unbefristeten Aufenthaltserlaubnis ermöglichte.
- Wegfall der automatischen Unterstützungsleistungen wie Wohnraum und Geld für Asylbewerber. Hilfen sollen nur noch nach Ermessen der Behörden gewährt werden, etwa wenn Bedürftigkeit besteht oder keine Straftaten begangen wurden.
- Erschwerter Familiennachzug und erleichterte Abschiebungen.
Orientierung am dänischen Vorbild
Die Reformen lehnen sich stark an Dänemark an, das eines der strengsten Asylsysteme in Europa hat. Dort gilt eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, und Rückführungen erfolgen, sobald das Herkunftsland als sicher eingestuft wird. Außerdem erlaubt Dänemark die Beschlagnahmung von Wertgegenständen von Asylbewerbern zur Deckung ihrer Unterhaltskosten.
Kritik und Debatten
Menschenrechtsorganisationen und der britische Flüchtlingsrat kritisieren die geplanten Maßnahmen scharf. Über 100 Wohltätigkeits- und Menschenrechtsvereine forderten die Regierung auf, von der Verschärfung Abstand zu nehmen und keine Sündenbockpolitik zu betreiben. Sie betonen, dass Flüchtlinge meist aus familiären Gründen und wegen Integrationsmöglichkeiten nach Großbritannien kommen, nicht wegen eines Vergleichen der Asylsysteme.
Fazit
Mit der angekündigten Reform verfolgt die britische Regierung das Ziel, illegale Migration zu reduzieren und den Druck auf lokale Gemeinden zu mindern. Die geplanten drastischen Einschnitte lösen jedoch breite Kritik aus und werfen Fragen nach der Vereinbarkeit mit Menschenrechten und dem Schutz von Flüchtlingen auf.
Quellen
Britische Regierung will Asylpolitik drastisch verschärfen
Grossbritannien plant deutliche Asyl-Verschärfungen


