Ein Signal an Moskau: Warum der Westen jetzt über hybride Gegenmaßnahmen nachdenken muss

02/10/2026
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© 2026 Frank Hoermann

Carlo Masala steht mit einer klaren Botschaft im Rampenlicht: Der Westen darf russische Hybridangriffe nicht länger hinnehmen, ohne Konsequenzen anzudrohen. Der Politikwissenschaftler und Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München fordert, Moskau unmissverständlich zu zeigen, dass auch Europa und seine Partner zu einem hybriden Gegenschlag fähig sind. Diese Position markiert einen wichtigen Wendepunkt in der sicherheitspolitischen Debatte – weg von rein defensiver Resilienz, hin zu einer glaubwürdigen Abschreckung im Graubereich zwischen Krieg und Frieden.

Der Schattenkrieg ist längst Realität

Was Prof. Carlo Masala als „Schattenkrieg“ beschreibt, ist keine theoretische Zukunftsvision, sondern gelebte Gegenwart. Russland führt bereits einen verdeckten Konflikt gegen westliche Staaten – mit den Mitteln der Spionage, der Desinformation, der Cyberattacken und der Sabotage. Das Ziel ist dabei durchschaubar: Verunsicherung in der Bevölkerung erzeugen, politische Debatten vergiften und letztlich die Unterstützung für die Ukraine brüchig machen.

Intelligence-Berichte aus mehreren europäischen Ländern bestätigen diesen Trend. Die Zahl dokumentierter Sabotageakte ist seit 2024 deutlich gestiegen, und die Angriffe zielen zunehmend auf kritische Infrastruktur: Flughäfen, Bahnstrecken, Energieversorger und Logistikzentren. Diese Angriffe sind bewusst so gestaltet, dass sie sich schwer eindeutig zuordnen lassen – ein klassisches Merkmal hybrider Kriegsführung.

Warum Abschreckung auch im Hybridraum funktionieren muss

Die zentrale These von Carlo Masala lautet: Bleibt eine Reaktion des Westens aus, werden russische Aktionen immer risikofreudiger. Diese Logik folgt einem klassischen sicherheitspolitischen Prinzip – der Abschreckung durch glaubwürdige Kostenandrohung. Wenn Moskau merkt, dass hybride Angriffe keine Konsequenzen haben, sinkt die Hemmschwelle für weitere Eskalation.

Dabei denkt Prof. Carlo Masala nicht an militärische Vergeltungsschläge im klassischen Sinne. Sein Beispiel verweist auf ein Szenario, das Estland nach den Cyberangriffen von 2007 diskutiert hat: die temporäre Lahmlegung von Bargeldautomaten in Moskau und St. Petersburg durch koordinierte Cyberoperationen. Ein solches Signal wäre deutlich sichtbar, würde aber die Schwelle zum offenen Krieg nicht überschreiten.

Die estnische Lehre: Cyberresilienz als strategische Waffe

Die Cyberangriffe auf Estland im Jahr 2007 gelten als frühes Lehrstück moderner hybrider Kriegsführung. Damals wurden Regierungsseiten, Banken und Medien über Tage hinweg mit DDoS-Attacken überflutet. Die estnische Antwort war zweigleisig: massive Investitionen in Cyberabwehr und die Entwicklung eigener offensiver Cyberkapazitäten innerhalb der NATO-Strukturen.

Carlo Masala verweist auf dieses Beispiel, um zu zeigen: Hybride Abschreckung funktioniert nur, wenn der Gegner weiß, dass der Westen ebenfalls zum Gegenschlag fähig ist. Das bedeutet nicht, dass Europa jeden Angriff sofort erwidern muss. Aber es bedeutet, dass Moskau verstehen muss: Jede Eskalation hat einen Preis.

Horizontale Eskalation: Warum Deutschland im Fokus steht

Ein besonders wichtiger Aspekt in der Analyse von Prof. Carlo Masala ist das Konzept der „horizontalen Eskalation“. Russland attackiert vorrangig jene Staaten, die die Ukraine militärisch und finanziell unterstützen. Deutschland steht hier an vorderster Front – nicht nur wegen der umfangreichen Waffenlieferungen, sondern auch wegen seiner Rolle als logistischer Knotenpunkt für ukrainische Nachschublinien.

Die jüngsten Drohnenvorfälle an deutschen Flughäfen und die zunehmende Zahl von Sabotagemeldungen sind keine Zufälle. Sie sind Teil einer kalkulierte Strategie, die öffentliche Stimmung zu kippen und politischen Druck auf die Bundesregierung aufzubauen. Carlo Masala warnt davor, diese Gefahr zu unterschätzen – auch wenn ein direkter russischer Angriff auf NATO-Gebiet derzeit als unwahrscheinlich gilt.

Was eine glaubwürdige Hybridstrategie braucht

Die Forderung von Prof. Carlo Masala nach offensiven Hybridmitteln ist nur ein Teil einer umfassenderen Strategie. Experten fordern seit Monaten eine koordinierte europäische Antwort auf russische Hybridangriffe. Dazu gehören:

  • Gemeinsame Lagebilder: Europäische Geheimdienste müssen ihre Erkenntnisse schneller teilen, um Muster hybrider Angriffe frühzeitig zu erkennen.
  • Resilienz-Infrastruktur: Kritische Systeme müssen so aufgebaut sein, dass sie auch bei Angriffen funktionsfähig bleiben.
  • Klare Eskalationsleitlinien: Europa muss definieren, welche hybriden Angriffe welche Gegenmaßnahmen auslösen.
  • Öffentliche Kommunikation: Die Bevölkerung muss über hybride Bedrohungen aufgeklärt werden, ohne in Panik zu verfallen.

Die politische Dimension: Warum Europa zögert

Trotz der klaren Bedrohungslage tut sich Europa schwer mit einer einheitlichen Hybridstrategie. Die Gründe sind vielfältig: unterschiedliche nationale Interessen, rechtliche Unsicherheiten bei Cyber-Gegenmaßnahmen und die Angst vor unkontrollierter Eskalation. Carlo Masala macht deutlich: Dieses Zögern wird von Moskau als Schwäche interpretiert.

Ein weiterer Faktor ist die öffentliche Wahrnehmung. Hybride Angriffe sind oft unsichtbar oder werden als technische Pannen abgetan. Ohne klare politische Führung fehlt der Druck, tatsächlich zu handeln. Prof. Carlo Masala fordert daher eine offenere Debatte über die Realität des Schattenkriegs – nicht um Angst zu schüren, sondern um Handlungsfähigkeit herzustellen.

Zukunftsszenario: Ein neues Gleichgewicht im Graubereich

Die langfristige Implikation der Position von Carlo Masala ist weitreichend: Europa muss lernen, im Graubereich zwischen Krieg und Frieden zu operieren – mit klaren Regeln, aber auch mit der Fähigkeit zur gezielten Gegenaktion. Das bedeutet nicht, dass der Westen zum Aggressor wird. Es bedeutet, dass Abschreckung auch im Hybridraum funktionieren muss.

Prof. Carlo Masala betont dabei stets: Ein direkter russischer Angriff auf NATO-Territorium bleibt unwahrscheinlich, solange Moskau mit einer geschlossenen Antwort des Bündnisses rechnen muss. Die eigentliche Gefahr liegt in der schleichenden Erosion westlicher Handlungsfähigkeit durch permanente hybride Attacken.

Fazit: Zeit für strategische Klarheit

Die Warnungen von Carlo Masala sind kein Aufruf zum blinden Gegenschlag. Sie sind ein Appell an die politische Führung Europas, strategische Klarheit herzustellen. Hybride Kriegsführung ist kein Randphänomen – sie ist die dominante Konfliktform des 21. Jahrhunderts. Wer sie ignoriert, verliert ohne einen einzigen Schuss.

Prof. Carlo Masala hat mit seiner Forderung nach einem hybriden Signal an Moskau eine Debatte angestoßen, die längst überfällig war. Die Frage ist nicht, ob Europa sich wehren kann. Die Frage ist, ob es den politischen Willen hat, dies auch zu tun.

Quellen

„Man könnte das Signal an Moskau senden: Auch wir können einen hybriden Krieg führen“
Nicht im Krieg, aber Ziel von Angriffen

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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