Bundeskanzler Friedrich Merz ist Anfang der Woche zu einem offiziellen Besuch in Peking eingetroffen. Es ist seine erste Reise nach China seit seinem Amtsantritt. Nach Angaben der Bundesregierung steht die mehrtägige Visite im Zeichen von wirtschaftlicher Stabilität, globaler Sicherheit und dem Ausbau bilateraler Beziehungen zwischen Deutschland und China.
China gilt für Deutschland weiterhin als wichtiger Handelspartner, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Automobilindustrie und Energieversorgung. Laut dem Statistischen Bundesamt erreichte das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern im Jahr 2025 über 280 Milliarden Euro, womit China erneut Deutschlands größter Handelspartner außerhalb der EU blieb.
Gespräche mit Xi Jinping: Balance zwischen Wirtschaft und Politik
Bei seinem Treffen mit Staatschef Xi Jinping betonte Merz, dass Deutschland langfristig an einer „partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ interessiert sei, gleichzeitig aber auch faire Wettbewerbsbedingungen und Transparenz einfordere.
Xi wiederum hob hervor, dass China „eine stabile und verlässliche Partnerschaft mit Deutschland“ anstrebe, besonders im Hinblick auf Technologie, Energie und globalen Klimaschutz.
Beide Seiten betonten zudem die Notwendigkeit, die Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und den gegenseitigen Marktzugang zu verbessern – ein Thema, das auch europäische Unternehmen in China stark beschäftigt.
Wirtschaftliche Chancen und geopolitische Spannungen
Obwohl die wirtschaftliche Kooperation im Mittelpunkt steht, bleiben geopolitische Differenzen bestehen. Merz sprach laut Regierungssprechern auch kritische Punkte wie Chinas Rolle im Ukraine-Konflikt und die Menschenrechtslage in Xinjiang an.
Deutsche Wirtschaftsvertreter, die den Kanzler begleiten, zeigten sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass der Besuch „ein neues Kapitel pragmatischer Zusammenarbeit“ einleiten könnte.
Ein Beispiel ist die geplante Energiepartnerschaft im Bereich grüner Wasserstoff, bei der deutsche Technologieunternehmen und chinesische Hersteller von Solaranlagen künftig enger zusammenarbeiten wollen.
Fazit: Pragmatismus statt Konfrontation
Der Besuch von Friedrich Merz in China unterstreicht den Versuch, trotz politischer Spannungen einen strategischen Dialog auf Augenhöhe zu führen. Während die USA zunehmend auf Wettbewerb mit China setzen, scheint Deutschland – und insbesondere die Kanzlerschaft Merz – auf eine balancierte Linie zwischen wirtschaftlicher Kooperation und Werteorientierung zu setzen.
Wie nachhaltig dieser Kurs sein wird, hängt von der Reaktionsbereitschaft Pekings, aber auch vom europäischen Konsens in Handelsfragen ab.
Quellen
Merz in China: Bundeskanzlerin und Xi streben mehr Zusammenarbeit an
Strategische Partnerschaft mit China vertiefen und weiterentwickeln


