Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Lage nach dem US-Angriff auf Venezuela als „komplex“ bezeichnet. Bei einer Pressekonferenz in Berlin betonte Merz, dass die Bundesregierung die Entwicklungen in der Region „mit Sorge und Zurückhaltung“ verfolge. Zugleich mahnte er zu einer „diplomatischen Lösung“ und forderte, das Völkerrecht müsse „in jedem Fall gewahrt bleiben“.
Merz äußerte sich damit erstmals offiziell zu den Ereignissen, nachdem US-Truppen in der Nacht zum Samstag venezolanische Militäranlagen angegriffen hatten. Der langjährige Präsident Nicolás Maduro wurde Berichten zufolge entmachtet und festgenommen.
EU-Staaten üben scharfe Kritik an den USA
Während Berlin um eine ausgewogene Position bemüht ist, reagieren mehrere europäische Regierungen deutlich kritischer. Frankreich und Spanien sprachen von einem „völkerrechtswidrigen Eingriff“, während Italien und Portugal eine „umgehende Aufklärung“ der militärischen Operation forderten.
Die EU-Außenbeauftragte forderte die Vereinigten Staaten auf, „internationale Absprachen zu respektieren und auf eine politische Lösung hinzuarbeiten“. Gleichzeitig erkannte sie die „prekäre humanitäre Lage“ in Venezuela an.
Russland fordert Freilassung Maduros
Russland hat die US-Operation scharf verurteilt. Das Außenministerium in Moskau verlangte die „sofortige Freilassung“ von Maduro und sprach von einer „inakzeptablen Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates“.
China schloss sich der russischen Position teilweise an, plädierte aber für „Zurückhaltung auf beiden Seiten“. Beobachter sehen in der Situation eine erneute Eskalation zwischen Washington und Moskau – mit möglichen Auswirkungen auf die globale Sicherheitslage.
Analyse: Schwieriger Balanceakt für Berlin
Für die Bundesregierung bleibt der Vorfall ein diplomatischer Drahtseilakt. Einerseits gilt die enge Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten als zentrale Säule der deutschen Außenpolitik, andererseits sind internationale Grundsätze wie Souveränität und Rechtsstaatlichkeit zentrale Werte der deutschen Diplomatie.
Politische Analysten erwarten, dass Merz versuchen wird, eine Vermittlerrolle zwischen den USA und europäischen Staaten einzunehmen – ähnlich wie in früheren internationalen Krisen.
Quellen
Merz nennt Einordnung der US-Aktion “komplex”
Deutschlands Merz sagt, Maduro habe „sein Land in den Ruin getrieben“
