Ob zu Geburtstagen, Festtagen oder an Silvester – traditionell gehört das Glas Sekt oder Prosecco in vielen deutschen Haushalten einfach dazu. Doch aktuelle Marktdaten zeigen, dass der Absatz von Schaumwein in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich gesunken ist. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) ging der Konsum um rund 10 Prozent zurück. Besonders betroffen war der Massenmarkt für günstige Schaumweine, während Premiumprodukte etwas stabiler abschnitten.
Verändertes Konsumverhalten und steigende Preise
Experten führen den Absatzrückgang auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen schlagen die hohen Verbraucherpreise infolge der Inflation auf das Freizeit- und Genussverhalten durch. Viele Menschen greifen statt teurem Sekt oder Champagner zu günstigeren Alternativen wie Wein oder Bier. Zum anderen spielt ein allgemeiner Rückgang des Alkoholkonsums – insbesondere bei jüngeren Zielgruppen – eine Rolle. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) trinken junge Erwachsene heute insgesamt seltener Alkohol als noch vor zehn Jahren.
Branchenverband warnt vor dauerhaftem Strukturwandel
Der Verband Deutscher Sektkellereien (VDS) warnt bereits vor einem langfristigen Trendwandel. Zwar könnten große Ereignisse wie die Fußball-EM 2024 oder gesellschaftliche Feiern vorübergehend Impulse bringen, doch der Markt insgesamt bleibe angespannt. Viele Kellereien reagierten mit Produktinnovationen – etwa alkoholfreiem Sekt und trendigen Mischgetränken –, um den Geschmack jüngerer Zielgruppen besser zu treffen.
Ausblick: Premiumisierung als Überlebensstrategie
Analysten sehen Chancen vor allem im gehobenen Segment. „Verbraucher trinken zwar weniger, aber gezielter“, heißt es in einer Branchenanalyse des Deutschen Brauer-Bundes. Hersteller setzen daher zunehmend auf Qualität, Nachhaltigkeit und regionale Herkunft, um neue Kundschaft zu gewinnen. Ob diese Strategien den rückläufigen Absatz kompensieren können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen
Deutsche trinken weniger Sekt: Absatz von Schaumwein auf Talfahrt
Konsumflaute bei Prosecco und Champagner: Schaumwein verliert an Glanz