Der Volkswagen‑Konzern verliert seinen Chefstrategen: Stefan Weckbach, bislang Leiter der Konzernstrategie und enger Berater von CEO Oliver Blume, verlässt das Unternehmen und wechselt zu Mercedes‑AMG. Nach übereinstimmenden Berichten übernimmt der 48‑Jährige spätestens Anfang 2027 die Geschäftsführung der Performance‑Sparte mit Sitz im schwäbischen Affalterbach. Weckbach hat sich in der Branche als einer der prägenden Köpfe der deutschen Autoindustrie etabliert. Der promovierte Betriebswirt kam 2008 zu Porsche und verantwortete dort unter anderem die erfolgreiche Markteinführung des vollelektrischen Porsche Taycan, bevor er 2023 an die Spitze der Konzernstrategie von Volkswagen wechselte.
Hintergrund: Konflikte und Karrierewege
Intern gilt der Abgang als heikel, weil Weckbach bei wichtigen Zukunftsprojekten wie dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US‑E‑Auto-Start‑up Rivian eine Schlüsselrolle spielte. Zugleich war er als möglicher Nachfolger an der Spitze von Porsche gehandelt worden, setzte sich dort jedoch nicht gegen den früheren McLaren‑Chef Michael Leiters durch. Volkswagen hat auf die Personalie bereits reagiert und Ludwig Fazel zum neuen Leiter Konzernstrategie berufen. Fazel, bislang Chief Operating Officer von Volkswagen Group Components und Strategiechef im Technologiebereich, berichtet direkt an Konzernchef Blume und soll die strategische Neuausrichtung des Konzerns fortführen.
Bedeutung für Mercedes‑AMG
Für Mercedes‑AMG ist die Verpflichtung von Weckbach mehr als ein einfacher Personalwechsel. Die Performance‑Tochter von Mercedes‑Benz steht vor der Aufgabe, ihre Sport- und High‑Performance‑Modelle konsequent in Richtung Elektrifizierung und Software‑Definiertem Fahrzeug weiterzuentwickeln – Bereiche, in denen Weckbach bei Porsche und Volkswagen bereits Erfahrung gesammelt hat. Der Posten in Affalterbach gilt in der Branche als mögliches Sprungbrett in den Konzernvorstand – ein Weg, den auch Mercedes‑Chef Ola Källenius zuvor gegangen war. Beobachter werten den Wechsel daher als strategischen Coup für Mercedes‑Benz und als schmerzhaften Verlust für Volkswagen, das mitten in einem tiefgreifenden Umbau seines Geschäftsmodells steckt.
Auswirkungen auf die Autoindustrie
Der Transfer eines so prominenten Strategen von Wolfsburg nach Stuttgart verschärft den Wettbewerb zwischen den deutschen Premiumherstellern. Insbesondere im Rennen um Elektromobilität, Softwarekompetenz und neue Geschäftsmodelle könnten sich die Gewichte zugunsten von Mercedes‑AMG verschieben, sollten Weckbachs Erfahrungen aus der Taycan‑Entwicklung und den VW‑Zukunftsprojekten dort schnell wirksam werden. Für Volkswagen bedeutet der Schritt zugleich die Chance, mit einem neuen Strategiechef frische Impulse zu setzen – aber auch die Herausforderung, zentrale Zukunftsprojekte ohne einen seiner bisher wichtigsten Architekten weiterzuführen. Branchenkenner rechnen damit, dass beide Konzerne ihre Elektrifizierungs- und Performance‑Strategien in den kommenden Jahren noch schärfer gegeneinander profilieren werden.
Quellen
VW-Chefstratege Weckbach wechselt offenbar zu Mercedes-AMG
Strategiewechsel in Stuttgart: Ex‑VW‑Chefstratege soll Mercedes‑AMG neu ausrichten